30. Mai 2010, 20:36 Uhr

25000 Besucher beim »Festival der jungen Forscher«

Gießen (fd). Monatelang hatten sie im Verborgenen getüftelt, experimentiert und ausgewertet, bevor es nun am Wochenende endlich hieß: Vorhang auf für die jungen Forscher!
30. Mai 2010, 20:36 Uhr
Für die Kinder ein Superstar: Willi Weitzel auf der Bühne am Kirchenplatz

In einer weißen Zeltstadt rund um den Kirchenplatz präsentierten Schülerinnen und Schüler aus der Region ihre Forschungsprojekte, an denen sie zusammen mit Universitäten und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen gearbeitet hatten: Wie kommunizieren Fische? Wie baue ich eine Rakete? Wie schädlich ist Mobilfunkstrahlung? Rund 25 000 Besucher waren nach Gießen gekommen, um sich beim »Festival der jungen Forscher« von den Schülern aufklären zu lassen. Auch Brandplatz und Botanischer Garten standen ganz im Zeichen der Wissenschaft.

Es klappert und quiekt und jauchzt aus allen Ecken, als sich der musikalische Sternmarsch, der das Festival eröffnet, aus fünf verschiedenen Richtungen dem Kirchenplatz nähert. Die Musiker der »Marching Bandits« und des »Black Bandits Marching Corps« schlängeln sich durch die weiße Zeltstadt, vorbei an den Plakaten, auf denen die wissenschaftlichen Projekte der Schüler beschrieben sind, vorbei auch an einer riesigen Rakete, die von Schülern der Liebigschule gebaut wurde, oder einem Aquarium mit Blutegeln, deren Verhalten von Schülern der Herderschule erforscht wurde. Dabei werden sie kritisch beäugt von einem Apatosaurus, der zwar nichts mit den Forschenden zu tun hat, sich aber wegen der Dinosaurier-Ausstellung ohnehin für mehrere Wochen in Gießen aufhält und das Festival als willkommene Abwechslung empfindet.

Die Besucher drängen sich bereits trotz immer wieder einsetzender Regenschauer vor der Bühne, wo kurz darauf Stargast Willi Weitzel - der Moderator aus der ARD-Sendung »Willi will's wissen« - auftreten wird, um die jungen Forscher zu ihren Projekten zu befragen (siehe Artikel unten rechts).

In der Luft liegt der leichte Duft von Bratwurst und Erbsensuppe und zieht vom Kreuzplatz an den Marktlauben entlang zum Brandplatz, vorbei an immer mehr weißen Zelten über die »Straße der Experimente«. Hier zeigen nun Forschungseinrichtungen, Unternehmen, Schülergruppen, Kindergärten oder auch Hobbyforscher kurzweilige Experimente zum Anfassen und Mitmachen, so wie dies in den vergangenen Jahren bereits mit großem Erfolg in der Liebigstraße zu sehen war.

An einem Stand gewinnt die ZAUG gGmbH Strom aus einer Kartoffel, um damit einen Taschenrechner zu betreiben. Gleich nebenan bittet der Psychologe Max Roth die Besucher auf seinen Stuhl um ihnen mittels Hypnose das Rauchen abzugewöhnen. Nur einige Meter weiter erklärt die Poppe GmbH + Co KG, wie Gummi hergestellt wird.

Die ganz jungen Forscher zieht es in den Netanya-Saal im Alten Schloss. Mit selbst gewonnenem Pflanzenöl kann dort eine Lampe gebastelt, können mit Brennstoffzellen elektrische Geräte betrieben oder mit Solarzellen Handfeger zum Laufen gebracht werden: Eine Forscherwerkstatt eigentlich für die Kleinen, doch an den Tische drängen sich mit angezogenen Beinen auch immer wieder Väter und Mütter: Wissenschaft als Spaß für Groß und Klein!

Nur wenige Meter weiter im Botanischen Garten präsentieren Studierende und Schüler eine Ausstellung zu Themen wie Bio-Diversität und Evolution. Vor allem aber finden die Besucher des Festivals hier auch ein wenig Ruhe vom bunten Angebot auf den Straßen. Entspannen kann man sich auch beim gänzlich unwissenschaftlichen Abschluss des »Festivals der jungen Forscher«, bei dem sich die musikalische Nachwuchs-Szene der Region die Ehre gibt: Bands wie »Campaign like Clockwork«, »Springfield« oder »Neoh« unterhalten die Gäste, die nach dem Festival noch nicht nach Hause wollen.

Rund 110 000 Euro hat die Stadt Gießen für das Event ausgegeben. 50 000 Euro erhielt die Stadt als Wettbewerbssiegerin als Preis von der Körber-Stiftung, der Deutschen Telekom Stiftung und der Robert-Bosch-Stiftung. »Weitere 15 000 Euro kamen hinzu, weil wir über Sponsoren den gleichen Betrag aufbringen konnten«, freute sich Sadullah Güleç, Geschäftsführer der Gießen Marketing GmbH, der am Ende des Spektakels überaus zufrieden Bilanz zog. »Die Besucherzahlen haben gestimmt, rund 25 000 Menschen waren dabei, diese Zahl hat auch Mathematik-Professor Albrecht Beutelspacher bestätigt«, sagte Gülec.

Unmittelbar vor dem Festival hatte Universitäts-Präsident Joybrato Mukherjee bei einer Fachtagung bekanntgegeben, dass die Universität Gießen eine Akademie für Junge Forscher eröffen will. Diese »Hermann Hofmann Akademie« soll im derzeit fast leer stehenden Botanischen Institut in der Senckenbergstraße schon im Herbst diesen Jahres gegründet werden, mit Hörsälen, Büroräumen und Werkstätten für die naturwissenschaftlichen Disziplinen.

Klar ist: Die Stadt Gießen hat die Messlatte für ihre Nachfolgerin, die Hansestadt Kiel, noch einmal höher gesetzt. Die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt hat sich im Endspurt um den Titel »Stadt der jungen Forscher 2011« gegen Jena und Karlsruhe durchgesetzt und wird Gießen im nächsten Jahr beerben.

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