07. November 2008, 17:26 Uhr

In Bedrohung viel gebetet und Gottes Schutz erfahren

Hüttenberg (ür). Die Rechtenbacherin Esther Hahn kehrte dieser Tage nach einjährigem freiwilligen Auslandseinsatz aus Afrika zurück. Sie hatte sich nach Abschluss der Schule für die zwölfmonatige Mitarbeit in einer Missionsstation in Afrika entschlossen. Ihre Wahl fiel auf Kenia, weil es als politisch stabil galt.
07. November 2008, 17:26 Uhr
Die 21-jährige Esther Hahn mit afrikanischen Kindern während ihres einjährigen Einsatzes in einer Missionsstation in Kenia. (Foto: ür)

Hüttenberg (ür). Die Rechtenbacherin Esther Hahn kehrte dieser Tage nach einjährigem freiwilligen Auslandseinsatz aus Afrika zurück. Sie hatte sich nach Abschluss der Schule für die zwölfmonatige Mitarbeit in einer Missionsstation in Afrika entschlossen. Ihre Wahl fiel auf Kenia, weil es als politisch stabil galt. Ende Oktober 2007 startete sie, um das Team des Missionswerks »Die gute Nachricht für Afrika« (Diguna) in der Region Tinderet im Westen Kenias zu unterstützen. Das 1972 gegründete Werk aus Haiger mit derzeit rund 230 Mitarbeitern unterhält Missionsstationen in Uganda, im Kongo, im Sudan und auch fünf in Kenia. Völlig überrascht wurde die 21-Jährige Ende Dezember von den politischen Ereignissen in dem afrikanischen Land. Nach den Parlamentswahlen am 27. Dezember war es zu schweren Unruhen in Kenia gekommen.

Regierung und Opposition kämpften gegeneinander. Mehrere hundert Menschen fanden dabei den Tod. In einer Kirche in der 30 Kilometer entfernten Stadt Eldoret, in die sich rund 400 Leute geflüchtet hatten, wurden 35 Frauen und Kinder bei lebendigem Leib verbrannt. Die Rechtenbacherin und die anderen 60 Mitarbeiter auf der Missionsstation in den Nandi Hills standen Todesängste aus. Auch in Tinderet kamen Einheimische auf die Station.

»Eine Gruppe von 20 Leuten aus der nächsten Nachbarschaft hatte die Station gestürmt. Männer, mit Knüppeln bewaffnet, kamen in sämtliche Arbeitsbereiche lauthals hineingestürmt. Sie befahlen den Mitarbeitern, sofort alles stehen und liegen zu lassen, um auf dem Hof ein ernsthaftes Gespräch zu führen. Zitternd kamen nun alle Mitarbeiter zusammen und hörten sich verwirrt die Forderungen der Männer an: Gebt uns Strom, Wasser, eure Autos und Geld! Und macht, dass einige Mitarbeiter von Diguna verschwinden! Solltet ihr unsere Forderungen nicht befolgen, werdet ihr dies teuer bezahlen müssen!« So schildert Esther Hahn den politischen Umschwung, der weltweit für Schlagzeilen sorgte.

»Möglichkeit genutzt, Suaheli zu lernen«

Genau am 29. Dezember, als die Unruhen auch Tinderet erreichten, wollten Esther Hahn und einige Freunde von der Station ihren Weihnachtsurlaub an der Küste in Mombasa antreten. Noch rechtzeitig vor ihrem Aufbruch erreichten die Nachrichten von Schüssen, brennenden Autoreifen und Häusern die Missionsstation, sodass sie auf die Reise verzichteten. In den Tagen der Bedrohung hätten alle sehr viel gebetet und erlebt, dass Gott bewahren kann.

Die junge Rechtenbacherin war vor allem in der Verpflegung der Missionare und einheimischen Mitarbeiter in Tinderet tätig. Sie war in Küche, Hauswirtschaft und Wäscherei tätig. Dabei arbeitete sie in einem Team von sieben Leuten, in dem sie die einzige Deutsche war. Somit fand sie viele Möglichkeiten, die Sprache Suaheli zu lernen und auch die einheimischen Gerichte zuzubereiten. Auch die Kultur und den einfacheren Lebensstil der Kenianer hat sie kennen gelernt und war überrascht, dass man mit wenigen Dingen auskommen kann. Eine Stunde Fahrt musste sie jeweils zurücklegen, um in der drittgrößten Stadt des Landes, Kisumu, einen größeren Einkauf zu erledigen.

Weihnachten hat Esther Hahn erstmals bei 37 Grad im Schatten erlebt. »Wer hätte es gedacht, aber zur Weihnachtszeit sind besonders die Städte von westlicher Kultur sehr beeinflusst! An jeder Straßenecke kann man kitschige Weihnachtsdekoration, wie Girlanden aus Lametta und sonstige Dinge kaufen. In den Kaufhäusern stehen schlaksige Afrikaner, umhüllt von einem Weihnachtsmann-Kostüm und weißem Bart. Dazu hört man Lieder wie «Jingle Bells», und aufblasbare Schneemänner mit leuchtenden Rentieren verzieren die Umgebung. Dass es dabei sehr warm ist und höchstwahrscheinlich keiner von den Einheimischen weder in seinem Leben jemals Schnee gesehen hat, noch einen blassen Schimmer davon hat, warum das alles überhaupt herumsteht, stört hier wenige«, resümierte die Rechtenbacherin. Zu der Missionsstation gehören auch eine Autowerkstatt, eine Schreinerei, eine Landwirtschaft und weitere Möglichkeiten der Tätigkeit. Nicht zu vergessen ein Kinderheim und die angeschlossene Grundschule. 200 Kinder, meist Waisen oder Straßenkinder, haben hier ein Zuhause gefunden. Eine Woche lang übernahm die junge Deutsche Vertretung für einen Lehrer und unterrichtete Missionarskinder im ersten und vierten Schuljahr. Außerdem gab sie den Mädchen und Jungen im Kindergarten Schwimmunterricht.

Für jeweils zwei Wochen sind Teams der Station auf Evangelisationseinsätzen im ganzen Land unterwegs. Bei diesen Einsätzen besuchen sie Schulen und gehen von Hütte zu Hütte, um mit den Einwohnern ins Gespräch über den christlichen Glauben zu kommen. Dabei werden die Kenianer in die Kirche und zu Open-Air-Veranstaltungen eingeladen. Auch Esther Hahn wurde zu einer »Campaigns« eingeladen, was ihr sehr viel Freude bereitete. Sie konnte nicht nur über ihren Glauben berichten, sondern mithilfe von Übersetzern auch in den Versammlungen sprechen.

In den letzten sechs Wochen ihres Einsatzes lernte Esther Hahn auch die Missionsarbeit in Rethy kennen. Dort wird gerade eine Turbine zur Stromproduktion gebaut. Die Mitarbeiter suchten noch eine Hilfe für die Hauswirtschaft, und so meldete sich die Rechtenbacherin kurzerhand dafür. Finanziert wurde ihr Engagement in Afrika durch Bekannte und Freunde in der Heimat.

»Gottes Zusagen konkret in Afrika erlebt«

Wenn Sie heute in ihrem Tagebuch blättert, ist sie froh, wieder zu Hause zu sein. Die Tage um die Jahreswende waren von sehr realer Bedrohung für ihr Leben gewesen. »Mit 21 bin ich einfach noch viel zu jung, um zu sterben«, sagt sie. Zugleich ist sie froh, ein noch größeres Vertrauen zu Gott aufgebaut zu haben: »Ich habe Gottes Zusagen in der Bibel ganz konkret in Afrika erlebt.«

Nun sucht die Rechtenbacherin einen Ausbildungsplatz, vielleicht Physiotherapie oder etwas anderes im medizinischen Bereich. Ihren künftigen Beruf möchte sie so auswählen, dass sie ihn gebrauchen kann, sollte sie noch einmal nach Afrika zurückkehren.

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