11. Juni 2018, 21:28 Uhr

Anlaufstelle für 20 000 Menschen

11. Juni 2018, 21:28 Uhr
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Aus der Redaktion
Das Jobcenter sitzt unter anderem in der Nordanlage. (Foto: Schepp)

Durch die weitere Übernahme von Flüchtlingen, die aus dem Asylbewerberleistungsgesetz in die Grundsicherung wechseln, ist die Zahl der vom Jobcenter Gießen betreuten Hilfebedürftigen im Vorjahr auf einen Rekordstand geklettert. Zugleich waren aber zum Jahresende 2017 im Kreisgebiet doppelt so viele Menschen aus den acht Hauptfluchtländern sozialversicherungspflichtig beschäftigt wie 2015. Zahlreiche Flüchtlinge nehmen aktuell an Qualifizierungsmaßnahmen teil. »Unsere Förderketten funktionieren!«, bilanziert Jobcenter-Geschäftsführer Wolfgang Hofmann.

Insgesamt gut 20 500 Menschen haben in Stadt und Landkreis Gießen am 31. Dezember 2017 vom Jobcenter Arbeitslosengeld II (Hartz-IV-Leistungen) bezogen. Knapp 5000 von ihnen – also rund 25 Prozent – stammen aus den acht nicht europäischen Hauptfluchtländern. Das ist ein Spitzenplatz unter den hessischen Jobcentern.

Mit rund 15 000 Menschen (Jahresende) stellen die sogenannten erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (eLb) rund zwei Drittel der vom Jobcenter unterstützten Personen dar. Hinzukommen Kinder und Jugendliche, die zur Schule gehen oder eine Ausbildung absolvieren sowie kranke Menschen.

Insbesondere die Arbeit mit den erwerbsfähigen Flüchtlingen hat die Arbeit im Jobcenter geprägt. Über 1300 Flüchtlinge beantragten im vergangenen Jahr erstmals Leistungen beim Jobcenter Gießen, knapp 400 fanden mit Unterstützung des Jobcenters einen Arbeitslatz, sodass am Jahresende noch 3432 erwerbsfähige Menschen aus den acht nicht europäischen Hauptfluchtländern einen Anspruch gegenüber dem Jobcenter hatten. Das ist ein Plus von rund 2000 Leistungsbeziehern seit dem Beginn des Flüchtlingszuzuges 2015. Über die Hälfte der Men-schen kommen aus Syrien, gefolgt von Eritrea, Afghanistan und dem Irak, zwei Drittel sind jünger als 35 Jahre.

Viele Qualifizierungsmaßnahmen

Die Zahl der Teilnehmer an Integrationskursen, Qualifizierungen und Trainingsmaßnahmen stieg um rund 800 auf 2400 am Jahresende an. Insgesamt nehmen ständig rund drei Viertel aller Flüchtlinge an Angeboten des Jobcenters oder des BAMF teil.

»Ich bin stolz darauf, dass wir trotz dieser enormen Herausforderungen das Kerngeschäft nicht vernachlässigen«, verweist Hofmann darauf, dass mit Unterstützung des Jobcenters außer den knapp 400 Flüchtlingen mit über 2600 Menschen etwa genauso viele vom Jobcenter betreuten Hilfebedürftige eine sozialversicherungspflichte Arbeit aufnehmen konnten wie im Vorjahr. »Der lokale Arbeitsmarkt ist weiterhin sehr aufnahmefähig, vorzugsweise aber für gut qualifizierte Bewerber«. Besonders die betreuten Langzeitarbeitslosen benötigten aber zumeist eine umfassende Qualifizierung sowie nachhaltige Unterstützung, um auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen zu können.

Das Jobcenter nutzte daher in vollem Umfang die über neun Millionen Euro so genannter Eingliederungsmittel, die der Behörde 2017 zur Unterstützung der arbeitsuchenden Arbeitslosengeld-II-Empfänger zur Verfügung standen. Der größte Anteil (rund 4,3 Millionen Euro) wurde für Aktivierungsmaßnahmen zur beruflichen Eingliederung (wie Bewerbungstraining) verwendet, gefolgt von der Förderung der beruflichen Weiterbildung (1,2 Millionen Euro), Angeboten für jungen Menschen (1,2 Millionen Euro) sowie Zuschüssen an Arbeitgeber (670 000 Euro) für die Einstellung von Bewerbern mit besonderen Hemmnissen.

Das Jobcenter sicherte zudem im vergangenen Jahr durch die Zahlung von Arbeitslosengeld II und Miete in Höhe von insgesamt knapp 103 Millionen Euro rund 20 500 Menschen (Stichtag: 31. Dezember 2017) in über 11 00 Haushalten (Bedarfsgemeinschaften) in Stadt und Landkreis Gießen den Lebensunterhalt. Das sind rund 900 Haushalte mit gut 1700 Menschen mehr als zum Vorjahresstichtag. Gezahlt wurden pro Bedarfsgemeinschaft im Dezember 2017 durchschnittlich 964 Euro. Darin enthalten sind unter anderem 380 Euro für Unterkunft und Heizung sowie 152 Euro Sozialversicherungsbeiträge.

Mit über 1,4 Millionen Euro (plus 150 000 Euro) gab das Jobcenter eine Rekordsumme für Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) aus, mit dem Kinder in Familien mit geringem Einkommen unterstützt werden. Das Jobcenter finanzierte damit Schulbedarf, Ausflüge und Klassenfahrten, Nachhilfe, Mittagsverpflegung sowie Teilhabeleistungen (beispielsweise Beiträge für Sportvereine).



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