27. März 2013, 17:08 Uhr

Delta Saints geben 90 Minuten Vollgas

Wetzlar (axc). Nashville liegt natürlich mitten in Tennessee und nicht am Mississippi, ganz zu schweigen von dessen 550 Meilen entfernter Mündung. Dennoch nannten sich die fünf jungen Kerle aus Nashville, die sich 2007 am College trafen und zum eigenen Spaß für Auftritte probten, Delta-Heilige.
27. März 2013, 17:08 Uhr
Die Delta Saints aus Nashville gefielen dem Franzis-Publikum mit ihrem schwerfälligen Südstaaten-Blues. (Foto: axc)

Es kam, wie es kommen musste: Der schwerfällig-schwüle Südstaaten-Blues mit Resonator-Gitarre und Blues Harp kam besser an als gedacht und schon fanden sich die fünf auf Welttournee wieder, die sie 2011 auch zur »Rockpalast«-Aufzeichnung nach Bonn führte. Am Montagabend spielte die Band Delta Saints im Franzis in Wetzlar.

Auch heute noch wirken die Musiker, die auf dem Cover ihrer CD »Death letter jubilee« mit saufenden Sündern kokettieren, brav wie Studenten: Kurze Haare (abgesehen von Bassist David Supicas Dreadlocks), Weste und akkurater Vollbart (Leadgitarrist Dylan Fitch), Hosenträger (der neue Mundharmonikaspieler Stephen Hanner) – der Kontrast zu dem, was sie aus ihren Instrumenten hauen, könnte kaum größer sein. Der jungenhaft aussehende Ben Ringel – mit 26 der Älteste – verfügt über eine erstaunlich kräftig-kratzige Stimme, die ein wenig an Chris Robinson von den Black Crowes erinnert. Kein Zufall: Die haben den Otis Redding-Song »Hard to handle« ebenso im Repertoire wie die Delta Saints.

Mit Ausnahme des ruhigen »Out to sea« nur mit Gitarre und Harp gibt die Band 90 Minuten Vollgas, wenn auch oft mit lustvoll angezogener Handbremse. Drummer Ben Azzi peitscht seine Frontleute mit pausenlos wirbelnden, aber präzisen Beats voran, wobei er oft auch auf die Trommelränder schlägt. Denkt da jemand an ZZ Tops »La Grange«?

Hanner unterstützt den Drummer an zusätzlicher Percussion, wenn er nicht gerade die Harp bläst. Manchmal kriegt er diesen dräuend-verhallten Sound wie damals Robert Plant hin. Auch das ist kein Zufall: Mit »When the levee breaks«, dem Blues (1929) über die Angst vor einem Dammbruch am Big River, nehmen die Saints Bezug auf das Delta, aber auch – im zweiten rhythmisch veränderten Teil – auf die berühmte Led Zeppelin-Version (1971). Tempowechsel sind ein Merkmal vieler Saints-Songs wie etwa »Chicago« oder »Sing to me«. Die aktuellen Nummern erscheinen etwas schneller, bisweilen brachial, während die Stücke von 2009/10 gut abgehangen rüberkommen und viel Gelegenheit für ausgedehnte Soli geben. Handwerklich ist das alles klasse und mitreißend, und bei den Fans, von denen viele die Väter der Musiker sein könnten, überwiegt die Freude, dass es solchen handgemachten Bluesrock noch gibt. An die Ausstrahlung und kompositorische Klasse einer Berserker-Band wie der leider verblichenen Imperial Crowns, die in eine ähnliche Kerbe hauten und mehrmals im Franzis auftraten, kommen sie aber (noch) nicht heran.



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