28. Juli 2014, 18:48 Uhr

Meisterbrief Thema beim Empfang der Handwerkskammer

Wetzlar (sel). Im Fußball hierzulande läuft es derzeit bekanntlich gut. Im Handwerk auch. Klaus Repp, Präsident der Handwerkskammer Wiesbaden, hatte es daher leicht, bei seiner Eröffnungsrede zum Jahresempfang der Kammer für den mittelhessischen Bereich im Berufsbildungs- und Technologiezentrum (BTZ) Wetzlar vor 130 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Verbänden und Schulen, immer wieder Bezüge zum Fußball herzustellen.
28. Juli 2014, 18:48 Uhr
Sagen »Ja zum Meisterbrief«: (Von links) Lars Witteck, Klaus Repp, Wolfgang Schuster, die Hessische Verbraucherschutzministerin Priska Hinz und Harald Brandes. (Foto: sel)

»Deutschland ist Weltmeister – nicht nur im Fußball«, auch im Handwerk stehe man international sehr gut da: Lehrlingsmangel hierzulande, hohe Jugendarbeitslosigkeit in zahlreichen EU-Partnerländern. Mittlerweile wird der Versuch unternommen, spanische Lehrlinge in Deutschland dual auszubilden. »Offensichtlich machen wir in Deutschland einiges anders und vieles richtig«, beschwor Repp einmal mehr das in Deutschland seit vielen Jahrzehnten praktizierte Ausbildungssystem: »Wir sind zu Recht Vorbild für die Ausbildung und die Qualifizierung in Europa, um nicht zu sagen in der ganzen Welt.«

»Gelebter Verbraucherschutz«

Vorbild zu sein bedeute aber nicht, besserwisserisch den Nachbarn zu sagen, wie sie es machen sollen, zumal das duale System der Ausbildung »auch nicht eben mal schnell in den europäischen Nachbarländern zu installieren ist«. Vorbild zu sein bedeutet laut Repp aber schon, »dass wir uns nicht verstecken müssen, wenn in Brüssel mal wieder jemand auf die Idee kommt, den Meisterbrief in Frage zu stellen«. Es sei klar: Ohne Meister keine Gesellen, keine Lehrlinge. Wissenstransfer von den Wissenden an die Lehrlinge, das ist laut Repp »gelebter Verbraucherschutz«. Keine oder weniger Ausbildung – wie es seit 2004 in den nicht mehr meisterpflichtigen Handwerkern zu beobachten sei – »hilft wenigen und schadet allen«.

Pflicht-Meisterschaft und Qualifizierung sei keine Marktabschottung und auch kein Run auf Investitionen: »Der ›Meister» ist eine jahrhundertealte Erkenntnis und auch zugleich ein absolutes Zukunftsmodell in Deutschland, für Europa, vielleicht sogar für die ganze Welt«, so Repp, der deshalb forderte: »Finger weg vom dualen Ausbildungssystem und Finger weg vom Meisterbrief.« Repp verwies auf die Postkartenaktion der Kammer »Ja zum Meisterbrief«, mit der jedermann ein Zeichen für den Erhalt des deutschen Meisterbriefes setzen könne. Anfang nächsten Jahres sollen die von vielen Kammern gesammelten Postkarten in Brüssel übergeben werden.

Auch der Regierungspräsident Dr. Lars Witteck stellte sich hinter den Meisterbrief, der für Werte stehe, die ohne diesen Abschluss nur sehr schwer unter Beweis zu stellen wären: Fachkompetenz, technisches Know-how, eine höhere Qualifikation, Führungswissen und soziale Kompetenz. »Gerade für die Kunden des Handwerks hat der Begriff ›Meisterbetrieb» eine Strahlkraft wie der Doktorgrad für einen Mediziner.« Witteck dankte der Handwerkskammer für die »außerordentlich gute« Kooperation der Kreishandwerkerschaften mit Verwaltung und Politik sowie für die gute Verzahnung unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen in Mittelhessen. »Diese sehr polyzentrisch aufgestellte und gelegentlich auch etwas eigenbrötlerisch eingestellte Region braucht diese Vernetzung und das gegenseitige Helfen sehr dringend«, stellte Witteck fest.

Harald Brandes, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, wies auf den Umstand hin, dass immer mehr Schulabgänger studieren und immer weniger einen Handwerksberuf erlernen wollen. »Das kann für Wirtschaft und Gesellschaft auf Dauer nicht gutgehen«, so Brandes, der nicht sieht, den Drang zum Abi verhindern zu können und deshalb vor allem die Politik auffordert, sich darüber Gedanken zu machen, ob es neben einem Abitur im sprachlichen sowie naturwissenschaftlichen Bereich auch ein Abitur im gewerblichen Bereich eingerichtet werden könnte. Es müsse möglich sein, die Strukturen in der Oberstufe so zu erweitern, dass mit einem derart neuen Abitur eine »Karriere mit Lehre« eine realistische Option wird und bleibt.

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