10. Juli 2008, 17:26 Uhr

Zur Bezirkswallfahrt kommt der Oberhirte persönlich

Wetzlar/Solms (wv). Wenn die Katholiken der heimischen Region in diesem Sommer (10. August) zur traditionellen Bezirkswallfahrt auf den Altenberger Klosterberg pilgern um gemeinsam Gottesdienst zu feiern und am Grab der Seligen Gertrudis zu beten, dann kommt dem traditionellen Treffen eine besondere Bedeutung zu.
10. Juli 2008, 17:26 Uhr
Auf Anweisung der Nationalsozialisten durften die Wetzlarer Katholiken ab 1933 bei der Fronleichnamsprozession nur noch um den Dom ziehen. (Foto: privat)

Wetzlar/Solms (wv). Wenn die Katholiken der heimischen Region in diesem Sommer (10. August) zur traditionellen Bezirkswallfahrt auf den Altenberger Klosterberg pilgern um gemeinsam Gottesdienst zu feiern und am Grab der Seligen Gertrudis zu beten, dann kommt dem traditionellen Treffen eine besondere Bedeutung zu. Der Wetzlarer Kirchenbezirk mit heute rund 33 000 Katholiken in 16 Kirchengemeinden gehört seit 75 Jahren zum Bistum Limburg. Und die Wallfahrer haben allen Grund zur Freude: Erstmals werden sie ihren neuen Bischof Franz Peter Tebartz-van Elst persönlich kennen lernen.

Der Limburger Oberhirte kommt zu den Feierlichkeiten auf den Altenberg, um gemeinsam mit den Christen das Bistumsjubiläum zu feiern, das um 10 Uhr mit einem Festgottesdienst im Klostergarten beginnt. Seinen Antrittsbesuch in der Wetzlarer Region möchte der Bischof dazu nutzen, neben den Superintendenten der Evangelischen Kirchekreise Wetzlar und Braunfels auch die Repräsentanten der heimischen Kommunen und die Bundes- und Landtagsabgeordnete kennen zu lernen.

Ein Blick in die heimische Kirchengeschichte macht deutlich: Bevor der ehemalige Kreis Wetzlar mit seinen 91 Gemeinden im Oktober 1933 durch eine Verfügung von Papst Pius XI. in das Bistum Limburg eingegliedert wurde, gehörten die heimischen Katholiken rund 1000 Jahre zum Bistum Trier. Dabei waren die Gründe für die Umsiedlung nach Limburg rein politischer Natur. Im Jahr 1815 fiel Wetzlar an Preußen und gehörte zur Rheinprovinz, die aber erst 60 Kilometer westlich der Stadt begann. Damit lag der Landkreis Wetzlar als Exklave weit außerhalb des preußischen Territoriums. Erst im Oktober 1932 wurde der politische An-schluss an die Provinz Hessen-Nassau vollzogen. Die Konsequenz: Auch die rund 4000 heimischen Katholiken, von denen rund 75 Prozent in Wetzlar lebten, wurden zum Bistum Limburg umgesiedelt, dessen Grenzen weitgehend dem Herzogtum Nassau entsprachen.

Das Jahr 1933 brachte den Wetzlarer Katholiken zwei gravierende Veränderungen: Nicht nur dass sie ihr geliebtes Bistum Trier verlassen mussten - bei den Wahlen hatte die NSDAP im Landkreis Wetzlar mit 54 Prozent die Mehrheit und damit das Sagen. Den Beginn des Hitler-Regimes spürten nicht nur der damalige Dompfarrer Dr. Peter Hören und seine beiden Kapläne. Auch die Katholiken waren verunsichert, zumal alle kirchlichen Aktivitäten von den neuen Machthabern zu nächst kritisch registriert und dann massiv behindert wurden. Ein Blick in die Chronik der Domgemeinde macht deutlich, dass die Fronleichnamsprozession zunächst nur noch rund um den Dom gehen durfte, dann ganz verboten wurde. Die Aktivitäten der katholischen Vereine wurden behindert, die Zuschüsse für das Waisenhaus und den Kindergarten der »Dernbacher Schwestern« (die im Gertrudishaus über 70 Kinder betreuten) wurden gestrichen. Nur Dank persönlichem Engagement Wetzlarer Bürger, besonders der Familie Ernst Leitz, konnte diese Einrichtung weiter arbeiten. Die Lage änderte sich schlagartig, als im Frühjahr 1946 rund 26 000 heimatvertriebe Katholiken im Altkreis Wetzlar eine zweite Heimat fanden und einige tausend katholische Gastarbeiter aus südeuropäischen Ländern eintrafen. Mit finanzieller Unterstützung des Bistums Limburg wurden an Lahn und Dill 15 neue Pfarrgemeinden eingerichtet und 18 Kirchen gebaut. Dank der katholischen Siedlungsgemeinschaften konnten sich rund 250 Familien ein Eigenheim bauen.

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