31. März 2018, 06:00 Uhr

Unkonventioneller Schmuck

Amica feiert Geburtstag

Als das Schmuckgeschäft »Amica« vor 40 Jahren eröffnete, wurde es schnell für viele Gießenerinnen eine Lieblingsadresse für trag- und bezahlbare Ketten, Ringe und Armbänder..
31. März 2018, 06:00 Uhr
Elsa Waltraud Hartmann (m.), Jana Nitschke (r.) und Amira Rohnke freuen sich über das stolze Jubiläum. (Foto: Schepp)

Viel Platz gab es nicht. Das war auch gar nicht nötig. Wer den Eckladen am McDonalds-Haus in der Neuen Bäue betrat, war an den Biedermeier- und Luis-Quinze-Schränken interessiert. Oder vielmehr an deren Inhalten. Ringe, Ketten, Armreife. Die waren anders als alles, was man Anfang der 80er Jahre in den Auslagen der Juweliere sah. Nicht völlig unerschwinglich. Aber auch keine billige Kaufhausware. Elsa Waltraud Hartmann, die »Amica« 1978 zunächst in der Walltorstraße/Ecke Asterweg eröffnet hatte und dann über die Neue Bäue in die Plockstraße zog, hat vor 40 Jahren etwas für Gießen Neues »erfunden«. Damals gab es noch keine Gartenfestivals und »Street-Art-Feste«, auf denen kreative Goldschmiede ihre hochwertigen Arbeiten verkauften; sie schloss mit ihrem Sortiment eine Lücke. Dass sie mit »Amica« eine so lange Erfolgsgeschichte starten würde, hätte Hartmann sich damals nicht träumen lassen - um so mehr freut sie sich heute gemeinsam mit Geschäftsführerin Jana Nitschke und ihrem Team über das Jubiläum.

 

Frauen kauften sich früher selten selbst Schmuck. Das ist heute anders

Waltraud Hartmann

Was haben Schmuck und weibliche Emanzipation miteinander zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel. Auf den zweiten sehr wohl. Denn Hartmann wollte von Anfang an Frauen ansprechen, die Spaß daran haben, sich selbst ein Geschenk zu machen. »Diese Kette gefällt mir, die kaufe ich mir«, ist ein selbstbewusstes Statement, das heute selbstverständlich scheint, es aber nicht immer war. Der Gegenentwurf zu dieser Idee ist kostbarer, edler Schmuck, den (Ehe)Männer zu Geburtstagen oder Weihnachten besorgen und der dann zu Hause in der Schatulle oder gar im Tresor liegt, weil er nicht alltagstauglich ist. Gerade in Gießen als Studentenstadt mit einem jungen und akademischen Publikum traf »Amica« einen Nerv. »Ich wollte trag- und bezahlbaren Schmuck anbieten«, sagt die Inhaberin. Viele der ersten Kundinnen von damals sind »Amica« treu geblieben. Sie kommen heute mit Töchtern oder Nichten – und nach wie vor alleine und mit Freundinnen, um zu schauen, was es Neues gibt. Schmuck tut in jeder Lebenslage gut.

Puristische Formen

Hartmann entwirft Vieles aus dem Sortiment selbst, damals wie heute. Sie fertigt Zeichnungen nach ihren eigenen Vorstellungen an und legt sie Goldschmieden vor, die ihre Ideen dann umsetzen. Der Stil entspricht auch Zeitgeist und Mode, bleibt sich aber dennoch treu. Hartmann mag puristische, schlichte Formen am liebsten, doch gibt es seit langem auch verspielte oder romantische Kollektionen namhafter Hersteller.

Ebenso auffällig wie der Schmuck ist auch das Geschäft, das war im Laufe der Jahre an allen Standorten so; das Faible der Inhaberin für Kunst und Kunstgeschichte ist immer sichtbar. Nach dem Auszug aus der Neuen Bäue ist »Amica« 2000 in die Plockstraße gezogen, erst auf die eine Seite der Straße, dann 2008 in die jetzigen Räume. Ein bisschen schrill, ein bisschen schräg, ein bisschen ironisch und immer witzig – dafür ist der Laden, aber auch die Frauen darin bekannt: Die Werbekampagnen von Hartmann und Nitschke sind mittlerweile zu einem Markenzeichen geworden.

In den gläsernen Vitrinen, die heute statt der alten Holzschränke bei »Amica« stehen, gibt es Schmuck aus Gold, Roségold oder Silber, mit oder ohne Steine, schlicht oder aufwendig gearbeitet. Dass es für Frauen längst salonfähig geworden ist, sich selbst Schmuck zu kaufen, heißt natürlich nicht, dass Geschenke vom Liebsten aus der Mode gekommen sind. Zum Glück für die »Amica«-Frauen. Denn die freuen sich immer über experimentierfreudige Männer, die sich gerne beraten lassen. »Welcher Typ ist Freundin oder Frau? Welche Augen- und Haarfarbe hat sie?« Sind diese Fragen geklärt, tasten sich die Expertinnen vor und beginnen, den Herren Vorschläge zu machen. In manchem Osternest wird morgen eine kleine Schachtel mit dem bekannten Schriftzug liegen. Auch das mag übertrieben sein. Aber Beschwerden über einen Gruß von der guten Freundin aus der Plockstraße gibt es selten.

 

Jubiläum

Eine Katze namens Amica

Inhabergeführte Fachgeschäfte sind selten geworden in den Innenstädten. Das Schmuckgeschäft »Amica« gehört dazu. Waldtraud Hartmann eröffnete ihren Laden 1978 in der Walltorstraße, weitere Standorte waren die Neuen Bäue und die Plockstraße. Namensgeberin war ursprünglich die Katze der Besitzerin. Sie hieß »Amica«, die Freundin.

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