01. Januar 2019, 22:38 Uhr

Anregende Reise nach Russland

01. Januar 2019, 22:38 Uhr
Renate Brügge, Katharina und Marina Sagorski sowie Armin Gissel (v.l.) nehmen den Beifall entgegen. (Foto: jou)

Das vielversprechende Motto des Meditationskonzerts zum Jahreswechsel, »Russische Weihnachten«, lockte am frühen Silvesterabend zahlreiche Besucher in die Petruskirche. Viele Klassikfreunde kennen die Orchesterfassung von Peter Tschaikowskis »Nussknacker-Suite«. Kantorin Marina Sagorski präsentierte ausgewählte Sätze der beliebten Komposition in Frederick Hohmanns Orgelbearbeitung. Recht farbig gelang ihr die eröffnende Akkordfolge der Ouvertüre, ebenso schattierungsreich, dabei ausgeklügelt in der Tempogestaltung wirkte ihre Interpretation im weiteren Verlauf. Wie reizvoll das Arrangement orchestrale Effekte imitiert, zeigte sich auch bei dem humorvollen »Tanz der Rohrflöten« mit klanglich brillanter, spielerisch anmutender Motivik in federnder Bewegung. Ein wenig erinnerte das an Jahrmarktsmusik – freilich in weit kunstvollerer Form. Der »Tanz der Zuckerfee« ertönte in dunkleren Registern und verströmte Besinnlichkeit. Klar geschichtet ließen sich die einzelnen Stimmlagen beim »Marsch« heraushören in Sagorskis makelloser Darbietung; für eine besondere Note sorgte hier Violinistin Renate Brügge.

Pfarrer Armin Gissel bereicherte das Konzert mit nachdenklichen Texten wie »Vater Martin« von Leo Tolstoi über einen alten Schuhmacher, der in bescheidenen Verhältnissen allein lebt und Kraft aus der Bibellektüre schöpft. Im Traum hört der Mann Jesus Stimme, glaubt, dass er ihn am nächsten Tag besuchen wird. So setzt er sich ans Fenster und beobachtet die Passanten; Hilfsbedürftige lädt er zu sich ein. Im Ganzen ein tief bewegendes Plädoyer für Nächstenliebe. Zur Liebe wie gegenseitigen Achtung forderte auch Augustinus‹ Text »Miteinander reden und lachen« auf; ebenso lehrreich die »Schale der Liebe« von Bernhard von Clairvaux.

Unmittelbar zu berühren vermochten auch die weiteren musikalischen Beiträge wie Karl Dawidows Duo »An der Wiege«. Cellistin Katharina Sagorski – sie wirkte jüngst bei der Aufführung der ersten Hälfte von Bachs »Weihnachtsoratorium« mit – spielte mit sangbarer Tongebung und ausgeprägtem poetischem Sinn. Von ihrer Mutter Marina Sagorski wurde sie am Klavier einfühlsam begleitet; ganz sanft ließen die beiden die Musik ausklingen.

»Vater Martin« von Leo Tolstoi

Cellistin und Pianistin gelang gemeinsam mit Violinistin Renate Brügge in wieder sehr feiner Interaktion das Stück »Januar/ Am Kamin« aus Tschaikowskis Klavierzyklus »Jahreszeiten« in Alexander Goedickes Triobearbeitung. Klanglich ausbalanciert vorgetragen, bezauberte die melodische Anmut dieser kammermusikalischen Perle.

Zu dem hervorragenden Gesamtbild trug die Kantorin auch mit Hintergrundinformationen zu Komponisten und Werken bei. Nach Gebet und Segen ging das Konzert mit dem walzerseligen »Dezember/Weihnachten«-Stück aus demselben Zyklus zu Ende.

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