30. Oktober 2019, 21:43 Uhr

7000 Beratungsgespräche pro Jahr

30. Oktober 2019, 21:43 Uhr

»Ein Mädchen oder Weibchen, wünscht Papageno sich« - mit dieser Arie aus der Zauberflöte wurden die 60 geladenen Gäste im Netanyasaal im Alten Schloss von Bariton Jörg Müller begrüßt. Er moderierte auch den Abend zum Festakt des 40-jährigen Jubiläums des Kinder- und Jugendtelefons in Gießen. Dieses Mozart-Lied zeigt die emotionale Bandbreite heranwachsender Jungs; von Größenwahn bis Selbstzweifel. Und es steht für mehr als die Hälfte aller Beratungsgespräche, die 2018 geführt wurden. Müller führte aus, dass 51 Prozent der Anliegen der jugendlichen Anrufer in den Themenbereich Liebe, Partnerschaft, Sexualität gehörten.

Das Kinder- und Jugendtelefon in Gießen wurde 1979 vom Verein »Eltern helfen Eltern« gegründet. Zudem ist das Telefon eines von 95 Mitgliedern im Dachverband »Nummer gegen Kummer«, die bundesweit unter der Telefonnummer 116 111 erreichbar sind. Gegenwärtig führen in Gießen 35 Berater ca. 7000 Gespräche jährlich. Niedrigschwellig, das heißt, anonym und kostenlos, können sich Kinder und Jugendliche mit allen Fragen und Problemen an die gut ausgebildeten Ansprechpartner wenden. Das ist ein Grund zu feiern, sagte Ulla Passarge, die erste Vorsitzende von Eltern helfen Eltern und begrüßte die Gäste aus Politik, Institutionen, Verbänden und befreundeten Vereinen.

Neuer Kurs für Ehrenamtliche

Verone Schöninger, hessische Landesvorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes, erinnerte an die Anfangszeit Anfang der 80er von »Nummer gegen Kummer« Einheitliche Beratungsstandards wurden entwickelt, die Standorte bei Technik und Finanzierung unterstützt. Für den Landkreis sprach der Dezernent für Integration Istayfo Turgay. Bereits im August beim Info-Stand im Seltersweg ist ihm das umfangreiche ehrenamtliche Engagement aufgefallen.

»Die Gründung des Kinder- und Jugendtelefons bedeutete ein Aufbrechen der Familie«, sagte Klaus-Dieter Grothe, der als Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses die Stadt Gießen vertrat. Beeinflusst von der 68er-Bewegung entstanden in der Zeit Erziehungs-Beratungsstellen und Familientherapie gewann an Einfluss. Das, was in Familien passierte, blieb nicht mehr verschlossen. Es gab nun Möglichkeiten, sich von außen Hilfe zu holen. War es seinerzeit hauptsächlich das Thema Aggression, das zum Vorschein kam, resümiert Grothe, beschäftigen sich heute Jugendpsychologen mit dem Aspekt Positionierung in der Leistungsgesellschaft.

Constan Veldkamp, Ausbilder beim Kinder- und Jugendtelefon, beschrieb die Anfänge, als Gespräche im Wohnzimmer des Beraters geführt wurden. Und so kam es damals vor, dass die Tochter einer Beraterin das Gespräch führte, weil die Mutter auf Toilette war. Mit der »Nummer gegen Kummer« hat sich die Beratungsarbeit professionalisiert.

Am Dienstag, 5. November, beginnt ein neuer Ausbildungskurs. Wer Interesse hat, kann sich für die Infoveranstaltung am 31. Oktober, 17.30 Uhr, in der Rooseveltstraße unter kjt@ehe-giessen.de anmelden.

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