10. November 2008, 19:36 Uhr

»Viseum« boomt ein Jahr nach der Eröffnung

Wetzlar (dpa). Es war ein Wagnis, doch das Experiment scheint geglückt: Rund 15 000 Besucher kamen im ersten Jahr in das »Viseum« in Wetzlar, einer einzigartigen Mitmachschau rund um Phänomene der Optik und Feinmechanik.
10. November 2008, 19:36 Uhr
Eine Gruppe Schüler schaut im »Viseum« durch große Linsen, während sie selbst durch eine solche fotografiert werden (Foto: dpa)

Wetzlar (dpa). Es war ein Wagnis, doch das Experiment scheint geglückt: Rund 15 000 Besucher kamen im ersten Jahr in das »Viseum« in Wetzlar, einer einzigartigen Mitmachschau rund um Phänomene der Optik und Feinmechanik. Am 7. November 2007 wurde das »Haus der Optik + Feinmechanik« eröffnet. 14 Unternehmen aus Mittelhessen hatten sich zusammengeschlossen, um ihrer Branche ein Museum zu widmen. Die Erlebnisausstellung über die bisweilen als trocken verpönte Materie der Industriesparten ist zum Publikumsmagneten geworden, wie der Vorsitzende des Trägervereins des Viseums, Ralf Niggemann, sagt. »Unsere Erwartungen haben sich mehr als erfüllt.«

Fast ins Schwärmen gerät Oberbürgermeister Wolfram Dette (FDP): »Das Viseum hat der Stadt einen deutlichen Schub nach vorne gebracht.« Die in einem denkmalgeschützten Fachwerkhaus aus der Zeit um 1700 mitten in der Altstadt untergebrachte interaktive Schau gehöre ohne Zweifel zu den »touristischen Zugpferden« unter den Museen der Stadt.

Eine »sehr gute Bereicherung der Museumspalette« ist das Viseum auch für die Leiterin der Städtischen Sammlungen, Anja Eichler. Von den etwa 35 000 geschätzten Besuchern in diesem Jahr in den Wetzlarer Museen machten laut Eichler die Besucher des Viseums rund 15 000 aus. 2007 seien in Wetzlar rund 20 000 Museumsbesucher gezählt worden. Das Viseum habe eine deutliche Steigerung gebracht.

In der Mitmachschau können Kinder und Erwachsene den Geheimnissen des Lichts und seinen Anwendungen in Alltag und Industrie spielerisch auf den Grund gehen. Den Weg durch die Schau weist ein Lichtstrahl, der die Ausstellungswände wie ein roter Faden durchzieht. Startpunkt ist eine Glaskugel, die mal rot, mal blau, mal grün leuchtet. Der Lichtstrahl führt die Besucher - beginnend an der Leuchtkugel - über zwei Etagen und rund 340 Quadratmeter durch elf Räume zu mehr als 60 Exponaten und Mitmach-Stationen. Die Besucher erfahren etwa, wie das menschliche Auge, der Prototyp aller optischen Systeme, funktioniert. Auch der wohl populärste Anwendungsbereich der Optik fehlt nicht: die Fotografie.

»Das Licht erscheint in unserer Ausstellung vor allem als Essenz einer Branche«, sagt Niggemann, der beim Mikroskophersteller Leica Microsystems in Wetzlar arbeitet. Alle Unternehmen des Trägervereins arbeiten mit Licht. Zu ihnen gehören Leica Camera und Minox, Carl Zeiss Sports Optics und der feinoptische Betrieb Befort Wetzlar. In der Region um Wetzlar hat sich in den letzten Jahrzehnten ein sogenanntes Cluster - eine Anhäufung von Unternehmen der gleichen Branche - gebildet.

Das Erfolgsgeheimnis dieser interaktiven Technikshow sei der spielerische Zugang zu einer innovativen Industriesparte - alles ohne abstrakte Erklärungen und Fachbegriffe aus Physik oder Mathematik, sagt Niggemann. Beim Mitmachen entdeckten die Besucher Zusammenhänge. Das verspreche auch der Name: »Viseum« - eine Zusammensetzung aus dem lateinischen »videre« (sehen) und Museum - stehe für die Einheit von Sehen und Erleben. Dazu sollen auch Veranstaltungen speziell für Kinder und Jugendliche beitragen, die im Oktober erstmals im Viseum angeboten worden seien und weiter aufgelegt werden sollen, sagt der Geschäftsführer von Befort Wetzlar, Henner Befort-Riedl.

Der Erfolg des Viseums überrascht Trendforscher Eike Wenzel vom Zukunftsinstitut Kelkheim nicht. »Wir erleben derzeit einen Trend hin zu Formen klassischer Kulturvermittlung, viele Museen erleben einen Boom«, sagt Wenzel. Bildung werde immer wichtiger, und den Museen komme eine entscheidende Rolle beim Wissenstransfer zu. Aber beteiligt seien fast nur solche, denen ein neuer Zugang zu einem Thema gelungen sei. »Keiner kommt heute ins Museum, um sich vor der bewahrten Kultur zu verneigen.«

Das Viseum hat rund 3,5 Millionen Euro gekostet - Geld von der Stadt, dem Land, der Europäischen Union und den 14 beteiligten Firmen. Die laufenden Kosten deckt die Stadt laut Niggemann durch die Mietzahlungen der Unternehmen. Eintrittsgelder werden nach seinen Worrten für die Erweiterung der Schau und Veranstaltungen ums Viseum aufgewendet.

<%LINK auto="true" href="http://www.viseum-wetzlar.de" text="www.viseum-wetzlar.de" class="more"%>

Schlagworte in diesem Artikel

  • Carl Zeiss Gruppe
  • FDP
  • Feinmechanik und Optik
  • Leica
  • Mathematik
  • Physik
  • Trendforscher
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos