11. Dezember 2008, 19:16 Uhr

Beifallsstürme für frivol-kokette Chansonette

Wetzlar (chl). Wann ist ein Mann ein Mann? Diese Frage hat schon Herbert Grönemeyer vor vielen Jahren gestellt. Die norddeutsche Sängerin und Kabarettistin Ina Müller setzt diesem noch einiges obendrauf und packt ein ganzes Arsenal an humorvollen und frivolen Ansichten vom Rollenverhalten der Geschlechter und dessen Verschleißerscheinungen aus. Das haben am Mittwochabend knapp über 1100 Zuhörer in der ausverkauften Wetzlarer Stadthalle miterlebt.
11. Dezember 2008, 19:16 Uhr
Kokett, ulkig, quirlig, quasselig und dabei stimmlich bestens disponiert: Entertainerin Ina Müller.

Wetzlar (chl). Wann ist ein Mann ein Mann? Diese Frage hat schon Herbert Grönemeyer vor vielen Jahren gestellt. Die norddeutsche Sängerin und Kabarettistin Ina Müller setzt diesem noch einiges obendrauf und packt ein ganzes Arsenal an humorvollen und frivolen Ansichten vom Rollenverhalten der Geschlechter und dessen Verschleißerscheinungen aus. Das haben am Mittwochabend knapp über 1100 Zuhörer in der ausverkauften Wetzlarer Stadthalle miterlebt.

Der Saal bebte, die Leute krümmten sich vor Lachen und schelmischem Grinsen. Und das, obwohl die 43-Jährige eigentlich mit ihrem Musikprogramm »Liebe macht taub« angereist war. Doch wer die Vita der blonden quirligen Frau schon eine Weile verfolgt hat weiß, dass sie eine geborene Entertainerin ist. Nicht nur als Mitglied des ehemaligen Kabarett-Duos »Queen Bee« machte Ina Müller seit den 90ern von sich reden. Mit ihrer kratzig-rauhen Stimme besingt immer wieder gern Themen wie Beziehung, Liebe und Alltagsgeschichten. Wie ihr Vorgänger-Musikalbum »Weiblich. Ledig. 40« krallt sich auch das neue »Liebe macht taub« zumeist an den Alterserscheinungen des weiblichen Gemüts fest und strotzt nur so von liebenswerten Anekdoten. Da erklingen das mit leichtem Latin-Sound angehauchte »Maxi-Cosi«, das von einem misslungenen Anbandelungsversuch erzählt (als Windeln und Schnuller den verheirateten Mann enttarnen), oder das im beschwingten Shuffle-Rhythmus mitreißende »Mark« - eine stürmische Ode an den wünschenswerten Prototyp Mann »Mark«: »Doch ich rechne noch immer in Mark« vergleicht Müller diesen wortspielisch mit ihrem nur halb so guten Neuen »Jens«.

Die Musik swingt, chansoniert und galoppiert poppig daher. Dass Musik und Text so großartig miteinander harmonieren, ist dem Gespann Hardy Kayser und Frank Ramond zu verdanken, aus deren Feder die Lieder stammen. Deren Schützlinge Annett Louisan und Roger Cicero haben das gleiche Glück - ohne sich gegenseitig auf die Füße zu treten. So spricht Ina Müller wohl eher ihren Altersgenossinnen zwischen 35 und 50 »aus dem Bauch«. Da ist es nicht verwunderlich, dass im Publikum die Herren in der Unterzahl sind und zumeist Frauencliquen die Reihen füllen. Wenn es so etwas wie einen weiblichen Stammtisch geben sollte, kann man seinen Platz auch in einem Ina-Müller-Konzert verorten. Am Kopf sitzt die Künstlerin, die ihre Fans als weiblichen Messias der Unterhaltung gekrönt haben. Sie prosten ihr jubelnd zu, sie trampen mit den Füßen und klatschen eifrig mit.

In Comedy-Manier hangelt sich Ina Müller dauer-quasselnd von Lied zu Lied. Stets kommen Witzchen und ulkige Weisheiten über ihre Lippen, oder sie kokettiert mit dem Publikum. Mit »lieber sieben Jahre schlechten Sex als gar keinen« erhascht sie sich Zustimmung, aber sie legt analog nach: »Wir Frauen wissen ja, was passiert, wenn wir lange keinen Ohrring tragen«. Auch die Selbstironie von Singlefrau Ina kommt nicht zu kurz, als sie von schlimmeren Schmerzen als ihren Alters-Wehwehchen spricht, wenn ihr beim Besuch einer Hochzeit auf dem Lande stets eine geballte Ladung Mitleid entgegen schlägt. Dann redet sie über Sex im Alter, macht Vorschläge für den richtigen Einsatz der Viagra-Pille bei älteren Herren, rechnet vor, dass eine Langzeitreservierung auf einem Kreuzfahrtschiff günstiger sei als ein Platz im Altersheim oder besingt in »Lieber Orangenhaut«, dass dies besser sei als gar kein Profil zu haben. Natürlich dürfen auch ihr neuer Hit und Ohrwurm »Drei Männer her« sowie ihre bekannten Lieder »Bye Bye Arschgeweih« oder »Wegen einer Älteren« nicht fehlen. Dabei machen die exzellent spielende fünfköpfige Band sowie die beiden Background-Sängerinnen das Konzert zu einem klanglich herausstechenden Erlebnis. Denn deren Spielfreude paart sich mit souveräner instrumentaler Beherrschung. Viel Applaus gibt es etwa, als Hardy Kayser auf der Gitarre mit einem aufwendigen Solo brilliert.

Mit stehenden Ovation holt das Publikum die Sängerin und ihre Band zu mehreren Zugaben zurück auf die Bühne. (Foto: chl)



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