24. September 2017, 14:00 Uhr

Prügel-Attacke

27-Jähriger im Bett verprügelt

Weil sie einen 27-Jährigen im Schlaf überrascht und verprügelt haben sollen, wurden zwei Gießener zu Schmerzensgeldzahlungen verurteilt. Die Angeklagten bestreiten die Tat.
24. September 2017, 14:00 Uhr

Der Mann am Zeugentisch wirkte nicht wie ein Opfer. Er habe schon häufiger Probleme mit der Polizei gehabt, erzählte der 27-Jährige den Richtern freimütig. »Wegen Körperverletzung und Prügeleien – was Jugendliche so machen.« Auch dass bei Streitereien mit seiner Ex-Freundin »die Fetzen flogen«, gab der Gießener offen zu.

Am Abend des 6. April 2015 musste er jedoch selbst ordentlich einstecken: Laut Anklage waren drei Täter mit einem gestohlenen Schlüssel in die Wohnung der Ex-Freundin des Opfers eingedrungen und prügelten auf den schlafenden Arbeitslosen ein. Der erlitt unter anderem eine blutende Platzwunde im Gesicht. Als die Täter das Blut sahen, seien sie abgehauen, berichtete der Gießener.

 

An den Hoden festgehalten

 

Dass einer der Angreifer ihn an den Hoden festgehalten habe, schilderte er ebenfalls. »Ich weiß ja nicht, ob dir das vielleicht Spaß gemacht hat«, fragte er in Richtung eines 23-jährigen Angeklagten. Denn der Mann war sich sicher, dass die beiden Gießener – 22 und 23 Jahre alt – die Schuldigen waren. Er habe sie erkannt, da im Schlafzimmer der Fernseher lief und Licht gebrannt habe. Ebenso einen weiteren Angeklagten, dessen Verfahren jedoch abgetrennt worden war, weil sein Verteidiger verhindert war.

Obwohl der Zeuge locker wirkte, ist der Vorfall nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Er könne nicht mehr gut schlafen, berichtete der 27-Jährige. Grund für die Attacke war aus seiner Sicht ein heftiger Streit mit seiner Ex-Freundin. Er wollte nicht, dass sie in einer Bar in der Weststadt arbeitete und stellte sie dort an Silvester 2014 zur Rede. Die Angeklagten – Mitarbeiter und Stammkunden der Bar – hätten dies mitbekommen und vielleicht auch bei seiner Verflossenen Eindruck schinden wollen, mutmaßte das Opfer.

Tatsächlich bestätigte die 23-Jährige, sie habe beobachtet, wie zwei der Angeklagten am Tattag in den Personalraum der Bar gegangen seien, wo sie ihre Tasche samt Wohnungsschlüssel abgestellt habe. Auch habe sich einer der Täter erst nach ihrer Adresse erkundigt und später geagt: »Wir waren in deiner Wohnung und haben ihn rausgeschmissen.« Zwar hatten die Täter den Übergriff bestritten, aber Harald Wack, Jugendrichter am Gießener Amtsgericht, verurteilte beide am Freitag wegen gefährlicher Körperverletzung. Die Auszubildenden wurden verwarnt und müssen Schmerzensgelder von 600 und 800 Euro bezahlen.

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