05. Oktober 2011, 09:25 Uhr

Hospiz-Forum: Vor allem Schmerzen und Angst lindern

Wetzlar (wv) »Schmerzen verstehen, erleben und kontrollieren«, so lautete der thematische Schwerpunkt beim sechsten Hospiz-Forum Mittelhessen, zu dem am Samstag rund 50 Teilnehmer in den Kuppelsaal der Volksbank gekommen waren.
05. Oktober 2011, 09:25 Uhr
Wolfgang Schwarz

Bei seiner Begrüßung gedachte Professor Günther Brobmann, Vorsitzender des Förderkreises Hospiz Mittelhessen, dem langjährigen Hospiz-Geschäftsführer Erich Koob, der kürzlich verstorben ist. »Sein langjähriges Engagement hat die Hospizbewegung nachhaltig geprägt, dafür sind wir ihm dankbar«.

»Es gibt keine Kochrezepte gegen Schmerzen«, betonte Dr. Wolfgang Schwarz, Schmerz- und Palliativmediziner aus Lüneburg, zu Beginn seines Referates, als er die Vielfalt und Ursachen für Schmerzen ansprach. Bundesweit leben rund zehn Millionen Menschen mit Schmerzen aller Art, deren Therapie über 150 Millionen Euro koste. Dabei komme der Frage, wie gehen wir in der Palliativmedizin mit den Symptomen der starken Schmerzen um, ein besonderer Stellenwert zu, erläuterte der Experte. Moderne Medizintechnik mache es heute möglich, den Verlauf des Schmerzes zu lokalisieren und in seinen Bahnen detailliert sichtbar zu machen.

Eine erfolgreiche Therapie wirke auf die Schmerzbahnen wie ein Dimmer, der die Stärke reduziert. In diesem Zusammenhang verwies der Mediziner auf den seelischen Schmerz durch soziale Ausgrenzung oder die Sorge um die Familie. »Wir können einen Tumorpatienten nicht schmerzlos stellen, aber so therapieren, dass er damit Leben kann«, erklärte Schwarz, der in Lüneburg ein Zentrum für Schwerkranke leitet. »Dem unheilbar Kranken Trost und menschliche Nähe zu geben, ist die beste Schmerztherapie. Lassen sie ihn das Leben noch einmal schmecken. Hier wirkt ein Glas Rotwein oder Whisky wahre Wunder«, so der Mediziner.

Häusliche Betreuung

Anschließend stellte Birgitta Killing, Chefärztin der Klinik für Hämatologie/Onkologie und Palliativmedizin am Klinikum Wetzlar, die »Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung« (SAPV) vor, die seit Mitte 2009 tätig ist. Unter ihrer Leitung arbeiten im Team speziell ausgebildete Kräfte bei der häuslichen Betreuung schwer kranker Patienten zusammen. Eine Rufbereitschaft rund um die Uhr stelle sicher, dass der schwer kranke Patient seine letzte Lebensphase im häuslichen Bereich verbringen kann. Killing wies auf die Zusammenarbeit mit Hausärzten und dem Hospiz »Haus Emmaus« hin. Die Kosten für die häusliche Betreuung würden von den Krankenkassen übernommen.

In einer anschließenden Gesprächrunde lobten die Experten das Engagement der Ehrenamtlichen und Angehörigen in der Hospizarbeit.



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