20. Juli 2010, 16:06 Uhr

»Klassik mal anders«: Leben und Werk Chopins

Hüttenberg (dw) »Klassik mal anders« lockte am Sonntagabend rund 100 Besucher in die »Alte Kirche« in Weidenhausen. Anlässlich des 200. Geburtsjubiläums stand im Rahmen des Kultursommers Mittelhessen der Pianist und Komponist Frédéric Chopin im Mittelpunkt dieser Veranstaltung des Kultursommers Mittelhessen.
20. Juli 2010, 16:06 Uhr
Armin Diedrichsen und Jochem Wolff stellten Leben und Werk Chopins vor. (Foto: dw)

Hüttenberg (dw) »Klassik mal anders« lockte am Sonntagabend rund 100 Besucher in die »Alte Kirche« in Weidenhausen. Anlässlich des 200. Geburtsjubiläums stand im Rahmen des Kultursommers Mittelhessen der Pianist und Komponist Frédéric Chopin im Mittelpunkt dieser Veranstaltung des Kultursommers Mittelhessen.

Ein Tisch, zwei Stühle, zwei Wassergläser und ein Tonband - mehr brauchten Jochem Wolff und Armin Diedrichsen nicht für ihre »Hommage« an den vor allem beim weiblichen Publikum auch nach 200 Jahren ungebrochen beliebten romantischen Musiker.

»Chopin - ich habe den Namen nie gehört - jedenfalls ein Genie« schrieb 1831 der Komponist Robert Schumann als Musikkritiker über eine der ersten Kompositionen des 1810 in Warschau geborenen Chopin in der Leipziger Allgemeinen Musikalischen Zeitung. Nicht nur seine ausdrucksstarke Musik, in deren Mittelpunkt stets das Klavier steht, sondern auch seine schillernde Persönlichkeit machten ihn zu Lebzeiten zum Gespräch des öffentlichen Musik- und Literaturlebens.

Der Theatermann Wolff und der Dramaturg Diedrichsen gaben mit einer Fülle von Zitaten von Zeitgenossen - den Dichtern Alfred de Musset, Honoré de Balzac, Heinrich Heine, dem Maler Eugène Delacroix oder dem Musiker Franz Liszt - Einblick in die Persönlichkeit des auch als »zerbrechlichen Zauberer« bezeichneten Musikers. Nicht zuletzt seine Beziehung zu der Schriftstellerin George Sand, mit der er zehn Jahre liiert war und zeitweise auf Mallorca lebte, trugen zum Mythos um seine »grazil distinguierte Persönlichkeit« bei.

Der von tiefer Melancholie geprägte, in Paris lebende Pole fand »seine wahre Heimat im Traumland der Fantasie«, zitieren die Referenten. Nur die Musik beherrschte ihn ganz. Hier findet er zu tiefer Innerlichkeit, kann, was Sand ihm im realen Leben vorwarf: »eigentlich liebt er nie irgendjemanden«.

Rhythmik, Tempo und Dynamik, die ganze Palette von laut bis leise nutzend machen Chopins Kompositionen, überwiegend für Klavier, einzigartig, betonten Diedrichsen und Wolff. Seine traumhaft fließenden Melodien ließen sie mit Einspielungen historischer Aufnahmen auch selten gehörter Stücke, wie etwa polnische Lieder, wirken. Die Weite seiner Melancholie, Sehnsucht und Dramatik wurden, wenn auch bisweilen brutal abgebrochen, in den kleinen Schlaglichtern spürbar. Eine Aufnahme des noch von einem Chopin-Schüler unterrichteten Alfred Cordot aus dem Jahre 1932 brachte virtuose Linienführung zum Klingen. Auch Interpretationen des sibirische Pianist Vladimir Krainjew aus der Moskauer Schule und der großen Klaviervirtuosin Martha Argerich waren zu hören.

Chopins bedeutenden Einfluss auf die Musik des 20. Jahrhunderts brachten Diedrichsen und Wolff facettenreich, wenn auch überwiegend akademisch, zum Ausdruck. Es wurde hörbar, dass Chopin es wie kaum ein anderer verstand, »Töne wie auf einer Perlenkette aufzureihen«, ihren Charakter in revolutionären Harmonien zu immer neuer Wirkung zu bringen. Im Spätwerk fand der mit 39 Jahren vermutlich an Mukoviszidose, nicht an Tuberkulose, Verstobene musikalisch zum »Triumph der Melancholie« und hinterließ eine neue, eigene Klangwelt.

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