02. März 2011, 12:50 Uhr

40 JLU-Wissenschaftler hatten gegen Guttenberg protestiert

Gießen (mö). 40 Wissenschaftler der Gießener Universität hatten gemeinsam mit tausenden von Doktoranden und Promovierten aus ganz Deutschland Ende vergangener Woche in einem Offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel gegen deren Umgang mit dem Fall zu Guttenberg zu protestieren.
02. März 2011, 12:50 Uhr
Justus-Liebig-Universität Gießen (Symbolfoto: Schepp)

Einer von ihnen ist Magnus Hubert, der am Dienstagvormittag .durch einen Anruf dieser Zeitung vom Rücktritt von Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg erfahren hat. Ein bisschen hat auch der Anglistik-Professor der Justus-Liebig-Universität dazu beigetragen, dass der Druck auf den CSU-Politiker wegen dessen abgeschriebener Doktorarbeit in den letzten Tagen zu stark geworden war. »Ich habe eigentlich damit gerechnet«, meinte er denn auch.

Motiviert worden, den Aufruf zu unterschreiben, sei er weniger durch die politische, sondern die »wissenschaftliche Seite« des Falls, sagt Huber. Der Professor, der an der JLU englische Sprachwissenschaft und Geschichte der englischen Sprache lehrt, hat zwar »gewisses Verständnis« für Merkel, die ein wichtiges Mitglied ihres Kabinetts nicht habe verlieren wollen, aber das, was zu Guttenberg gemacht habe, sei »für die Wissenschaft ein Kapitalverbrechen«. Eben dies sei im Laufe der Debatte »bagatellisiert« und zum »Kavaliersdelikt« kleingeredet worden, ärgert sich der Professor, der auch auf mögliche praktischen Folgen der Diskussion für die Lehre an den Hochschulen verweist. Huber: »Wir verlangen von jedem Studierenden, der eine Hausarbeit schreibt, dass er eine Plagiatserklärung abgibt. Was haben die wohl angesichts dieser Debatte gedacht?«

Unter den gut 3000 Doktoranden, die bis gestern Vormittag den Offenen Brief an die Kanzlerin unterschrieben hatten, finden sich 27 Nachwuchswissenschaftler der Justus-Liebig-Universität. Weitere 13 Gießener Doktoren und Professoren folgten dem Aufruf ebenfalls. Neben Angehörigen fast aller deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen finden sich unter den Unterzeichnern auch Deutsche, die an amerikanischen Eliteunis wie Yale, Princeton oder Harvard arbeiten. Sogar die Bundeswehrhochschule ist vertreten.

Zu den Unterzeichnern zählt auch Dr. Michael Breitbach, der als Kanzler dem Präsidium der JLU angehört. »Ich bin keiner, der schnell irgendwelche Aufrufe unterschreibt, aber in diesem Fall habe ich es sofort getan«, sagt Breitbach. Aus seiner Sicht »stand sehr viel auf dem Spiel, denn es ging letztlich an die Würde und Identität der Wissenschaft«. Beeindruckt habe ihn die Reaktion der jungen Doktoranden, die nicht bereit gewesen seien, sich ihre Würde nehmen zu lassen. Breitbach: »Ich bin richtig stolz, in diesem deutschen Wissenschaftsbetrieb zu arbeiten.«

An der »Handhabe des Falls« gestört hat sich auch Franziska Deutscher. Die Wirtschaftswissenschaftlerin schreibt derzeit an ihrer Doktorarbeit im Themenbereich internationales Management und betreut als wissenschaftliche Mitarbeiterin selbst Studierende. »Wir versuchen hier, wissenschaftliche Standards weiterzugeben und müssen Fehlverhalten sanktionieren, denn es gibt klare Regeln«, stellt Deutscher fest. Sie habe den offenen Brief unterschrieben, »weil es uns darum geht, dass die Standards wissenschaftlichen Arbeitens eingehalten werden«.

»Wir sind keine Fußnotenfanatiker«

In dem Aufruf an Merkel hatten sich die Wissenschaftler unter anderem dagegen gewehrt, als »Fußnotenfanatiker« dargestellt zu werden, die nicht wüssten, »was im wahren Leben zählt«. An einer Stelle heißt es: »Vielleicht sind wir altmodisch und vertreten überholte konservative Werte, wenn wir die Auffassung hegen, dass Aufrichtigkeit und Verantwortungsbewusstsein Werte sein sollten, die auch außerhalb der Wissenschaft gelten sollten.«

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