26. Oktober 2020, 21:28 Uhr

Zählaktion

Zahlreiche Verstöße von Auto- und Radfahrern im Gießener Innenstadt-Verkehr

Der Autoclub Europa hat am Oswaldsgarten bei einer Zählaktion zahlreiche Verstöße von Radlern und Autofahrern registriert.
26. Oktober 2020, 21:28 Uhr
Die ACE-Mitglieder zählen am Oswaldsgarten Verkehrsverstöße. FOTO: SCHEPP

Ein unbekannter Radfahrer schießt den Vogel ab. Mit Handy am Ohr fährt er bei Rot über die Ampel und biegt ohne Richtungsanzeige ab. So bleibt man im Gedächtnis. Die fünf Ehrenamtlichen vom Autoclub Europa (ACE), die am Freitagmittag am Oswaldsgarten den Verkehr beobachten, sind einige Zeit später immer noch fassungslos. 90 Minuten lang notieren sie, wie viele Radler und Autofahrer sich an die geltenden Regeln halten und wie viele einen oder gleich mehrere Fehler machen. »Radmesser« nennen sie diese Aktion. Einen passenderen Ort hätten Kreisvorstand Gerd Wegel und seine Mitstreiter dafür wohl kaum finden können.

Schließlich handelt es sich hier um eine besonders diffizile Konstruktion. Das gilt zumindest für die Fahrradwege. Die Rodheimer Straße hat stadteinwärts einen rot markierten Schutzstreifen, den Autos zum Rechtsabbiegen kreuzen. Stadtauswärts bietet sie einen mit blauem Schild versehenen, also zwingend zu nutzenden Radweg. Am Anlagenring gibt es weder das eine noch das andere, dafür den abschnittsweise für Radler freigegebenen Gehweg in Richtung Marburger Straße. Ungefähr so ist die Lage. Auf jeden Fall aber ist sie »eine echte Herausforderung«, wie der ACE-Regionalbeauftragte Jens Womelsdorf sagt.

Gerade da, wo Radstreifen auf die Straße mündeten, seien eindeutige Richtungsanzeigen besonders wichtig, erklären die Experten. Tatsächlich verzichten in den anderthalb Stunden sage und schreibe 294 Autofahrer aufs Blinken, 17 Radfahrer äußern ihren »Abbiegevorgang« nicht klar. 44 Radler weichen auf den Bürgersteig aus und bringen so die Fußgänger in Gefahr. Andererseits nutzen sieben Personen lieber die Straße, als auf dem Radweg zu fahren. 33 Autofahrer halten beim Überholen nicht die 1,5 Meter Mindestabstand zu den Radlern ein. Insgesamt zehn Arten von Verstößen notieren die Helfer. Eine positive Nachricht verkünden sie am Ende aber auch: 104 von 206 Radfahrern haben alles richtig gemacht.

Obwohl er sich als »passionierten Autofahrer« bezeichnet, plädiert ACE-Mitglied Roland Fischer nach der Stichprobe für Verbesserungen im Radverkehr. Mehr Fahrradstraßen würde er sich zum Beispiel wünschen - und einen »stärker ausgebauten öffentlichen Nahverkehr«. Womelsdorf spricht unter anderem über Fahrradampeln, die das Abbiegen generell sicherer machten, und könnte sich da und dort grüne Rechtspfeile gut vorstellen. Ferner bricht er eine Lanze für den Helm, das einfachste aller Schutzmittel

Ein besonders leidiges Thema kommt ebenfalls noch zur Sprache: das Herumfummeln am Smartphone. Wieder liegen die Autofahrer vor den Radlern - zwölf zu zwei. Ungewiss bleibt, wie belastbar die Ergebnisse der Aktion, mit der der ACE auf Missstände hinweisen möchte, überhaupt sind. Einerseits seien etliche Menschen wegen der Corona-Pandemie vom Bus auf das Rad oder das Auto umgestiegen, meint Womelsdorf. Andererseits schrecke der Dauerregen heute gewiss manche Zweiradfans ab. Weitere Faktoren, etwa das spätere Wintersemester, kämen hinzu.

So steht bereits fest, dass im Herbst 2021 eine weitere Zählung zum Abgleich folgt.

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