24. September 2009, 19:04 Uhr

Wuselige Quasselstrippe

Wetzlar (chl). Der »381. Internationale Ärztekongress 2009 für alle Ärzte, die es gibt und alle anderen Halsabschneider« mündete am Mittwochabend in der Wetzlarer in ein verbales Durcheinander. Das alles war natürlich ein Comedy-Gag. Mit diesem Sketch demonstrierte Komiker Ralf Schmitz einmal mehr seine Gabe für rasante Sprechakrobatik.
24. September 2009, 19:04 Uhr
»Schmitzophrenie« ist nicht ansteckend und macht jede Menge Spaß. (Foto: chl)

Wetzlar (chl). Der »381. Internationale Ärztekongress 2009 für alle Ärzte, die es gibt und alle anderen Halsabschneider« mündete am Mittwochabend in der Wetzlarer in ein verbales Durcheinander. Beim Thema »Tourette-Syndrom« hatte der Referent nämlich all seine Fallbeispiele fortlaufend in die Rede eingebaut - bei jedem »u« ein Pfeifen, bei jedem »t« ein Schnarcher, bei jedem erotischen Wort ein »Kuckuck« und so fort. Das alles war natürlich ein Comedy-Gag. Mit diesem Sketch demonstrierte Komiker Ralf Schmitz einmal mehr seine Gabe für rasante Sprechakrobatik.

Zudem konnte schlussendlich die Diagnose gestellt werden: »Schmitzophrenie« ist keine ansteckende Krankheit, sondern ein großer ansteckender Spaß. Das wissen zumindest die rund 1000 Leute, die in der ausverkauften Stadthalle dem Komiker über zwei Stunden lang gelauscht hatten. Denn die aus der deutschen Comedyriege her bekannte, wohl wuseligste kleine Quasselstrippe machte sein Publikum aus reinen Zuhörern regelrechte Komplizen. Unentwegt wurden diese nämlich in sein aktuelles Programm »Schmitzophren« mit einbezogen. Unentwegt wurde aufs Köstlichste gelacht und gefeixt, selbst wenn es scheinbar gar keinen Grund dafür gab. Und schließlich mussten sich beide Seiten unentwegt auf unvorhersehbare Situationen einstellen.

Das ist nämlich Schmitz’ Metier - die Improvisation, die Clownerie. Anders als seine mehr oder weniger witzig palavernden Kollegen, die eher nach dem Motto »Wussten Sie eigentlich schon . . .« Gesellschaftliches oder Zwischenmenschliches sezieren, hat die rheinische Frohnatur das szenische Spiel im Blut. Hinzu kommt sein charakteristischer rasanter Redefluss - ohne Punkt und Komma. »Wer viel zu sagen hat, muss schneller reden« heißt schließlich auch der Untertitel seiner Show. Entsprechend wirft er alles in einen Topf und serviert seinen Fans ein ulkiges Menü, welches das Zwerchfell strapaziert. Die Zutaten sehen übrigens an jedem Gastspielort immer anders aus, denn wer das Publikum involviert, muss mit unterschiedlichen Reaktionen rechnen - und improvisieren. Aber das ist auch gewollt. So hat die Unterhaltung mit Leuten in den vorderen Reihe den Zweck, Kandidaten für die clownesken Spielchen und Sketche auf der Bühne zu rekrutieren.

Einer der schönsten Momente war sicherlich die Parodie auf das legendäre »Dinner for One«. Eine Frau aus dem Publikum (Silvia) musste in ein Kleid schlüpfen und »Miss Sophie« mimen, die zu ihrem 90. Geburtstag längst verstorbene Freunde eingeladen hatte. Diese waren hierbei jedoch die nicht englische Herren, sondern die Komiker-Ahnen Hans Moser, Heinz Rühmann, Heinz Erhardt und Rudi Carrell. Als »Butler James« bediente Ralf Schmitz dann die Gäste mit süffigen Tropfen, stolperte - »Mäh!« - über ein Shaun-das-Schaf-Fell statt über dem Tiger-Kopf und verlieh den vier imaginären Herren imitatorisch überzeugend seine Stimme.

Ein besonderes Faible hat Schmitz zudem für Sprache und Wortspielereien. So switchte er auf Signal einer Besucherin ständig zwischen Deutsch und einer russisch klingenden Fantasiesprache hin und her, brillierte in dem Schnellsprechlied »Mein Mädchen« von Heinz Erhardt und dessen Ummünzung in »Meine Alte« oder erzählte ein Märchen für all diejenigen, die immer eins oben drauf setzen wollen nach dem Motto »Es war zweimal . . .«. Immer wieder holte er Zuschauer für Sketche auf die Bühne, ob zum Erraten seiner pantomischen Darstellung von Tieren und Berufen oder als menschliche Kulissen einer Reiseschilderung. Hätte an diesem Abend nicht nur das Lachen, sondern auch Schmitz’ hektische, aufgedrehte Zappelei angesteckt - die Stadthalle wäre wie eine Hülle voller aufgeladener Quantenteilchen zerplatzt - im positiven Sinne.

Am 19. Januar 2010 ist Ralf Schmitz mit seinem Programm »Schmitzophren« in der Kongresshalle Gießen zu Gast.

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