03. August 2014, 17:28 Uhr

Stadt und Zweckverband weisen Vorwürfe zurück

Nidderau/Altenstadt (mlu). Spinnen, Vögel, Frösche und Fische freuen sich, die Menschen in den Nidderauen haben indes nichts zu lachen: Bedingt durch zwei aufeinanderfolgende Hochwasserwellen und Temperaturen über 30 Grad Celsius leiden sie seit letzter Woche unter einer Mückenplage (die WZ berichtete).
03. August 2014, 17:28 Uhr
(Foto: pv)

Altenstadt, Limeshain, Schöneck und Nidderau sind betroffen, besonders schlimm ist es im Nidderauer Ortsteil Eichen. Dort am Dorfrand lebt Bianca Mörschel. »Es ist unerträglich. Wenn man abends die Blumen gießt, ist man innerhalb von Sekunden komplett zerstochen«, schildert die Mutter die Situation. 20 Stiche habe sie kürzlich bei ihrer Tochter gezählt. Gabriele Krank, Leiterin der Altenstädter Kita Villa Kunterbunt, berichtet, dass vorige Woche viele Kinder krank gemeldet worden seien.

Angelo Gencarelli betreibt in Windecken ein Restaurant, abends sitzen die Leute gerne auf der Terrasse. Doch spätestens um 21 Uhr verlassen die Gäste derzeit sein Lokal. Zwar habe er Duftkerzen aufgestellt, die die Blutsauger fernhalten sollen, doch »das bringt so gut wie nichts«, sagt der Gastronom, der den reduzierten Umsatz mit Fassung trägt: »Das ist Natur, da kann man nichts machen.«

Der Sommer ist gelaufen

Nicht alle sehen das so. Ein Gerücht machte die Runde, nach dem die Stadt Nidderau auf eine chemische Bekämpfung mit einem Hubschrauber verzichtet habe, um Kosten zu sparen. Altenstadts Bürgermeister Norbert Syguda, der auch dem Zweckverband zur Bekämpfung der Schnaken vorsteht, weist den Vorwurf zurück. In einer Pressemitteilung erklärte er, dass die außerordentlich starke Vermehrung der Plagegeister auf einen Streich der Natur zurückzuführen sei, gegen den der Zweckverband machtlos gewesen sei.

»Bei der ersten Welle, die zu überschaubaren Überschwemmungsflächen in den Auen geführt hat, sind massenhaft Stechmückenlarven geschlüpft. Als die Bekämpfung dieser Larven anstand, traf die zweite Hochwasserwelle ein. Ein Teil der Flächen wurde noch zu Fuß bekämpft, der Einsatz musste aber aufgrund der einströmenden Wassermassen der zweiten Hochwasserwelle abgebrochen werden. Die Nidder trat flächig über die Ufer und die Schnakenlarven aus der ersten Hochwasserwelle wurden über mehrere hundert Hektar Flutfläche verdriftet. Eine effektive Bekämpfung der Larven ist bei Einströmen solcher Wassermassen nicht möglich, da nicht konkret gesagt werden kann, wo es die Larven hingeschwemmt hat und welche Wasserflächen zu bekämpfen sind. Ferner wird der Wirkstoff sehr stark verdünnt. Erschwerend kam hinzu, dass genau in dieser Phase die Temperaturen über mehrere Tage auf über 30 Grad Celsius anstiegen, was zu einer rascheren Entwicklung der Larven führte.« Bei anschließenden Kontrollen habe sich herausgestellt, dass die Larven bereits zu 80 Prozent verpuppt gewesen seien. Für eine flächige Bekämpfung aus der Luft sei es zu spät gewesen, da die Larven den Wirkstoff BTI im verpuppten Stadium nicht mehr aufnehmen könnten.

Mit dieser Erklärung gibt sich Jutta Prägelt aus Eichen nicht zufrieden. Direkt an der Nidder betreibt sie ein kleines Geschäft für Dekorationsartikel und Souvenirs. Um Kunden anzulocken – besonders Radler und Wanderer von der Bonifatiusroute – bietet sie Kalt- und Heißgetränke auf Spendenbasis an, Zeitschriften liegen aus, auch eine Hängematte lädt zum Verweilen ein. Doch mit Verweilen ist es dieser Tage Essig. Und ihre Beine (Foto) sind schon derartig entzündet gewesen, dass sie sie mit Kortisonsalbe behandeln musste. Präkelt: »Ab 10 Uhr morgens kann man nicht mehr vor die Tür. Ich ärgere mich einfach, weil jetzt Ferien sind und ich glaube, dass da bei den Verantwortlichen etwas schiefgelaufen ist. Nach der ersten Flut stand das Wasser doch mehrere Tage, da hätte man doch was unternehmen können. Nachdem nichts passiert ist, wäre zumindest eine Entschädigung angemessen, ein Geschenk, ein Gutschein, irgendwas. Wenn ich bei meinen Kunden was verbocke, komme ich ihnen doch auch entgegen, und als Steuerzahler bin ich doch gewissermaßen auch ein Kunde. Jetzt wird gesagt, dass in drei bis vier Wochen das Schlimmste überstanden ist, aber dann sind die Ferien rum.« Am Freitag hat Präkelt das Schwimmbecken für die Kinder abgebaut. Sommer ade.

Bei Unsicherheit lieber zum Arzt

Mit ihrer Wut ist die Eichenerin nicht allein. Dutzendweise gehen im Rathaus Anrufe von Beschwerdeführern ein. »Die Beschwerden der Bevölkerung nimmt die Stadt Nidderau ernst und gibt dies auch entsprechend an den Schnakenzweckverband weiter, verbunden mit dem dringenden Appell, die Bekämpfung künftig wieder rechtzeitig vorzunehmen, damit eine solche Plage nicht mehr eintritt«, heißt es in bereits zitierter Pressemitteilung. Der Schnakenzweckverband versichert, dass die Bekämpfung notfalls wieder forciert werde.

Der Bad Nauheimer Hautarzt Dr. Volker Weiss empfiehlt Betroffenen, Quaddeln zu kühlen oder mit einem freiverkäuflichen Gel zu behandeln. Bei aufgekratzten Stichen dürfe die Infektionsgefahr nicht unterschätzt werden. Bei starken Reaktionen oder Unsicherheiten, sei ein Besuch beim Arzt durchaus angemessen. (Fotos: dpa/pv)

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