15. Januar 2010, 19:46 Uhr

AZ-Leser wünschen sich mehr Einigkeit in der Stadtpolitik

Gießen (kw). Kino und Marktplatz, immer neue Straßensperrungen und hartnäckige »Schandflecken«: Bauthemen standen in den letzten Jahren stets im Vordergrund, wenn die AZ-Leser um den Jahreswechsel herum ihre Ideen und Hoffnungen für die Stadt formulierten. Nun aber rücken die Kommunalpolitiker und speziell die neue Oberbürgermeisterin in den Blick.
15. Januar 2010, 19:46 Uhr
An diesen Anblick mögen sich viele Leser auch nach fast 30 Jahren nicht gewöhnen: Eine Lösung für das verfallende Samen-Hahn-Gebäude am Reichensand bleibt ein Wunsch-»Dauerbrenner«. (Foto: Schepp)

Gießen (kw). Kino und Marktplatz, immer neue Straßensperrungen und hartnäckige »Schandflecken«: Bauthemen standen in den letzten Jahren stets im Vordergrund, wenn die AZ-Leser um den Jahreswechsel herum ihre Ideen und Hoffnungen für die Stadt formulierten. Nun aber rücken die Kommunalpolitiker und speziell die neue Oberbürgermeisterin in den Blick. Etliche Bürger fürchten offenbar Scharmützel zwischen der Sozialdemokratin Dietlind Grabe-Bolz und der CDU/Grüne/FDP-Mehrheit in Parlament und Magistrat. Etliche Appelle zur guten Zusammenarbeit wurden geäußert in der Rubrik »Was ich mir für Gießen im kommenden Jahr wünsche« bei der Umfrage zu den lokalen Ereignissen 2009.

Insgesamt 258 Leser aus Gießen und Umgebung hatten sich - wie berichtet - an der Umfrage beteiligt. Gut die Hälfte von ihnen nutzte die Gelegenheit, Wünsche für das neue Jahr zu äußern, und die handelnden Personen im Rathaus waren dabei das meistgenannte Thema. »Eine funktionierende Regierung für Gießen - keine sich zerfleischenden Einzelkämpfer« brauche die Stadt, schreibt etwa eine Kleinlindenerin. Einigkeit im Magistrat und in der Stadtverordnetenversammlung sei »im Interesse aller«, bekräftigen andere. Die angespannte Finanzlage der Stadt gebiete gemeinsame Anstrengungen zum Schuldenabbau, der vielen Teilnehmern am Herzen liegt.

Grabe-Bolz möge sich »mit ihrem Schwung und ihren Ideen gegen die drei anderen hauptamtlichen Betonköpfe durchsetzen«, meint ein Lollarer, eine Gießenerin setzt auf die »Diplomatie und Intelligenz« der neuen OB, und ein Reiskirchener unterstreicht: Die Koalitionäre seien aufgefordert, ihr »eine reelle Chance zu geben«. Anscheinend war ihr Wahlkampf-Thema Bürgerbeteiligung ein Grund für ihren Erfolg - jedenfalls wird es auch von den Lesern auffallend häufig genannt. Vor allem in der Stadtplanung sollten Kommunalpolitiker und Verwaltung ein offenes Ohr für die Meinung der Laien haben, heißt es immer wieder. Man dürfe »nicht Herrn Rausch alleine den Bahnhofsvorplatz planen lassen«, unkt beispielsweise eine Pohlheimerin.

Dass es dort vorangeht, steht auch in diesem Jahr auf vielen Wunschzetteln. Ebensowenig vergessen die Leser die »Schandflecken« Samen-Hahn und Alte Hauptpost. »Im Grundgesetz ist verankert: ›Eigentum verpflichtet‹«, schreibt ein Busecker: »Wieso kann der Besitzer über so viele Jahre untätig bleiben?« Für die Enteignung plädiert ein Gießener. Ebenfalls als »Dauerbrenner« erweisen sich erneut die Wünsche »weniger Baustellen«, »mehr (kostenlose) Parkplätze« und »bessere Ampelschaltungen«; einige nennen auch wieder den Aufzug am Stadttheater.

Das meistgenannte Bauvorhaben des letzten Jahres spielt derzeit dagegen kaum noch eine Rolle: Die veränderte Planung für das Großkino am Berliner Platz hat die Gemüter offenbar beruhigt. Lehnten im vergangen Januar noch viele Leser das Projekt rundheraus ab, so sind jetzt die Befürworter leicht in der Mehrzahl unter denjenigen, die das Thema überhaupt nennen. Ganz verstummt ist die Debatte um den Erhalt des Elefantenklos. Die neuen Rolltreppen dort funktionierten störungsfrei - das werde hoffentlich so bleiben, meint ein Innenstadtbewohner.

Auf die Landesgartenschau 2014 freuen sich zahlreiche Leser. Sie werde nicht nur die lange geplante Fußgängerbrücke über die Lahn zwischen West- und Nordstadt bringen, sondern vor allem »mehr Grün«. Zu viele Bäume würden gefällt, meinen mehrere, und einer wünscht sich eine Satzung zu ihrem Schutz zurück.

Veränderungen beim Weihnachtsmarkt mahnen mehrere Bürger an. Der sollte besser auf dem Kirchenplatz konzentriert werden; die Eisbahn könnte dafür auf den Katharinenplatz umziehen, schlägt eine Gießenerin vor. Für die Fußgängerzone wünschen sich manche weniger Billigläden, andere mehr Sitzbänke oder Ausgeh-Angebote zur abendlichen Belebung.

Weiterhin Bundesliga-Basketball in Gießen, »keine Flops im Stadttheater«, »hoffentlich keine Feinstaubplakette« und »mehr Fahrradkontrollen« gehören zu den selten genannten Wünschen. Den »Rückbau des Gießener Rings« zu kleineren Straßen wünscht sich ein Anwohner des Eichendorffrings, »einen Ikea« eine Lindenerin. Dass sich diese Hoffnungen im Jahr 2010 erfüllen, ist unwahrscheinlich - das gilt wohl leider auch für den Wunsch »Gesundheit für alle«.



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