23. Oktober 2008, 21:36 Uhr

Unterstützung für vorbildliche Initiative zugesagt

Wetzlar (hp). Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) besuchte am Donnerstag das Hospiz »Haus Emmaus« und die Leistelle des Lahn-Dill-Kreises, wo sie den Arzt-Notruf für die Region (ANR) kennen lernte. »Ich bin von beiden Einrichtungen beeindruckt«, so die Ministerin.
23. Oktober 2008, 21:36 Uhr
Bundesministerin Ulla Schmidt begutachtet das »Innenleben« der Zentralen Leitstelle; neben ihr MdB Helga Lopez, links KBI Rupert Heege (Foto: hp)

Im Hospiz habe sie sich von der warmen, guten und offenen Atmosphäre überzeugen können. Auch das Engagement der Ärzte und des Pflegepersonals und natürlich der ehrenamtlichen Mitarbeiter sei beispielhaft.

»In den Gesprächen habe ich gemerkt, dass das ‘Haus Emmaus' als Haus des Lebens geführt wird, in dem die Gäste mit Würde und Schmerzfreiheit den letzten Lebensabschnitt erleben können«, so die Ministerin. Den Arzt-Notruf sieht sie als Vorbild für andere Kreise: »Dies ist ein wegweisendes Projekt für die Organisation von Not- und Bereitschaftsdiensten, in dem Einsätze schnell und zielgenau mit einem optimalen Angebot abgehandelt werden können - und das auch noch wirtschaftlich effektiv.«

Im Hospiz wurde Ulla Schmidt von Geschäftsführer Erich Koob und dem stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Dieter Heinrich begrüßt. Einem kurzen Rundgang durch das Haus mit Kontakt zu Gästen und deren Angehörigen folgten Informationen über die Hospizpflege an sich, die Arbeit der Mitarbeitervertretung, die Palliativberatungsstelle und die Arbeit der 40 ehrenamtlichen Mitarbeiter. »Wir möchten mit unserem Haus mitten im Leben stehen und den acht Gästen mit individueller Betreuung den letzten Lebensabschnitt angenehm gestalten«, so Koob. Seit dem Start vor knapp fünf Jahren konnten 500 Gäste betreut werden - die Nachfrage ist groß. Dieter Heinrich nutze den Besuch der Ministerin, um seine Enttäuschung über die Umsetzung der gesetzlich neu geregelten Palliativversorgung darzustellen. »Die Bezahlung der Palliativmediziner ist beispielsweise schlecht geregelt.« Schmidt unterstrich die Berechtigung der Kritik: »Wir wollen die verschiedenen Angebot der Palliativmedizin ausbauen und sie als Bestandteil der Gesellschaft sehen, doch nicht alles funktioniert letztendlich auch so, wie der Gesetzgeber will.« Ihr Ziel sei es, stationäre Hospize als Keimzelle zu sehen, aus denen Palliativ-Care-Teams hervorgehen, die dem Betroffenen die Freiheit gewähren, dort in Würde und schmerzfrei zu sterben, wo sie möchten. »Dafür ist ganz einfach Zusammenarbeit nötig«, meinte Schmidt, die als gutes Beispiel ihre Heimatstadt Aachen nannte.

Dass eine solche Zusammenarbeit Früchte trägt, beeindruckte die Ministerin später beim Arzt-Notruf. ANR-Vorsitzender Gerd Müller gab ihr einen kurzen geschichtlichen Rückblick. »Einige Ärzte haben sich hier 1995 zusammen gesetzt und beschlossen: Wir wollen nicht jammern, sondern etwas tun um die Situation zu verbessern«, erläuterte der engagierte Arzt. Fehleinsätze waren an der Tagesordnung, Patienten telefonierten von einem Anrufbeantworter zum Nächsten, kurz: Die Arbeit im Notdienst war unbefriedigend. »Immer eine kompetente Person am Notruf, die dann gezielt entscheiden kann ‘Schicke ich sofort den Rettungsdienst oder reicht zunächst ein Arzt', das war unser Ziel«, so Müller. Inzwischen sind mit 224 Ärzten fast alle im Lahn-Dill-Kreis dabei, die Sache funktioniert bestens und spart immens viel Zeit, Kraft und - Geld. »In der Leitstelle als Nervenzentrum fand sich der richtige Knotenpunkt, da hier auch zu den so genannten ‘Unzeiten' immer ein Ansprechpartner ist«, erklärte Erster Kreisbeigeordneter Wolfgang Hofmann (FWG). »Wir haben damals nach Schnittstellen gesucht, um aus den mehrgleisigen Strukturen ein effektives Instrument zu machen«, sagte Kreisbrandinspektor Rupert Heege und verwies auf 265 000 Einwohner, die so im Lahn-Dill-Kreis Sicherheit im Notfall genießen können. Im Gespräch traf die Ministerin den wunden Punkt des Systems: Die Finanzierung. »Die Hessischen Kassen signalisieren uns bei den jährlichen Verhandlungen Begeisterung - die Bundeskassen schauen seit Mai leider immer erst einmal auf ihren Fonds«, erklärte Notarzt Horst Klewer. »Sie können sicher sein, dass dieses beispielhafte Modell nicht an der Finanzierung scheitern wird«, so Schmidt. Dieses Modell könne verallgemeinert werden, viel Geld einsparen und sei die Lösung der Probleme, wie sie andernorts leider immer noch vorhanden seien.

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