13. Januar 2019, 18:17 Uhr

Anders als der Durchschnitt

13. Januar 2019, 18:17 Uhr
CMD
Lars Ruppel (rechts) übergibt den Hauptpreis – einen pinken Textmarker – an den Frankfurter Poeten GAX. (Foto: cmd)

Überaus überdurchschnittlich war der »Poetry Slam des fantastischen Durchschnitts«, der am Samstag zahlreiche Zuhörer ins Stadttheater gezogen hatte. Moderator Lars Ruppel kürte am Ende des kurzweiligen Abends den Sieger – der neben der Frage nach dem Terroristen von heute auch die Eigenheiten der deutsche Sprache unter die Lupe nahm.

Ruppel eröffnete den Abend gewohnt humorvoll. Es tue ihm leid, wenn er ein bisschen müde erscheine, sagte der gebürtige Münzenberger. Aber er sei vor kurzem Vater von Zwillingen geworden, dann könne das Publikum seinen aktuellen Zustand sicherlich verstehen. »Das ist mein erster Auftritt im Jahr 2018«, sagte Ruppel und lachte. »2019, sorry, das passiert mir irgendwie immer.« Das Publikum warnte er vor: Dies sei kein ordinärer Poetry Slam; es ginge an diesem Abend »back to the roots« – also zurück zur rohen Form des Slams.

Den Anfang des Poetry Slams machte Aylin Celik. Sie bot als sogenanntes »Opferlamm« zwei musikalische Impressionen dar, die die Ohren der Zuhörer auf seine Poesie einstimmen sollten. Die elektrischen Klänge erwiesen sich dabei als erfrischend abwechslungsreich. Ein weiteres Lied durfte die Künstlerin dem Publikum nach der Pause präsentieren.

Bäume und Terroristen

Als der musikalische Gastauftritt ein Ende fand, wurde Bo Wimmer auf die Bühne gebeten. Der Poet aus Marburg, ein bekanntes Gesicht in der Poetry Slam Szene, brachte den Saal mit einer gewitzten Tragödie über ein Huhn in Stimmung. Gleich zu Anfang legte der Schachmanager mit 40 Punkten vor – die eine zuvor von Ruppel zusammengestellte Jury aus dem Publikum vergab. Damit sicherte er sich einen Platz im Finale.

Als zweiten Poet des Abends hörte das Publikum Etta Streicher aus Berlin, die mit ihrem Text für Entschleunigung im Alltag und Umweltschutz plädierte. Der Clou: Sie sprach aus der Perspektive der Bäume.

GAX aus Frankfurt schwadronierte über seine Pläne, eine neue, modernere RAF zu gründen und davon, wie anstrengend es doch sei, heutzutage Terrorist zu werden. Ebenso wie Wimmer erhielt er für sein Werk 40 Punkte und einen Platz im Finale.

Nach der Pause und dem zweiten Auftritt Celiks gab es eine Überraschung: Ruppel selbst stellte ein neues Gedicht von ihm vor. Es basierte auf dem »Raben Nimmermehr« von Edgar Allan Poe und handelte vom Dieselskandal.

Stefan Seifert aus Dresden setzte mit einem Text über das Leben mit und ohne Digitalisierung und Handy den Wettbewerb fort. Arne Poeck beendete die erste Runde im Stadttheater, indem er in einem hinter der Bühne spontan verfassten Gedicht den Abend mit einem Augenzwinkern zusammenfasste – bevor er seinen eigentlichen Text vortrug. Dieser handelte wortwitzgewaltig vom Wald. »I couldn’t do it Blätter«, sagte er. Es war gut genug: Mit 44 Punkten ging es für ihn ins Finale.

Nachdem die Finalisten jeweils einen weiteren Text vorgetragen hatten und Ruppel Gegenstände aus dem Publikum als Preise für die Slammer entgegennahm, wurde der Gewinner ermittelt. Den Pokal in Form eines pinken Textmarkers durfte GAX entgegennehmen, der mit seinem Finaltext über die Eigenheiten der deutschen Sprache schließlich den größten Teil des Gießener Publikums überzeugen konnte.



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