07. April 2021, 21:56 Uhr

BIS 18. APRIL

Neue Kunst im Schaufenster

07. April 2021, 21:56 Uhr
»Sleeping Beauty« verknüpft Märchenmotive mit Kritik an Schönheitsidealen. FOTO: SCHEPP

Die Kunsthalle zeigt in ihrer Reihe »Insideout« im Schaufenster gen Berliner Platz noch bis 18. April Kunst von CargoCult. Die Arbeit »Sleeping Beauty Encyclopedia: Display/Centerfold S. 25-26, 2017-21« bildet die Abschlussausstellung des dreiteiligen Formats »Insideout«, das seit Anfang Februar während des Lockdowns im monatlichen Wechsel aktuelle künstlerische Positionen durch die Schaufenstersituation in den Außenraum der Kunsthalle bringt. Für die Bespielung hat die Leiterin der Kunsthalle, Dr. Nadia Ismail, die Kuratorinnen Gesine Borcherdt und Dr. Julia Wirxel eingeladen.

QR-Code auf Fahnen

Das Berliner Künstler-Kollektiv CargoCult arbeitet ortsspezifisch nach einem intuitiven, spontanen und »woken« Prinzip. Dies bedeutet, dass sie intersektional vorgehen und für ungerechte Strukturen sensibilisieren. Auch schließen sie andere Seinsformen wie Tiere und Pflanzen mit ein und agieren radikal inklusiv. Dabei entwickeln sie künstlerische Ansätze wie die soziale Plastik ebenso weiter wie emanzipatorische Praxis und sinnlich-konzeptuelle Herangehensweisen, indem sie künstlerisch forschend vor Ort tätig sind. So lernten die Künstler während ihres Rechercheaufenthaltes in Gießen Demonstrierende kennen, die sie in ihre Fotografien integrieren. Sie besuchten eine Gießener Flüchtlingsunterkunft und recherchierten zur militärischen Geschichte dieses Ortes.

Für »Insideout« erweitert CargoCult im Schaufenster der Kunsthalle ihre Enzyklopädie »Sleeping Beauty«, die collageartig auf die Wand in der Kunsthalle, aber auch direkt auf das Fensterglas appliziert wird.

Als ortsspezifisches Zitat, in Bezug auf die Architektur des Gebäudes, werden die einzelnen Mauersteine als Maß für die singulär gestalteten Blätter genommen, die sich zu einer Installation verdichten. Denn es gibt für die Betrachtenden, speziell für die Wartenden an der Bushaltestelle vor dem Fenster, den Bonanza-Shop. Per QR-Code kann man Sweater, Spiegelmedaillen und eine kleine Ausgabe der »Sleeping Beauty Encyclopedia: Display/Centerfold S. 25-26« als Edition erwerben.

Überdies wurden speziell für die Ausstellung zwei Fahnen produziert, die vor dem Rathaus präsentiert werden. Diese bilden eine Klammer von Innen und Außen sowie dem realen und virtuellen Raum. Motivisch prangt ein überdimensionaler QR-Code auf einer Fahne, der mit dem Smartphone eingescannt werden kann und damit das Kunstwerk in den digitalen Raum hinein öffnet. In direkter Verbindung steht auf der zweiten Fahne der Satz »We see ghosts«, inspiriert vom Hip Hop Duo Kids See Ghosts (Kid Cudi/Kanye West) und dessen gleichnamigem Album. CargoCult erheben durch das Wort »We« diese Gabe des Geistersehens zum allgemeingültigen Gut, denn das »Wir« schließt niemanden aus. Das Hissen der Fahnen selbst wurde zur Performance und ist als Video im Internet abrufbar.

In der künstlerischen Arbeit »Sleeping Beauty« verknüpft sich Dornröschen mit einem weiteren Märchen: Schneewittchen. Die Installation, die aus Farb- und Schwarz-Weiss-Kopien, Sweatern, einem Bürostuhl, Spiegeln und diversen Stoffen besteht, konterkariert die vordergründige Schönheit der Märchenfiguren.

CargoCult formierte sich 2012 in Berlin als Künstlerkollektiv innerhalb einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme, die hauptsächlich Frauen mit Migrationshintergrund einschloss. Weitere Informationen unter www.kunsthalle-giessen.de sowie auf Facebook und Instagram: @kunsthallegiessen.

Die Kunsthalle bleibt bis zur nächsten Einzelausstellung von Louisa Clement am 7. Mai 2021 geschlossen. Bis dahin zeigt sie im neuen Format namens »Insideout« Ausstellungen im Schaufenster am Berliner Platz. Aktuell bespielt bis zum 18. April das Künstlerkollektiv CargoCult das Schaufenster, kuratiert von Dr. Julia Wirxel.



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