07. Juli 2019, 18:38 Uhr

Eichenprozessionsspinner

Anwohner bemängeln Informationsdefizit

Bei einer Versammlung haben Anwohner des vom Eichenprozessionsspinner heimgesuchten Anneröder Viertels ihrem Unmut Luft gemacht. Ihr Zorn richtet sich dabei vor allem gegen die Behörden.
07. Juli 2019, 18:38 Uhr
Zahlreiche Betroffene schildern in der Versammlung ihre Ängste und die Auswirkungen des Eichenprozessionsspinners auf ihre Gesundheit. (Foto: Schepp)

Wir haben ein Informationsdefizit«, bringt es Bernd Tolich in der mit rund 150 Anwohnern gut besuchten Versammlung in der Andreasgemeinde auf den Punkt. Von den eingeladenen Baumsachexperten hat keiner an diesem Abend Zeit. Vertreter der Stadt und des Kreisgesundheitsamtes haben aus unterschiedlichen Gründen abgesagt. Stattdessen hatte die zuständige Dezernentin Gerda Weigel-Greilich am Nachmittag gemeinsam mit Vertretern der zuständigen Behörden (siehe Bericht in der Samstagausgabe) zu einer Pressekonferenz eingeladen, um möglichst sachlich und umfassend über die aktuelle Lage, aber auch die Aktivitäten der Stadt Gießen gegen die toxischen Raupen zu informieren - alles detailliert nachzulesen auf der städtischen Homepage (www.giessen.de).

Jeden einzelnen Befall melden

Doch das reicht den Anwohnern nicht. Sie fühlen sich von der Stadt im Stich gelassen, haben Angst, dass die Lage im nächsten Jahr vielleicht sogar noch schlimmer werden wird. Auf dem Podium sitzen mit Birgit Füller, Bernd Tolich und Wolfgang Höll die Sprecher des Viertels aus der entsprechenden Facebook-Gruppe. Sie wollen den Gremien, die etwas tun können, zeigen, »dass erheblicher Handlungsbedarf besteht.«

Hausärztin Dr. Britta Prell informiert die Zuhörer über das, was sie in den vergangenen drei Wochen in ihrer Praxis an Ausschlägen und Pustelbefall erlebt. Rund 100 Patienten seien zu ihr gekommen. Sie schätzt, dass insgesamt rund 80 bis 90 Prozent aller Anwohner betroffen seien. Einweisungen in Krankenhäuser seien in ihrer Praxis aber keine zu verzeichnen. Von denen berichtet aber eine Frau aus dem Publikum.

Immer wieder werden Tipps genannt, was man gegen die juckenden Hinterlassenschaften des Eichenprozessionsspinners tun kann. Allergietabletten, Salben gegen Mückenstiche, Pollenschutzgitter, ein elektrischer Stift gegen Stiche oder ein Bad in Tannolact, überhaupt regelmäßiges Duschen und Waschen, werden genannt.

Koordinierungsstelle der Stadt

Doch die Unsicherheit, was zu tun ist, wenn ein Baum nicht nur im öffentlichen Raum, sondern tatsächlich im eigenen Garten befallen ist, ist groß. Wie weit fliegen die Brennhärchen der Raupen? Was ist mit den Nestern, die derzeit nicht abgesaugt werden können? Warum sind die Warnschilder nur zu lesen, wenn man direkt unter einem betroffenen Baum steht? Sollen wir unsere Eichen auf privatem Grund fällen, damit sie im nächsten Jahr nicht wieder befallen werden? Es gibt Fragen über Fragen - doch keiner hat an diesem Abend eine wirklich sachkundige Antwort. Vieles ist Spekulation, manches im Internet angelesen, einiges vom Hörensagen weitergegeben. Von einem Mangel an Absaugerbeuteln berichtet Bernd Tolich, von Kompetenzgerangel etwa zwischen Autobahnmeisterei und Deutscher Bahn im kleinen Wäldchen, von Crashkursen für Mitarbeiter privater Firmen. »Was ich heute hier höre, übersteigt meine schlimmsten Befürchtungen«, empört sich eine Anwohnerin. Einem Hochbetagten ist die Versammlung allerdings »zu wenig aggressiv«. Schließlich sei es die Pflicht der Behörden, für die Gesundheit der Bürger zu sorgen.

Am Ende einigt sich die Versammlung darauf, mit einer Anwesenheitsliste zu dokumentieren, dass eben nicht nur einige Wenige betroffen sind. Und man kommt zu dem Schluss, dass es wichtig ist, jedes einzelne Nest bei der Koordinierungsstelle der Stadt (info@giessen.de, Tel. 06 41/3 06 10 04) zu melden, damit der betroffene Baum in die Liste für Präventionsmaßnahmen aufgenommen werden kann. »Unsere Aufgabe ist es jetzt, jeden einzelnen Befall zu melden«, fordert Birgit Füller die Zuhörer auf. »Aber auch zu kontrollieren, ob er entfernt wird.«

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