06. Februar 2017, 18:44 Uhr

Bad Nauheim braucht kein Jahrhundertbauwerk

06. Februar 2017, 18:44 Uhr
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Aus der Redaktion

Zu: »Abriss trotz Betonköpfen«, WZ vom 28. Januar

Was ist eigentlich seit den in der Bürgerversammlung vom 25. November mit viel Verve und Pathos gemachten vollmundigen Versprechungen der Podiumsparteien in Sachen Therme Bad Nauheim passiert? Bei Lichte betrachtet … nichts, außer viel Lamento.

Oder ist doch etwas passiert? Ist die Weigerung der Magistratsmehrheit, den Stadtverordnetenbeschluss zum zügigen Thermalbad-Abriss umzusetzen, als das erlösende Licht am Ende eines schwarzen Tunnels zu sehen, in dem die Bad Nauheimer Parlamentarier schon seit viel zu langer Zeit herumirren?

Haben die Magistratsmitglieder, die jetzt mutig aus Verantwortung für das Wohl der Stadt gegen die Durchführung des Beschlusses gestimmt haben, noch einmal in Ruhe die Fakten eines Therme-Neubaus (inklusive optionaler Anbindung des Badehauses 2) mit denen einer grundlegenden Sanierung der (noch) bestehenden Therme verglichen? Beabsichtigen sie möglicherweise den seinerzeit auf mysteriöse Weise zustande gekommenen Beschluss vom 13. Oktober aufzuheben, um das von Herrn Heidt (FDP) prognostizierte größte Millionengrab der Stadt zu verhindern? Man könnte diese Parlamentarier nur beglückwünschen und das Vertrauen in Bad Nauheimer Politik zurückgewinnen. Denn, wenn die Stadt erst einmal aufgrund zu hoher Schulden unter den kommunalen Rettungsschirm gehen muss, bestimmen die Finanzaufsichtsorgane von Kreis und Land, welche Investitionen in Bad Nauheim künftig noch durchgeführt werden dürfen.

Die Bad Nauheimer müssten den Schlüssel für ihr Haus abgeben und gegebenenfalls dringend erforderliche Investitionen künftiger Jahre bis zur Sanierung der Finanzen zurückstellen. Das kann Jahre dauern und für die Bürger schmerzhaft werden, zumal dann auch mit Steuer- und Abgabenerhöhungen zu rechnen ist.

In den Augen zahlreicher Bürger dieser Stadt ist die grundlegende Sanierung der Therme die bessere Lösung. Langatmige Verwaltungsprozesse wie Neubau-, Denkmal- und Quellenschutzgenehmigungen sowie eine europaweite Ausschreibung inklusive langwieriger Auswertungen und Beschlussfassungen für Auftragsvergaben würden nicht anfallen. Die Sanierung könnte unter dem Baubestandsschutz durchgeführt werden.

Die Kosten und auch der Durchführungszeitraum (ca. 2 Jahre) würden sich gegenüber der Neubauvariante etwa auf die Hälfte (rund 18 Millionen Euro) belaufen. Wann endlich finden diese Fakten Eingang in die Köpfe der städtischen Parlamentarier. Bad Nauheim braucht kein Jahrzehnte- oder Jahrhundertbauwerk, sondern ganz einfach nur eine ordentliche, saubere, betriebsbereite Therme (mit Sauna), um den Ansprüchen der Bürger (inklusive des Umlandes) sowie der Kur- und Tages-/Wochenendgäste gerecht zu werden, und zwar sehr bald. Schließlich ist die Therme auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Gastronomie und Handel und schafft steuerpflichtige Arbeitsplätze, wie die FDP-Bürgermeisterkandidatin, Britta Weber, richtig erkannt hat.

Zum Schluss noch eine Bemerkung. Die denunzierende Äußerung des Fraktionsvorsitzenden Jordis über Magistratsmitglieder der von ihm mitinitiierten Koalition ist ein unentschuldbarer Fauxpas. Er sollte deshalb zurücktreten und den Fraktionsvorsitz einer Person überlassen, die mehr politische Erfahrung sowie eine humanere, zivilisiertere Diskussions- und Streitkultur besitzt. Im Übrigen, Zement/Beton kann – je nach Mischung – homogener/beweglicher sein als Parteisoldaten (BM Häuser ausgenommen), die gegenüber ihrem Vorsitzenden in Kadavergehorsam erstarren und es nicht wagen, ihre Meinung offen kundzutun.

Rolf Kuhlmann , Bad Nauheim



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