22. Mai 2019, 22:12 Uhr

1000 Kilometer gegen Rasselisten

22. Mai 2019, 22:12 Uhr
Astrid Paparone und Barbara Hoffmann mit Dirk Schäfer und Sabine Hofmann (v. l.) am Tierheim. (Foto: pm)

Von Flensburg bis München: Das Ehepaar Manuela und Dirk Schäfer wandert mit ihren beiden Rottweilern Sina und Ares vier Wochen lang durch Deutschland. Ihr Ziel: Die Abschaffung der Rasselisten und ein deutschlandweit einheitlicher Sachkundenachweis und Hundeführerschein für alle. Auf den Spaziergängen mit dabei sind stets viele Begleiter mit ihren Hunden, die sich der Aktion anschließen. Am Freitag wurden Dirk und Manuela Schäfer im Tierheim Gießen empfangen.

»Wir hatten schon lange einen Wanderurlaub durch Deutschland geplant«, erklärt Dirk Schäfer, »Ein Auslöser für unsere Aktion war das vermehrte Auftauchen von Rottweiler-Fotos bei der Berichterstattung über Hundeangriffe - auch wenn gar kein Rottweiler beteiligt war«.

Jedes Bundesland führt unterschiedliche Rasselisten. In manchen stehen nur drei Rassen, in anderen, wie in Hessen, sind es neun. Neben dem Rottweiler sind dies Hunderassen wie American Staffordshire, American Bullterrier, Kangal oder Bordeauxdogge. Viele sogenannte »Listenhunde« fristen ein lebenslanges Dasein im Tierheim, sind nicht vermittelbar. In vielen Gemeinden fallen zudem höhere Steuern für die sogenannten »Listenhunde« an. Gerade Halter von Rottweilern würden oft angefeindet, so Dirk Schäfer, »dabei ist der Rottweiler - eine alte deutsche Rasse - ein treuer und ehrlicher Familienhund, den eine hohe Hemmschwelle auszeichnet, der sich also viel mehr gefallen lässt, als andere Hunde, sehr nachsichtig und geduldig reagiert«.

Aber hier komme es eben auf die gute Erziehung an. Deshalb ist Dirk Schäfer der Ansicht: »Die Rasselisten bringen niemandem etwas«, wichtig sei ein Hundeführerschein für alle Hundehalter.

Manuela und Dirk Schäfer sind schon viele Jahre im Tierschutz tätig. Ihnen geht es nicht nur um die Abschaffung der Rasselisten, sondern auch um ein Verbot des illegalen Online-Welpenhandels. Gab es in den 90er Jahren in Deutschland noch zahlreiche anerkannte Rottweilerzüchter mit an die 400 Welpen im Jahr, ist die Zahl inzwischen rückläufig: Im letzten Jahr waren es lediglich noch 20 Welpen aus vier Würfen. »Und trotzdem tauchen immer mehr Welpen auf«, so Dirk Schäfer. Diese kommen aus Welpenfabriken in Osteuropa, sind meist in einem schlechten Gesundheitszustand und oftmals schlecht sozialisiert, weil sie viel zu früh von der Mutter getrennt werden. Verkauft werden die Hunde aus dem Kofferraum über ebay Kleinanzeigen »Dabei könnte der Gesetzgeber den Onlinehandel, wie in Österreich, so leicht verbieten«, bedauert Dirk Schäfer. Das Ehepaar hat schon viele Hunde aus schlechter Haltung und Vermehrungszuchten in ein gutes Zuhause vermittelt.

Die Vorsitzende des Gießener Tierschutzvereins, Astrid Paparone, begrüßte die Aktion. Sie ist überzeugt davon, dass kein Hund aufgrund seiner Rasse als gefährlich eingestuft werden sollte. Sie hält es für wichtig, dass Hundehalter lernen, wie man einen Hund zu einem guten alltagstauglichen Begleiter ausbildet und das mit einer Hundeführerscheinprüfung unter Beweis stellen.

Unterstützung kommt auch von der Gießener Tierärztin Dr. Barbara Hoffmann, die selbst als Sachverständige des Landes Hessens Wesenstest für Rassehunde macht. Sie finde die Listen »unmöglich«, die dort aufgeführten Rassen seien nicht per se gefährlicher als andere Hunderassen, sagte sie.

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