01. März 2011, 15:50 Uhr

Militär-Orchester mit musikalischer Vielfalt

Wetzlar (chl). Den europäischen Gedanken haben am Sonntag sieben Orchester in der Rittal-Arena in klingender Weise lebendig gemacht. Rund 250 Musikanten aus Deutschland, Österreich, Frankreich, den Niederlanden, Russland und Kasachstan bereiteten dem Publikum bei »10 Jahre Musikparade Militär- und Blasmusik« einen Augen- und Ohrenschmaus.
01. März 2011, 15:50 Uhr

 

In Einzelvorträgen und beim gemeinsamen Musizieren bewiesen die Akteure den rund 2500 Zuhörern musikalische Vielfalt. Längst bedeutet das Musizieren in strammen Uniformen und alpenländischen Trachten mehr als Marsch-, Zeremonie- und Volksmusik. So brachte jede Kapelle neben traditionell verwurzelten Klängen auch populäre Melodien aus den Genres Film, Schlager, Rockmusik, Swing und Klassik mit. Zudem entzückten die Orchester mit choreographisch ausgefeilten und sich ständig ändernden Formationen auf der großen mittigen Hallenfläche. Auch die Uniformen boten ein abwechslungsreiches Bild. Dieser farbenfrohe Mix wurde dem Publikum gleich zu Beginn beschert: Begleitet vom Song »Innuendo« der Rockband Queen, einem Jubiläums-Medley und dem Marsch »Adieu, mein kleiner Gardeoffizier« - gespielt vom Militärmusikkorps Perm/Russland - marschierten alle Musikanten in Polonaisemanier ein.

Filmmusik und Schlager

Den Auftakt im Reigen der Orchester übernahm dann der Musikverein Freistadt Rust aus Österreich. Die 1974 gegründete Kapelle mit Uniformen der Ruster Bürgerwehr aus dem 18. Jahrhundert präsentierte Filmmusik wie das Hauptthema aus »Indiana Jones« und huldigte ihrem Landsmann und Schlagerkomponisten Udo Jürgens mit Blasorchester-Arrangements der Hits »17 Jahr, blondes Haar«, »Aber bitte mit Sahne« oder »Merci Cherie«. Nicht fehlen durfte bei so viel Stolz ein Ausmarsch mit »O du mein Österreich«.

Die gewieftesten Formations-Choreographien und Paradefiguren des Programms servierte die Show- und Marchingband »Amigo« aus dem niederländischen Leiden. Zu den in einem Medley präsentierten mitreißenden Songs und Hits des Briten Tom Jones wie »Sexbomb«, »It's Not Unusual«, »Delilah« oder »Help yourself« fiel es den 50 Musikern nicht schwer, sich und das Publikum in tänzelnde Laune zu versetzen.

Als Gäste aus Schottland angekündigt, aber ebenfalls in den Niederlanden beheimatet, ließ die Gruppe »Dutch Pipes and Drums« aus Tilburg ihre schottischen Dudelsäcke und Trommeln erklingen. Stücke wie »Highland Cathedral«, »Skye Boat Song« und »Auld Lang Syne« durften nicht fehlen. Abgerundet wurde der Auftritt durch Einlagen junger Tänzerinnen mit typischem »Highland Dancing«.

Viel Wert auf Perfektionen legte das russische Militärmusikkorps Perm. Auch wenn das Orchester diesmal seinen militärischen Ton abstreifte, erklangen Stücke aus Peter Tschaikowskys Ballettmusiken »Schwanensee« oder »Nussknacker« auf höchstem instrumentalen Niveau. Balletttänzerinnen ergänzten die Vorstellung. Auch der Humor kam nicht zu kurz: So pfuschte ein Magier dem Dirigenten, Oberst Eugeny Tveretinov, mitunter ins Handwerk; amüsant war auch der von vier männlichen Musikern dargebotene »Tanz der jungen Schwäne«, welcher anschließend in swingenden Big-Band-Sound modulierte.

Den zünftig oberbayerischen Part übernahm die Trachten-Blaskapelle Bad Bayersoien. Die bereits mehrfach im Musikantenstadl aufgetretene Kapelle brachte nicht nur Schmankerl wie den »Schneewalzer« oder den »Zillertaler Hochzeitsmarsch« mit, sondern auch Alphornbläser, sogenannte Goaßlschnalzer, die rhythmisch zu Ländlern die Fuhrmannspeitschen knallen lassen, Schuhplattler, Holzhacker-Buam und einen »Schmied« für die »Amboss-Polka«. Quirlig und flink agierten die Musiker der Fanfare des 27. französischen Alpenjäger-Bataillons in ihren weißen Uniformen: Sie kamen nicht nur rückwärts laufend in die Halle marschiert, sondern rockten auf ihren Blasinstrumenten auch Deep Purples »Smoke on the Water«. Das Zentralorchester des Verteidigungsministeriums aus Kasachstan hatte sowohl asiatische Klänge als auch Schlager, Märsche und Swingnummern mitgebracht.

Ein großes Finale, bei dem alle sieben Orchester nacheinander aufmarschierten, um dann gemeinsam »Amazing Grace«, den »Radetzky-Marsch« und »Alte Kameraden« anzustimmen, beendete die große Paradenshow. Als Gaststar trat hierbei die aus Rumänien stammende und nunmehr in Osnabrück lebende Panflötistin Petruta Küpper auf. Die Schülerin des Panflötenvirtuosen Gheorghe Zamfir und Drittplatzierte der RTL-Show »Das Supertalent« (2009) stimmte gefühlvoll die bekannte Melodie »Einsamer Hirte« an.



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