03. September 2018, 21:58 Uhr

Aliens im Neuen Kunstverein

03. September 2018, 21:58 Uhr

Das ist eine sehr sparsame Ausstellung, auch für Kunstvereinsverhältnisse. Eine kleine Bronzeskulptur hockt einsam und allein auf der Fensterbank des Kunstkiosks an der Ecker Licher Straße/Nahrungsberg. Die Einladungskarte ließ schon vermuten, dass es was mit dem Denkmal gegenüber an der Licher Gabel zu tun hat.

Künstler Max Eulitz wurde 1987 in Leipzig geboren, studierte an der Städelschule in Frankfurt. Seitdem lebt er in der Stadt am Main, gibt auch New York als Lebensort an. Das klingt verheißungsvoll. Wer ihn googelt, findet auf seiner Homepage lediglich ein nicht lesbares Dokument, was als ironische Verweigerungshaltung zum Künstler erscheint.

Seine Ausstellungsbeteiligungen fanden bislang vorwiegend im Zusammenhang mit der Städelschule statt. Seine Arbeitsweise ist konzeptuell, er schaut sich den Ausstellungsort an, recherchiert zum sozialen, politischen und zeitgeschichtlichen Hintergrund und entwickelt daraus seine Kunst. Die gewählten Medien und Materialien passen sich dem an, sind daher unterschiedlich.

Beim Kunstverein ist es naheliegend, dass er sich mit der Geschichte des Denkmals befasst, die als Brunnenplanung begann, in der Nachkriegszeit zum Denkmal der Reservisten des »Geschwaders Greif« wurde, was bei linken und pazifistischen Gruppen auf Widerstand stieß und mehrfach zu Beschädigungen führte. Im Bemühen um Befriedung wurde 2005 die Trauerskulptur des heimischen Künstlers Matthes von Oberhessen dort aufgestellt, mit einer Schrifttafel der Umwidmung des Denkmals.

Eulitz hat einen frischen, unverbrauchten Blick auf die Situation des Platzes, nimmt sie als unfertig wahr. Die Spuren der Zeit sind erkennbar. Er reagiert darauf mit der kleinen Skulptur namens »der Greif der Punk das Alien« (Foto). Sie besteht aus drei Figuren, die, ähnlich den Bremer Stadtmusikanten, übereinander hocken. Unten hockt ein hakennasiger Vogel (der Greif), der eher an Faschingsorden erinnert, darüber sitzt eine mondgesichtige Figur mit Stachelhaaren (der Punk) und über allen eine Nachahmung der Trauernden (das Alien).

Wer noch weitergehen will mit dem Ortsbezug: auf der Rückseite der Skulptur ist auf dem Rücken des Pumuckel-Punks ein Anarcho-A zu sehen, das sich nebenan auf dem Alten Friedhof wiederfindet, auf einem Sockel vor dem Eingang zur Friedhofskapelle.

Nicht zu vergessen, dass die Trinität auf die ansonsten leere Wand blickt, an der Blätter hängen, die zur Geschichte des Denkmals informieren.

Zu sehen ist die Ausstellung im ehemaligen Kiosk am Alten Friedhof bis 20. Oktober, Ein Künstlergespräch findet am 20. Oktober um 16 Uhr statt. (Foto: dkl)

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