25. August 2017, 18:54 Uhr

Notfallsanitäter dringend gesucht

25. August 2017, 18:54 Uhr
Avatar_neutral
Aus der Redaktion
Gefragt wie selten zuvor: Rettungsassistenten und Notfallsanitäter. (Foto: dpa)

Mehr Einsätze, komplexere Aufgaben: Rettungsdienste in Hessen stehen vor beachtlichen Herausforderungen. Doch nicht immer ist dafür genügend qualifiziertes Personal vorhanden. Das Sozialministerium in Wiesbaden teilt mit, einzelnen Rettungsdiensten falle es schwer, ausgeschriebene Personalstellen zu besetzen. Saskia Schimpf vom Landesverband Hessen der Johanniter-Unfall-Hilfe in Butzbach sagt: »Landesweit besteht in der Tat ein Fachkräftemangel.« Dieser sei allerdings nicht auf mangelnden Nachwuchs zurückzuführen. Schimpf verweist auf gestiegene Einsatzzahlen in den vergangenen zwei Jahren. Nach Angaben des Ministeriums gab es 2015 bei hessischen Rettungsdiensten 1181 Notärzte, 2584 Rettungsassistenten, 348 Notfallsanitäter und 1335 Rettungssanitäter. Dem Ministerium zufolge werden pro Jahr rund 300 neue Notfallsanitäter benötigt, um den Bedarf zu decken.

Auch das Haus von Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) spricht von mehr Einsätzen, unter anderem wegen des demografischen Wandels. Mehr ältere Menschen bedeuten mehr Einsätze. Laut Ministerium haben sich die Krankenhauslandschaft verändert, auch die ärztlichen Bereitschaftsdienste sowie die Krankheitsbilder. Es gebe mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Erkrankungen, die sich auf Atmung und zentrales Nervensystem auswirken. Dadurch entstünden ständig mehr für den Rettungsdienst komplizierte Einsätze, die oft länger dauerten. Schimpf von den Johannitern ergänzt: »Parallel dazu ist die Zahl der vorzuhaltenden Rettungsmittel gestiegen. Es werden also mehr Rettungswagen und Krankentransportwagen vorausgesetzt – und damit steigt auch der Personalaufwand.«

Arbeitsmarkt ist ausgedünnt

Die Folge: Der Arbeitsmarkt ist stark ausgedünnt. Das betreffe nicht nur die Johanniter, sondern alle im Rettungsdienst tätigen Organisationen, sagt Schimpf.

Beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Hessen heißt es, in einigen Regionen gebe es zwar noch genügend Interessenten. Zunehmend hätten Rettungsdienste aber keine Bewerbungen mehr auf dem Tisch.

Verschärft werde die Situation durch die Umstellung auf den neuen Beruf des Notfallsanitäters, erklärte der Leiter des Bereichs Rettungsdienst beim DRK-Landesverband in Wiesbaden, Günter Ohlig. Der Notfallsanitäter ersetzt seit Januar 2014 den Rettungsassistenten. Wenn letztere sich weiterqualifizierten, fielen sie zunächst aus, erklärte Ohlig. Wie lange die Weiterbildung dauert, hängt von der Berufserfahrung des jeweiligen Rettungsassistenten ab. Die vorgeschriebenen Weiterbildungsstunden sind gestaffelt. Am meisten Zeit müssen diejenigen investieren, die weniger als drei Jahre Praxis haben, bei ihnen sind es 960 Stunden. Dabei werde nur die Erfahrung vor dem 1. Januar 2014 angerechnet, sagte Ohlig. »Ein Tatbestand, der rational nicht erklärbar ist.« Er geht davon aus, dass allein bei den DRK-Rettungsdiensten in Hessen jährlich zwischen 180 und 200 neue ausgebildete Notfallsanitäter notwendig sind. (lhe)



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos