10. April 2013, 20:28 Uhr

ADFC: »Polizei kontrolliert die Falschen«

Gießen (pm). »Die Polizei Mittelhessen kontrolliert die Falschen«: So kommentiert der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Gießen die Ankündigung verstärkter Überprüfungen von Radfahrern. Die größte Unfallgefahr bei Radverkehrsunfällen gehe von Autofahrern aus.
10. April 2013, 20:28 Uhr

»Viel sinnvoller für die Verkehrssicherheit wäre es, gegen typische Fehler der Autofahrer zum Beispiel beim Abbiegen vorzugehen«, schreibt Dr. Jan Fleischhauer vom ADFC in einer Pressemitteilung

Es sei zwar richtig, dass haben (40 Prozent), schreibt Fleischhauer. Enthalten sei jedoch auch eine große Anzahl an Alleinunfällen, also einfache Stürze, die naturgemäß zu 100 Prozent durch Radfahrer verursacht sind. »Wenn man die Zahlen jedoch auf die jeweiligen Unfallkonstellationen auflöst, ergibt sich seit Jahren ein deutlich anderes Bild.« So seien Radfahrer typischerweise nur noch bei weniger als 30 Prozent der Unfälle selber Verursacher, wenn sich ein Unfall zwischen Rad und Auto ereignet. Bei Unfällen zwischen Lkw und Rad liege der Anteil der schuldigen Radfahrer unter 25 Prozent.

»Es ist daher unverständlich, warum die Aktionen der Polizei zur Verkehrssicherheit sich vor allem auf Kontrollen gegenüber Radfahrern erstrecken, obwohl die Hauptunfallgefahren von den Kraftfahrzeugführern ausgehen. Leider richte die Polizei in Mittelhessen ihr Augenmerk nicht darauf – »auch dort nicht, wo Radfahrer an Einmündungen regelmäßig übersehen werden«. Es sei somit nicht zu erwarten, dass die Kontrollen die Verkehrssicherheit deutlich erhöhen.

Übrigens nehme die Zahl der Unfälle mit Radfahrern in Mittelhessen seit Jahren stetig ab. 2009 gab es beispielsweise 539 Unfälle. Dies sage jedoch wenig aus: In Jahren mit gutem Wetter werde mehr Rad gefahren, dann gebe es mehr Unfälle.

»Leider äußert sich die Polizei auch nicht zum Grund der Regelverstöße der Radfahrer. Viele Verstöße geschehen dann, wenn Verkehrsführungen nicht verständlich sind, was beim Radverkehr häufig der Fall ist«, betont Fleischhauer. Ein Beispiel sei die derzeitige Situation auf der Sachsenhäuser Brücke in Gießen, wo am Ende des linken Radwegs (in Richtung Stadtmitte) eine sichere Querungsmöglichkeit in der Baustelle fehlt, obwohl diese gemäß Verwaltungsvorschrift zwingend vorgeschrieben sei. »Es ist wenig verwunderlich, dass Radfahrer dann aus Verzweiflung Regeln überschreiten. Der Zusammenhang zwischen Verkehrsführung und Regelüberschreitung wird beim Radverkehr jedoch oft übersehen oder ignoriert.«

Dass die Polizei das Befahren von Einbahnstraßen in ihrer Pressemitteilung besonders erwähnt, verwundere. Zum einen sei dies nicht besonders unfallrelevant, zum anderen seien die meisten Kommunen ihrer Verpflichtung, Einbahnstraßen in Tempo-30-Zonen für Radfahrer freizugeben, bis heute nicht flächendeckend nachgekommen. Das gelte etwa für Wetzlar. Dabei gingen Unfallraten zurück, wenn Radfahrer in Gegenrichtung eine Einbahnstraße befahren dürfen. Statt »Radfahrer zu kriminalisieren«, solle die Polizei für die Einhaltung der Straßenverkehrsordnung eintreten.

Kontrollen der Radfahrer seien natürlich in Ordnung, betont Fleischhauer. »Es müssen sich aber auch die Behörden an die StVO halten, und Kontrollen sollten sich vor allem gegen die richten, von denen die Gefahr ausgeht. Das sind gemäß Unfallstatistik vor allem die Autofahrer, was die Polizei Mittelhessen leider nicht berücksichtigt.«

Polizei will Sicherheit von Radlern erhöhen


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