13. August 2018, 21:55 Uhr

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13. August 2018, 21:55 Uhr
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Von Armin Pfannmüller

Die Städtepartnerschaft zwischen Gießen und Netanya kann in diesem Jahr auf ihr 40-jähriges Bestehen zurückblicken. Gefeiert wird das Jubiläum unter anderem am Freitag, wenn zur Eröffnung des Stadtfestes Tänzerinnen aus der israelischen Partnerstadt Hip-Hop und andere Tanzstile präsentieren. Bereits siebzehnmal hat Marion Balser, Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Gießen-Netanya, die Partnerstadt und andere Gebiete in Israel besucht.

1 Wie kam es vor 40 Jahren zur Städtepartnerschaft mit Netanya?

Die Verschwisterung der beiden Städte wurde 1978 offiziell beschlossen, angebahnt wurde sie allerdings bereits in den frühen sechziger Jahren. Wegbereiter waren der damalige Gießener Oberbürgermeister Albert Osswald und der in Wieseck geborene Dr. Avraham Bar-Menachem, der im vergangenen Jahr im Alter von 104 Jahren verstorben ist. Der ehemalige Oberbürgermeister von Netanya musste während der NS-Zeit vor den Nazis fliehen, hat sich später aber immer für Versöhnung mit Deutschland und für Freundschaft zwischen Netanya und Gießen eingesetzt. Ein großes Ziel der Partnerschaft ist es, für Menschlichkeit und Frieden einzustehen.

2 Wie haben sich die partnerschaftlichen Aktivitäten entwickelt?

Am Anfang lief es ziemlich zäh. Doch mit der Zeit entwickelten sich Kontakte auf unterschiedlichen Ebenen. So gab es einen sportlichen Austausch zwischen Basketballern des VfB 1900 Gießen und des TSV Klein-Linden mit Teams aus Netanya, Chöre und Musikvereine haben sich besucht und miteinander musiziert. Wie gut der Austausch funktioniert, hängt auch immer vom Engagement Einzelner ab. Viel bewegt haben etwa Gerd Zörb als Vorsitzender der Interessengemeinschaft Gießener Gesang- und Musikvereine oder der Reiskirchener Musikverein, der die Jugendlichen aus Netanya in Gastfamilien untergebracht hat. Aktuell planen wir eine Fotoausstellung »Mosaik der Partnerstädte« im Rathaus.

3 Wie sind Sie selbst eigentlich zur Aktivistin für die Städtepartnerschaft mit Netanya geworden?

Mein Interesse für das Thema wurde 1991 geweckt, als ich im Rahmen einer Reise mit der Postgewerkschaft das Konzentrationslager in Dachau besucht habe. Die Fragen zur jüdischen Geschichte haben mich seitdem nicht mehr losgelassen. Eine große Hilfe bei meinen Recherchen waren Gespräche mit ehemaligen Gießener Bürgern aus Israel, die alle zwei Jahre zur Begegnungswoche eingeladen werden. Besonders beeindruckt war ich von Jossi Stein, einem der wenigen noch lebenden Zeitzeugen. Als Vorsitzende wünsche ich mir manchmal, dass unser Verein besser in die Informationspolitik der Stadt eingebunden wird.

KURZBIOGRAFIE

Marion Balser lebt mit Familie im Reiskirchener Ortsteil Bersrod. Die 59-Jährige hat bei der Post gearbeitet und ist jetzt beim Verein für Jugendfürsorge und Jugendpflege der Martin Luther-Schule (Leppermühle) tätig. Als Gründungsmitglied des Partnerschaftsvereins Gießen-Netanya ist sie seit 2001 dessen Vorsitzende. (pd/Foto: mö)



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