11. April 2018, 06:00 Uhr

Neue Wohnungen

150 Wohnungen mit Burgenblick

Ein Ende des Booms beim Wohnungsbau ist auch in Gießen nicht in Sicht. Die Stadt hat jetzt das nächste größere Projekt an der Marburger Straße in Angriff genommen.
11. April 2018, 06:00 Uhr
Wohnungen und ein Hotel sollen auf dem knapp ein Hektar großen Grundstück an der Marburger Straße entstehen. (Foto: Schepp)

Als der Gießener Immobilienunternehmer Jochen Ahl und die Familie Würtele im Februar vor einem Jahr ihr gemeinsames Projekt in der Marburger Straße vorstellten, war noch viel offen. Von einem »Oldtimerhandel« schwärmte der Imaxx-Geschäftsführer.

Letztlich hat sich der Investor dann doch hauptsächlich für jene Nutzung entschieden, die sich seit Jahren nicht nur in Gießen am besten vermarkten lässt: Wohnungen. 150 sollen im Bereich der sogenannten »Rinn’schen Grube« an der oberen Marburger Straße entstehen – mit Burgenblick. Dies sieht der Bebauungsplan vor, dessen Aufstellung der Magistrat am Montag beschlossen hatte und der am Dienstag von der Stadtregierung präsentiert wurde.

Sozialwohnungen dabei

Danach haben das Stadtplanungsamt und die Imaxx Projektentwicklungsgesellschaft das vergangene Jahr genutzt, um aus mehreren Varianten ein »Kompromiss-Konzept« zu erstellen. Es sieht 14 Mehrfamilienhäuser in zweiter Reihe der Marburger Straße vor, die nach hinten an einen Grüngürtel grenzen, in dem ein Spielplatz und ein Regenrückehaltebecken vorgesehen sind. Bis zu 26 der 150 Einheiten sind für den sozialen Wohnungsbau reserviert.

Die 18 Prozent liegen zwar unter der Quote, die das Gießener Wohnraumversorgungskonzept für Neubauvorhaben anmahnt, aber Bau- und Planungsdezernent Peter Neidel verwies darauf, dass es sich um eine Privatinvestition handelt. »Da darf man die Anforderungen nicht überspannen, denn wir wollen ja, dass das Gesamtprojekt verwirklicht wird«, betonte der CDU-Stadtrat. Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz (SPD) ist zuversichtlich, dass die Koalition aus SPD, CDU und Grünen so schrittweise ihr Ziel erreicht, bis zum Ende der Wahlperiode im Jahr 2021 rund 400 neue Sozialwohnungen zu schaffen.

Die unterschiedlich großen Wohnhäuser werden maximal dreieinhalbgeschossig sein, mit fünf bis 19 Wohnungen. Erschlossen wird die zweireihige Bebauung durch eine Stichstraße mit Wendehammer. Direkt an der Straße, wo das alte BMW-Autohaus noch mindestens ein Jahr an einen anderen Händler vermietet ist, sieht das Konzept einen kleinen Gewerbekomplex vor. Ein Großteil der Parkplätze soll in Tiefgaragen entstehen. Investor Ahl will das Projekt zu einem späteren Zeitpunkt im Detail erläutern, kündigte er am Dienstag an.

 

Hotel mit 60 Betten geplant

 

Außerhalb des Plangeltungsbereichs soll das Hotel entstehen. Bei der Pressekonferenz im Februar 2017 war von einer Herberge mit 60 Betten für Übernachtung und Frühstück die Rede, die die Geschäftsleute Sylvia und Uli Würtele betreiben wollen. Für das Hotel reicht laut Neidel ein einfaches Baugenehmigungsverfahren aus.

Ob das Hotel kommt, dürfte auch davon abhängen, ob es zum anvisierten Verkauf der Alten Post kommt. Sylvia Würtele und ihr Bruder Karim Shobeiri würden es gerne an den Frankfurter Unternehmer Sven-Günther Rothenberger abtreten, der sich vor einigen Wochen eine Kaufpotion gesichert hatte. Ihren Anteil am Erlös könnten die Würteles, die an der Westanlage das Hotel »Alt Gießen« mit 54 Betten betreiben, dann in ihr neues Hotelprojekt stecken.

Info

Der Streit um Aldi

Für Wohnungen gibt es offenbar keine Obergrenze, für Supermärkte schon. Diese Erfahrung musste die Unternehmerfamilie Würtele vor nunmehr zwölf Jahren machen, als sie ihr Grundstück an der Marburger Straße an den Discounter Aldi verkaufen wollte. Da es entlang der Marburger Straße schon einige Märkte gab, blockierte die Stadt das Vorhaben und entschied auch einen Rechtsstreit für sich. Zwischen der Familie und der damals regierenden CDU, die eigentlich eng verbunden waren, kam es deshalb zum Bruch.

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