15. August 2014, 19:58 Uhr

50 Prozent mehr Kirchenaustritte

Gießen (si). In der Stadt und dem Landkreis Gießen sind seit Anfang Januar schon knapp 1100 Menschen aus den beiden großen christlichen Kirchen ausgetreten – rund 50 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.
15. August 2014, 19:58 Uhr

Gegenüber 2011 und 2012 hat sich die Zahl sogar verdoppelt. Das zeigen die aktuellen Daten der Nachlass- und Registerabteilung des Gießener Amtsgerichts, das im Bezirk für Kirchenaustritte zuständig ist.

Hauptgrund ist offenbar eine Neuregelung bei den Steuern, die auf Kapitalerträge erhoben wird. Diese behalten die Banken ab 2015 auch für die Kirchensteuer automatisch ein und führen sie ab. Bislang galt das nur für den staatlichen Anteil auf Kapitalerträge, wenn der Freibetrag (jährlich maximal 801 Euro bei Ledigen und 1602 Euro bei Verheirateten) ausgeschöpft war. Mit dem Kirchenaustritt wollen vermutlich viele Mitglieder den Abzug ganz umgehen, also Steuern sparen.

Eine ähnliche Entwicklung gibt es in vielen Teilen Deutschlands. Mehrere Landeskirchen bestätigten eine Steigerung der Austrittszahlen um etwa 40 bis 50 Prozent. Bis Ende des Jahres dürften sich – auch in Gießen – die Zahlen noch deutlich erhöhen. Derzeit sprich vieles für historische Höchstzahlen, also mehr Kirchenaustritte innerhalb eines Jahres als je zuvor.

In der Stadt und Kreis Gießen gab bis zum Stichtag 15. August (gestern) allein bei der evangelische Kirche 789 Austritte – das entspricht knapp einem Prozent ihrer hier gemeldeten steuerpflichtigen Mitglieder. Bei der katholischen Kirche lag der Anteil mit 297 Abgängen ähnlich hoch (im gesamten Kreis Gießen gibt es rund 130 000 evangelische und 40 000 katholischen Kirchenangehörige, Kinder eingeschlossen). Die Zahlen sind damit schon jetzt höher als normalerweise in einem ganzen Jahr, in dem sich etwa 800 bis 1100 Menschen aus der Amtskirche abmelden.

Auffallend gestiegen waren die Zahlen zuletzt im vergangenen Herbst – zeitgleich mit der öffentlichen Diskussion um den Limburger Bischofs Tebartz-van Elst. Letztlich kann man über die Gründe für die Austritte aber nur mutmaßen: Die Nachlassabteilung des Amtsgerichts erfrage sie nicht, bekräftigte Geschäftsleiterin Gislinde Löffert im Gespräch mit dieser Zeitung.



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