Der Schnee hat die Alpen fest im Griff. Auch am Wochenende gab es Lawinen, gesperrte Straßen und Touristen, die an ihrem Urlaubsort festsitzen. Der Gießener Rechtsanwalt Jörg Braun berichtet, was Arbeitnehmer beachten müssen, wenn sie aufgrund von sogenannter »höherer Gewalt« nicht rechtzeitig aus dem Urlaub an ihren Arbeitsplatz zurückkehren können.

1 Herr Braun, was sollten Beschäftigte tun, wenn sie erfahren, dass sie länger als geplant an ihrem Urlaubsort bleiben müssen?

Sie müssen unverzüglich mit ihrem Arbeitgeber Kontakt aufnehmen und diesem mitteilen, dass sie nicht zum vorgesehenen Zeitpunkt an ihren Arbeitsplatz zurückkehren können. Das kann auf telefonischem oder elektronischem Wege erfolgen. Wird der Arbeitgeber nicht informiert, riskiert der Beschäftigte eine Abmahnung, möglicherweise kann er in diesem Fall sogar für Schäden haftbar gemacht werden, die im Zusammenhang mit seiner verspäteten Rückkehr aus dem Urlaub entstehen.

2 Müssen Arbeitnehmer dann zusätzlichen Urlaub nehmen?

Der Arbeitgeber hat bei höherer Gewalt keine Verpflichtung, Lohn oder Gehalt nachzuzahlen. Das gilt nicht nur für Fälle, bei denen man witterungsbedingt am Urlaubsort festsitzt, sondern auch bei Flugausfällen oder Zugverspätungen. Der Arbeitnehmer trägt in solchen Fällen das sogenannte Wegerisiko. Meist einigt man sich bei solchen Anlässen darauf, die Fehlzeit von zwei oder drei Tagen als regulären Teil des Jahresurlaubs zu verbuchen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, sich bei einer unfreiwilligen Verlängerung des Urlaubs auf eine Freistellung ohne Lohnzahlung zu einigen, also auf unbezahlten Urlaub.

3 Haben Sie in Ihrer anwaltlichen Praxis Erfahrungen mit ähnlichen Fällen gemacht?

Es gab Arbeitnehmer aus dem heimischen Raum, die sich bei mir Rat geholt haben, als vor einigen Jahren wegen Hochwassers an Nord- und Ostsee der Fährverkehr eingestellt werden musste und sie deshalb zu spät aus dem Urlaub zurückgekehrt sind. Auch bei Zugverspätungen oder dem Ausfall des Ferienfliegers haben sich Beschäftigte bei mir informiert. Wegen solcher Fragen kommt es aber selten zu arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen. In den meisten Fällen werden derlei Angelegenheiten mit Hilfe des Betriebsrats intern geklärt.

KURZBIOGRAFIE

Jörg Braun ist ein echter Schlammbeiser, der nach Abitur und Studium viele Jahre als Rechtssekretär beim Deutschen Gewerkschaftsbund tätig war. Seit 15 Jahren ist er selbstständiger Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht. (pd/Foto: ep)

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