02. Oktober 2014, 19:08 Uhr

73 Postkarten von der Front

Nidderau (cf). »Bertha von Suttner hat das erste und das letzte Wort in der Ausstellung«, betont Professor Dr. Jürgen Müller. Der Historiker an der Frankfurter Goethe-Universität wohnt in Nidderau und ist Projektleiter der sehenswerten Ausstellung »Hessische Landgemeinden im Ersten Weltkrieg 1914-1918. Ereignis – Erfahrung – Erinnerung«.
02. Oktober 2014, 19:08 Uhr
Pfarrer Otto Löber (l.) und Historiker Prof. Dr. Jürgen Müller nehmen Platz am alten Wirtshaustisch des einstigen Gasthauses Merz. (Foto: Christine Fauerbach)

Diese zwei Zitate der Friedensnobelpreisträgerin des Jahres 1905 bilden die thematische Klammer: »Die Waffen nieder!« (Titel ihres gleichnamigen pazifistischen Romans aus dem Herbst 1889) und »Der Krieg ist die Verneinung der Kultur, also müssen durch ihn alle Errungenschaften der Kultur wegfallen; ein Rückschlag in die Wildheit ist er, also muss er alles Wilde im Gefolge haben.« Ein Wegweiser ab dem dritten Raum »Front« bilden 73 Postkarten, die Wilhelm Merz aus Eichen an seine Frau Margarete und die beiden Kinder Wilhelm und Katharina schrieb.

Konzipiert ist die Ausstellung in der Aula der Bertha-von-Suttner-Schule auf 180 Quadratmetern als ein Raum-in-Raum-Konzept. Verschiedenfarbige Stellwände und Plakate von weiß über grau und grün bis schwarz gliedern die neun Abteilungen optisch und thematisch.

Über 400 Exponate

»Die weißen Plakate und Stellwände stehen für Bertha von Suttner und den Frieden, die roten Stellwände und Plakate für ›Tod und Verwundung»«, informiert Otto Löber, Projektpfarrer im Kirchenkreis Hanau. Dank der über 400 Exponate, darunter viele Originale, authentische Zeugnisse und Stimmen, können sich die Besucher auf eine Zeitreise in die Vergangenheit, der Region und Europas im ersten »großen Krieg« begeben.

Wie eng und bedrückend es in einem Schützengraben an der Front war, können die Besucher hautnah beim Gang durch den Raum 3 »Front« nachempfinden. »Aus den Schützengräben, die oft zu Gräbern wurden, gab es nur zwei Ausgänge. Der eine war »Tod und Verwundung« (Raum 4), der andere »Heimat« (Raum 5)«, sagt Löber. Der Blick in die Geschichte fächert die Schicksale von Nidderauer Bürgern an der Front und der Heimatfront wie auch die der Kriegsgefangenen auf. Propaganda, Kriegshetze und Feindbildern stehen private und öffentliche Erinnerungen an Angehörige und Gefallene, Liebesbeziehungen zwischen Einheimischen und Kriegsgefangenen, Plakate, Porträts und Denkmäler wie auch allegorische Darstellungen von Künstlern gegenüber. Trotz der zahlreichen Details und lokalen Bezüge ist es ein Verdienst der Ausstellung, dass sie das große Ganze nie aus dem Blick verliert.

Die Ausstellung »Hessische Landgemeinden im Ersten Weltkrieg 1914-1918. Ereignis – Erfahrung – Erinnerung« ist bis 16. November in der Aula der Bertha-von Suttner-Schule, Konrad-Adenauer-Allee 5, Nidderau-Heldenbergen zu sehen. Eintritt: 6 Euro Erwachsene, 3 Euro Studenten, Jugendliche frei, Gruppenführungen 30 Euro nach Terminvereinbarung unter Telefon 01 63/7 16 29 92.

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