03. Februar 2012, 12:03 Uhr

Antonia Baehr erhebt das Lachen zur Kunst

Antonia Baehr bringt das Lachen nach Gießen: Am Freitag, 3. Februar, gestaltet sie eine Lachperformance bei den Theaterwissenschaftlern der Justus-Liebig-Universität und am Tag darauf stellt sie Lachpartituren und Bilder über das Lachen im Neuen Kunstverein aus.
03. Februar 2012, 12:03 Uhr
Da guckt sie noch sehr ernst: Antonia Baehr bietet am Freitag. 3. Februar, im Philosophikum II eine Lachperformance und stellt ab 4. Februar im Kiosk des Kunstvereins ihre Lachpartituren und Bilder zum Lachen aus. (Fotos: dkl)

Antonia Baehr hat Bildende Kunst, Film und in den USA directing for performance studiert. Sie arbeitet als Choreografin und Performancekünstlerin seit Mitte der 1990er Jahre, gründete schließlich mit anderen die Make-up-Productions (www.make-up-productions.net). Die meisten Stücke stammen von Baehr selbst, einige von William Wheeler, den sie während eines Studienaufenthalts in Chicago kennenlernte. Häufig jedoch sind es Kooperationen, zu denen auch andere Kunstschaffende beitragen.

2008 hatte ihr Stück »Lachen« Premiere und wurde zu einem ungeahnten Erfolg. Sie ist damit auch im Ausland aufgetreten, schließlich ist Lachen international und von Sprache unabhängig. In Frankreich wurde sogar ein Buch zum Thema produziert (»Rire, Laugh, Lachen«, 22 Euro). Baehr hat keine nationalen Unterschiede feststellen können, erzählt sie auf Nachfragen, doch sei jede Aufführung anders. Manche seien lauter, andere eher verhalten. Schließlich wird das, was eigentlich dem Publikum gehört, das Lachen nämlich, plötzlich auf der Bühne gezeigt. Das stiftet innere Verwirrung. Zu erleben ist dies am Freitag, 3. Februar, auf der Bühne des Instituts für Angewandte Theaterwissenschaften im Philosophikum II der Universität (20 Uhr).

Doch unsere Begegnung findet im kleinen Ausstellungsraum des Neuen Kunstverein Gießen (NKG) statt. Warum dort? Schon gleich zu Beginn von »Lachen« sei es ihr Wunsch gewesen, einmal eine Ausstellung mit ihrer Sammlung zum »Lachen« auszurichten. In Gießen ist dies erstmals möglich geworden. Sie ist begeistert, wie ästhetisch ansprechend die Partiturblätter im Bilderrahmen aussehen. Partituren des Lachens, die verschiedene Freunde für sie geschrieben haben. Denn so hat es begonnen: Sie wünschte sich zum Geburtstag Lachproben von Familie und Freunden für eine Solonummer. Die kamen als Hörproben, als Fotoreihen und als Zeichnungen mit schriftlichen Anweisungen.

Die professionellen Partituren sind wie Stücke von John Cage geschrieben, erklärt sie weiter, die benötigen die Interpretation. Für einen Vortrag muss sie sich eine solche Partitur erarbeiten, dabei helfen eigene Notizen, in der Fachsprache: Notationen. Auch solche sind in der Ausstellung zu sehen, die Einladungskarte ist etwa damit bedruckt. Interessant für sie war bereits, dass die Menschen, die sie in die Hand bekamen, häufig versuchten, das Lachen laut abzulesen. Auch Videos sind zu sehen, auf einem lacht sie bei alltäglichen Verrichtungen. Auf Bitten einer Freundin lachte sie einen ganzen Tag lang und filmte in jeder Stunde fünf Minuten lang. Lachen kann anstrengend sein.

Dennoch: Sie lacht oft und gerne im Gespräch. Ihr quasi wissenschaftlich objektivierender Blick auf das Lachen ist für die Bühne. Auch wenn ihre Kunstform in das Genre Kunst und Leben gehört, entzieht sie sich jeder Kategorisierung. Erstaunt habe sie zur Kenntnis genommen, dass bisher fast niemand über das Lachen an sich geschrieben hat. Warum wir lachen, darüber gibt es philosophische Abhandlungen seit der Antike. Und dass Lachen therapeutische Wirkung entfaltet, auch darüber ist zu lesen. Aber nicht über das Lachen selbst, das aus Körperbewegung und Tönen besteht, unterschiedlichste Tonhöhen und Rhythmen aufweist. Nicht umsonst wird sie häufig auf Tanzfestivals eingeladen.

Die Vernissage findet am Samstag, 4. Februar, um 18 Uhr im Kunstverein statt. Die Einführungsrede hält der Theaterwissenschaftler Stefan Hölscher. Im Anschluss wird im »Zwischenraum« gefeiert, im ehemaligen Bettenhaus Röhr, das die Gießener Theaterwissenschaften das ganze Jahr über für Veranstaltungen nutzen können. Der Vorsitzende des Kunstvereins, Markus Lepper, ist besonders glücklich, dass diese Kooperation geklappt hat. Die Ausstellung ist bis zum 24. März zu sehen und zu hören, samstags von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung (www.kunstverein-giessen.de). dkl

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