01. September 2017, 18:21 Uhr

Weltkriegsbombe

Als eine Bombe vom Frankfurter Kaliber in Gießen gefunden wurde

Eine Bombe von ähnlichem Ausmaß der Frankfurter Luftmine wurde auch in Gießen bereits gefunden. 1964 war das. Am Sonntag werden über 60 000 Frankfurter evakuiert. Damals in Gießen waren es: Zwei.
01. September 2017, 18:21 Uhr

In der Ausgabe vom 24. September 1964 meldete die Gießener Freie Presse: »36 Zentner schweres Buddelfass entschärft«. Die Bombe war am Morgen des 23. September bei Bauarbeiten hinter dem »Gerichtsgefängnis« an der Ostanlage in knapp zwei Meter Tiefe gefunden worden.

Die Auswirkungen damals in Gießen waren mit den aktuellen in Frankfurt nur schwer zu vergleichen: Die Polizei sperrte damals den Fundort ab, schickte Lautsprecherwagen durch die Wohnstraßen und forderte die Bevölkerung zu »luftschutzmäßigem Verhalten« auf. Fenster und Türen wurden also geöffnet, danach verschwanden die Bewohner in den Kellern. Geräumt wurden aber nur zehn Häuser. Zudem wurden alle Gefängnisinsassen bis zur Entschärfung am Nachmittag woanders untergebracht. Gleichwohl wirkt der damalige Aufwand gering: Ganze 30 Polizisten wurden benötigt, um das Gebiet um den Fundort abzuriegeln und den Verkehr umzuleiten.

Und: Nur zwei Anwohner wurden evakuiert. Um 15.10 Uhr war die Bombe entschärft. »Alles konnte wieder seinen normalen Gang gehen«, schließt der Zeitungsbericht. Die britischen Luftminen HC 4000 (1,8 Tonnen) oder HC 8000 (knapp vier Tonnen) gelten bis heute als Schrecken der Katastrophenschützer. Anfang November mussten in Dortmund nach dem Fund eines solchen »Wohnblockknackers« 20 000 Menschen evakuiert werden, in Koblenz verließen 2011 sogar 45 000 Bewohner ihre Wohnungen, nun in Frankfurt sind es über 60 000 Menschen.

Wenn solche Bomben bei Luftangriffen über Wohngebieten explodierten, deckten sie durch die Druckwelle die Dächer im Umkreis von mehreren 100 Metern ab. Denn die Luftminen wurden auch eingesetzt, um den kleinen Stabbrandbomben Zugang zu den leicht brennbaren Dachböden zu ermöglichen und so das Entstehen von Bränden zu begünstigen, bis hin zu den sogenannten Feuerstürmen. Direkte Opfer von Luftminen starben an einem Lungenriss. Die Deutschen bezeichneten die riesigen Bomben aufgrund ihres Aussehens als »Buddelfass«, »Litfaßsäule« oder auch »Badeofen«.

Auf Gießen wurden diese schweren Kaliber vor allem beim Nachtangriff am 6. Dezember 1944 abgeworfen. Obwohl Gießen für einen Feuersturm eigentlich zu klein war, legen Augenzeugenberichte den Schluss nahe, dass es in dem eng bebauten alten Stadtkern doch dazu kam. Überlebende berichteten von »turmhohen Feuersäulen«, die wie kleine Orkane durch die Straßen gewirbelt seien.

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