20. März 2008, 18:32 Uhr

Planfeststellungsbeschluss für Ortsumfahrung unterzeichnet

Nidderau (pe). Ein »historischer Tag« war nach Meinung aller Teilnehmer der Gründonnerstag für die Stadt. Am Morgen unterzeichneten Hessens Verkehrsminister Dr. Alois Rhiel und Bürgermeister Gerhard Schultheiß im Rathaus den Planfeststellungsbeschluss für die Ortsumgehung Windecken/Heldenbergen.
20. März 2008, 18:32 Uhr
Minister Dr. Alois Rhiel (M.) unterzeichnet den Planfeststellungsbeschluss: Darüber freuen sich (v.l.) der Leiter des ASV, Heiko Durth, Dr. Rita Kronsbein vom Fachreferat Planfeststellung und Straßenrecht des hessischen Verkehrsministeriums, der CDU-Landtagsabgeordnete Hugo Klein, Bürgermeister Gerhard Schultheiß, der SPD-Bundestagsabgeordnete Sascha Raabe, Ex-MdB Bernd Reuter und der zuständige Planer im ASV Gelnhausen, Jürgen Heiß. (Foto: Pegelow)

Die 7,2 Kilometer lange Trasse soll nach Angaben der Vertreter des Amtes für Straßen- und Verkehrswesen Gelnhausen (ASV) die beiden Stadtteile um bis zu 75 Prozent vom immer mehr anschwillenden Durchgangsverkehr entlasten.

Der Minister meinte, es sei ein »langes Anliegen der Stadt und ihrer Menschen«, diese Entlastungsstraße zu erhalten. Das starke Wachstum der Gemeinde nicht nur durch steigende Einwohnerzahlen, sondern durch sich hier vermehrt ansiedelndes Gewerbe habe starke Auswirkungen auf die Verkehrsinfrastruktur.

Die Planung der Straße sei nicht einfach gewesen, so Rhiel weiter, weil es Eingriffe in die Natur geben müsse ebenso wie in wertvolle landwirtschaftliche Flächen. Aber das Hauptargument sei, dass Heldenbergen zu 73 und Windecken zu 75 Prozent vom Durchgangsverkehr entlastet würden. Wie der Minister weiter erläuterte, hatten Bewohner an den Ortsrandlagen sich gegen die planfestgestellte ortsnahe Trassenführung gewandt, da sie eine zu hohe Belastung durch Lärm- und Luftschadstoffe befürchteten. Die in diesem Jahr aktualisierte Untersuchung habe jedoch gezeigt, dass der von der Bundesstraße ausgehende Lärm unterhalb der vorgegebenen Grenzwerte bleibe. Zu einer Überschreitung der Lärmgrenzwerte könne es allenfalls durch Überlagerungseffekte zwischen der neuen Straße und der bestehenden Kilianstädter Straße kommen. Auf Grund dessen werde rund ein halbes Jahr nach Verkehrsfreigabe seitens des Bundes eine Lärmuntersuchung durchgeführt, kündigte der Minister an.

Rhiel wies jedoch darauf hin, dass bis zur Verwirklichung dieser rund 40,5 Millionen Euro teuren Straßenbaumaßnahme noch einige Zeit vergehen kann. Schließlich sei die Straße zwar im so genannten vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrsministeriums enthalten, »aber es steht zurzeit keine Finanzierung zur Verfügung«. Der Etat des Bundesverkehrsministers sei nämlich »nicht gewachsen«. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sascha Raabe erläuterte, dass im »vordringlichen Bedarf« immer mehr Straßen enthalten seien, als realisiert werden könnten. In den Haushalt, den der Bundestag beschließe, könne nämlich nur das hineingenommen werden, »was tatsächlich planfestgestellt ist«.

Genau dieser Schritt wurde am Donnerstagmorgen im Rathaus vollzogen. Dazu unterzeichneten Rhiel und das Nidderauer Stadtoberhaupt den entsprechenden Beschluss. Damit sind die planerischen Vorbereitungen für die Umgehung im Zuge der B 45 und B 521 abgeschlossen, und das Baurecht ist geschaffen. »Wenn keine Klage kommt, können wir Druck machen, um das Geld zu erhalten«, meinten Rhiel und Schultheiß übereinstimmend. Das Stadtoberhaupt wies darauf hin, dass schon 1977 die erste Linienführung für eine solche Trasse gemacht worden sei. Mithin über 30 Jahre würden die Einwohner Heldenbergens und Windeckens auf Verkehrsentlastung warten. Schon mehrere Bürgermeister und drei Verkehrsminister seien mit dieser Angelegenheit befasst gewesen. In dieser Zeit seien die Staus in der boomenden Region angewachsen. Schultheiß gab sich vorsichtig optimistisch, dass der Spatenstich »bis zum 31. Dezember 2010 erfolgen könnte.« Für das ASV waren deren Chef Heiko Durth und der zuständige Planer Jürgen Heiß ins Rathaus gekommen. Heiß erläuterte den Verlauf der Straße: Kurz hinter dem Wartbaum soll die Straße westlich verschwenken bis hin zum Brückenweg, der ebenso mittels Brücke überquert wird wie die Landesstraße 3309

(Windecken–Kilianstädten). Die Umgehung führt weiter an der Kläranlage vorbei, verläuft über die Nidder, über die Bahnlinie Bad Vilbel–Stockheim und enthält dann einige hundert Meter weiter eine Zu- und Abfahrt zum und vom Neubaugebiet »Allee Mitte/Süd«. Danach wird die B 521 mittels Brücke überquert, ehe die neue Straße nach Norden schwenkt, die Kreisstraße 246 kreuzt, auf der es ebenfalls eine Besonderheit geben wird: nämlich nur eine Abfahrt in Richtung Karben und nicht mehr in Richtung Heldenbergen. Im weiteren Verlauf wird die neue Umfahrung mittels zwei Rampen an die B 45 angeschlossen, verläuft dann über die Bahnlinie Friedberg–Hanau, ehe sie letztlich wieder auf die B 521 in Richtung Altenstadt einschwenkt und dort angebunden wird. Mit den 13 Brückenbauwerken sowie den Zu- und Abfahrtsrampen wird die neue Umfahrung laut Heiß über zehn Kilometer lang. Unterlagen liegen ab 7. April aus.

Ab 7. April werden die Planunterlagen zwei Wochen im Rathaus zur öffentlichen Einsichtnahme ausliegen. Danach wird noch weitere vier Wochen Frist für eine Klage gegen das Projekt sein. Die Verantwortlichen hoffen jedoch, dass es keine rechtlichen Schritte geben wird. Zudem sei »Sofortvollzug« angeordnet, was bedeute, dass ein Klagender »völlig neue Argumente ins Feld führen müsste«. Daran glaubt niemand mehr. »Und der Feldhamster ist ohnehin schon umgesiedelt«, schmunzelte Ex-Bundestagsabgeordneter Bernd Reuter.

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