04. Dezember 2017, 11:00 Uhr

Geburtstags-Überraschung

100-jährige Gießenerin tanzt Walzer

Zum 100. Geburtstag bekam Else Keil einen besonderes Geschenk. Einen Walzer mit einem der bekanntesten Gießener Tanzlehrer. Hier gibt es den Tanz im Video.
04. Dezember 2017, 11:00 Uhr
Drehungen im Dreivierteltakt: Else Keil und Günter Bäulke. (Foto: Friedrich)

Der formvollendeten Verbeugung folgt die Einladung: »Darf ich bitten«? Und ob der Herr im dunkelblauen Anzug das darf: Für ein paar Minuten lässt das zierliche Geburtstagskind den Rollstuhl stehen und dreht sich mit Günter Bäulke zum Takt der Musik. »Ich halte mich mal ein bisschen an Ihnen fest«, sagt Else Keil zwar zwischendurch, aber dennoch sitzt jeder Schritt. Tanzen verlernt man nicht. Sie strahlt über das ganze Gesicht, die Gäste klatschen. Der Tanzlehrer bedankt sich für dieses besonderes Ereignis: »Es ist mir eine große Ehre«. Die Überraschung, die Rudi Knauß sich für seine Tante ausgedacht hatte, ist rundum gelungen. »Das ist ganz wunderbar«, sagt die alte Dame gerührt.

Früher im Ballett getanzt

Die Idee des Neffen - er ist der Sohn des verstorbenen Historikers Erwin Knauß – kam nicht von ungefähr. Else Keil hat zeitlebens leidenschaftlich gerne getanzt, eine Weile sogar Ballett. Am allerliebsten war ihr der Tango, aber an den wagte sich das Paar während der Geburtstagsfeier im Albert-Osswald-Haus dann doch nicht heran. »Wir wollen nicht übertreiben«, sagt Bäulke und lacht. Der 79-Jährige, der Generationen von Gießenern das Tanzen gelehrt hat und auch heute noch Kurse gibt, kennt die Jubilarin schon sehr lange, die Familie seiner Frau lebte in der Nachbarschaft der Keils.

Ein "echtes Gießener Mädchen"

Else Keil, am 2. Dezember 1917 während des ersten Weltkriegs geboren, ist ein echtes »Gießener Mädchen«. In ihrer Jugend tanzte sie nicht nur gerne, sondern war auch eine gute Turnerin beim VfB 1900 Gießen. 1939 heiratete sie Rudolf Knauß, der damals Fußballer beim VfB war. 1942 wurde ihre Tochter Helga geboren. Das Glück der kleinen Familie hielt jedoch nicht lange an, denn der Ehemann fiel 1943 während des Russlandfeldzugs. 1946 heiratete die junge Witwe den Kaufmann Karl Keil. Auch Else war in einem kaufmännischen Bereich tätig. Nachdem sie zunächst eine Ausbildung als Fotolaborantin absolviert hatte, war sie später lange Jahre im Gießener US-Depot in der Buchhaltung beschäftigt.

Gemeinsam mit ihrem mittlerweile verstorbenen Mann unternahm die nun 100-Jährige viele Reisen. Die Eindrücke aus zahlreichen Ländern dieser Erde möchte sie nicht missen, sie zehrt noch heute davon. »Kinder, schaut euch die Welt an, das kann euch später keiner nehmen«, lautet folglich ihr Rat an nachfolgende Generationen. Und vor dem Einrosten warnt sie. Bis sie 2010 ins Pflegeheim gezogen ist, hat sie ein sehr aktives, kulturell reges und unternehmungslustiges Leben geführt. Ihren großen Freundes- und Bekanntenkreis hat sie immer gepflegt.

Das sah man auch bei der Feier. Neben der Verwandtschaft rund um Tochter Helga, Enkel Michael sowie den Urenkeln Timo und Hanna waren viele Freunde und Weggefährten gekommen. Die Glückwünsche der Stadt überbrachte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz. Trotz harter Zeiten und schweren Schicksalsschläge blickt die 100-Jährige mit Dankbarkeit zurück: »Ich hatte ein glückliches Leben«.

15 Gießener 100 Jahre oder älter

In der Stadt Gießen mit ihren rund 84 700 Einwohnern leben derzeit 15 Personen, die bereits ihren 100. Geburtstag feiern durften. Zwölf davon sind Frauen. Am 18. Dezember kommt eine weitere Seniorin hinzu.

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