10. Juni 2010, 20:04 Uhr

18 200 Anrufer suchten Seelsorge-Rat

Gießen/Wetzlar (ür). Die Telefonseelsorge Gießen-Wetzlar hat im vergangenen Jahr 18 266 Mal den Hörer abgenommen. Das ist eine Zunahme von fast 20 Prozent.
10. Juni 2010, 20:04 Uhr
Stellen die Kampagne »Sorgen kann man teilen« der Telefonseelsorge vor (v.l.): Der ev. Dekan Frank-Tilo Becher, Pastoralreferent Gerhard Schlett, Pfarrer Wolfgang Schinkel und der kath. Dekan Januarius Mäurer. (Foto: ür)

Auf diese Steigerung haben die beiden Leiter der ökumenischen Einrichtung, der evangelische Pfarrer Wolfgang Schinkel und der katholische Pastoralreferent Gerhard Schlett, in ihrem Jahresbericht hingewiesen. Im Vorjahr hatten die Mitarbeiter vor Ort insgesamt 15 339 Mal Gespräche über die bundeseinheitlichen Nummern 08 00/ 111 0 111 oder 08 00/111 0 222 entgegengenommen.

Die Telefonseelsorge Gießen-Wetzlar ist rund um die Uhr für fast eine Million Einwohner von Friedberg bis Alsfeld und von Limburg bis Herborn zuständig. Die beiden Leiter machen vor allem die durch die Wirtschaftskrise verstärkten familiären Probleme für die steigenden Anrufe verantwortlich, wie auch ein zunehmendes Bedürfnis nach Orientierung und Selbstvergewisserung in einer komplizierter werdenden Welt.

Die meisten Anrufe kommen am Nachmittag und frühen Abend zwischen 13 und 19 Uhr an. Der überwiegende Teil der Hilfesuchenden ist weiblich. Die Männer machen etwa 40 Prozent der Anrufer aus.

Schlett wies darauf hin, dass sich rund 4 200 Personen erstmals an die Telefonseelsorge gewandt haben. Das Alter reicht von unter 9 Jahren bis über 80 Jahre. Den größten Anteil mit über 3000 Anrufern stellt die Altersgruppe zwischen 40 bis 59 Jahren. Die meisten Ratsuchenden meldeten sich mit psychischen Problemen, gefolgt von Fragen der Partnerschaft, Einsamkeit, Sinn- und Orientierungslosigkeit. Auch Konflikte in Familie und Verwandtschaft, Probleme mit der Sexualität und Krisen in Krankheitszeiten oder im beruflichen Umfeld lassen Menschen zum Hörer greifen. Ebenso schwierige Situationen wie Trauer wegen Trennung oder Todesfall, und das Durchleben von Schmerz, Ohnmacht und Hilflosigkeit bis hin zu Gedanken über Suizid.

Die Telefonseelsorge ist für jeden erreichbar. Sie versteht sich als ein offenes Ohr, das zuhört und die akute Krise begleitet, ohne Vorbedingungen als niederschwelliges Angebot. Dabei geht es weniger um die Erarbeitung einer »Lösung«, sondern darum, einen geschützten Raum anzubieten, in dem die Anrufer ihre Anliegen und Gefühle aussprechen können, sich entlasten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sich ihrer verantwortungsvollen Aufgabe bewusst und nehmen jeden Anruf ernst – egal ob um acht Uhr morgens oder um Mitternacht. Unter der Homepage <%LINK auto="true" href="http://www.Telefonseelsorge.de" text="www.Telefonseelsorge.de" class="more"%> besteht zudem die Möglichkeit der anonymen und datengeschützen Begleitung mittels Mail oder Chat.

Helfer gesucht

Um den Dienst in der Region für Menschen in akuter Krise zu gewährleisten, ist die Telefonseelsorge auf ehrenamtliche Helfer angewiesen. Derzeit nehmen rund 50 Frauen und Männer die Anrufe entgegen. Nach Angaben von Schlett brauche die Telefonseelsorge Gießen-Wetzlar aber rund 70 Mitarbeiter, um den Dienst rund um die Uhr auf Dauer zu sichern. Dafür bietet die Telefonseelsorge eine umfangreiche, anspruchsvolle Ausbildung. Der nächste Kurs soll im Herbst starten. Interessenten können sich schon jetzt unter der Telefonnummer 06 41/ 33 00 9 melden.

Bundesweit gibt es über 100 Telefonseelsorgestellen. Sie haben sich ein einheitliches Erscheinungsbild gegeben und eine Kampagne unter dem Titel »Sorgen kann man teilen« gestartet, um ihre Arbeit in der Öffentlichkeit bekannt zu machen.



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