02. Mai 2008, 21:18 Uhr

»ArbeiterKind.de« will zum Studium ermutigen

Gießen (pm/si). In Deutschland lässt sich die Wahrscheinlichkeit, ob ein Kind studieren wird, am Bildungsstand der Eltern ablesen. Nach der aktuellen Sozialstudie des deutschen Studentenwerks nehmen von 100 Akademikerkindern 83 ein Hochschulstudium auf.
02. Mai 2008, 21:18 Uhr
Kirsten Pohl, Initiatorin Katja Urbatsch und Nadine Pippel (v.l.) sind Doktorandinnen am Gießener Graduiertenzentrum GCSC und betreuen ehrenamtlich die Homepage. (Foto: pv)

Gießen (pm/si). In Deutschland lässt sich die Wahrscheinlichkeit, ob ein Kind studieren wird, am Bildungsstand der Eltern ablesen. Nach der aktuellen Sozialstudie des deutschen Studentenwerks nehmen von 100 Akademikerkindern 83 ein Hochschulstudium auf. Dagegen studieren von 100 Kindern nicht-akademischer Herkunft lediglich 23, obwohl doppelt so viele die Hochschulreife erreichen. Die hohe finanzielle Belastung ist nur einer von vielen Gründen, die solche Abiturienten häufig von einem Studium abhalten. »Wer selbst aus einer nicht-akademischen Familie stammt und trotzdem studiert hat, weiß, dass die eigentliche Benachteiligung in einem großen Informationsdefizit besteht«, sagt Katja Urbatsch, Doktorandin am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) der Justus-Liebig-Universität. Sie ist Initiatorin der neuen Internetseite »ArbeiterKind.de«, die das Informationsdefizit beheben und Schüler aus nicht-akademischen Herkunftsfamilien zur Aufnahme eines Hochschulstudiums ermutigen will. Am 4. Mai geht das Portal ans Netz.

Die derzeit fünf Team-Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. Sie stammen überwiegend selbst aus einem »hochschulfernen« Elternhaus und kennen daher aus eigener Erfahrung die Probleme, mit denen Kindern aus solchen Familien während ihrer Schul- und Studienzeit konfrontiert sind. Neben Urbatsch sind auch die weiteren Redakteurinnen Kirsten Pohl und Nadine Pippel Mitarbeiterinnen und Doktorandinnen am internationalen Graduiertenzentrum, das im vorletzten Jahr bei der »Exzellenzinitiative« des Bundes und der Länder ausgezeichnet wurde.

Auf »ArbeiterKind.de« können sich die Schüler über die Vorteile eines Studiums und die Berufsperspektiven für Akademiker informieren. Außerdem zeigt die Seite verschiedene Möglichkeiten auf, wie sich ein Studium finanzieren lässt. Neben dem BAföG werden auch Studierende nicht-akademischer Herkunft vorgestellt, die sich erfolgreich um Stipendien bei staatlichen und privaten Stiftungen beworben haben. Um die Schüler auch nach ihrer Entscheidung für ein Studium als Studierende zu unterstützen, bietet die soziale Initiative »ArbeiterKind. de« darüber hinaus hilfreiche Informationen, wie man wissenschaftlich arbeitet, im Ausland studieren kann, sich um Praktika bewirbt und schließlich erfolgreich das Examen meistert. Die Homepage wird auch von Prominenten wie Oliver Bierhoff unterstützt, die dort ganz persönlich erläutern, »warum sich ein Studium lohnt«.

Über das Portal hinaus plant die Initiative für den kommenden Herbst als Modellprojekt in Gießen Informationsveranstaltungen an Schulen mit gymnasialer Oberstufe. Ausgeweitet werden soll dieses Angebot langfristig sowohl auf Veranstaltungen für Studierende als auch auf weitere deutsche Standorte.

»ArbeiterKind.de« wurde Anfang Februar im Rahmen des von der Wirtschaft initiierten Wettbewerbs »startsocial« - er steht unter der Schirmherrschaft der Bundeskanzlerin - mit einem dreimonatigen Beratungsstipendium ausgezeichnet. Dadurch stehen den Doktorandinnen jetzt zwei »Coaches« zur Seite, die bei fachlichen und technischen Fragen beraten. Im Anschluss an die Startphase wird das Gutachter-Gremium von den bisher 100 geförderten Projekten zunächst 25 für die Endrunde vorschlagen. In Berlin werden dann voraussichtlich im Herbst sieben Bundessieger gekürt. Ihnen winken für die weitere Arbeit jeweils 5000 Euro.



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