29. Mai 2008, 18:48 Uhr

Autohof Hüttenberg soll Ende des Jahres öffnen

Hüttenberg/Wetzlar (rüg). Lange Zeit sah es nach einem Rennen aus, an dessen Ende nur einer gewinnen konnte. Jetzt scheint es so, dass es zwei Sieger geben wird: Nachdem im April die Baugenehmigung für einen Autohof auf Gießener Seite erteilt wurde, konnte sich Hüttenbergs Bürgermeister Dr. Manfred Schmidt am Donnerstag freuen, dass nun auch die Genehmigung für den seit Jahren geplanten Autohof im Rechtenbacher Gewerbegebiet »Obere Surbach« im Rahmen eines Pressgespräches im Wetzlarer Landratsamt übergeben wurde.
29. Mai 2008, 18:48 Uhr
An der A 45-Abfahrt bei Rechtenbach soll bis Ende des Jahres der neue Autohof Hüttenberg Brummi-Fahrern und Reisenden zur Verfügung stehen. Der Spatenstich ist für Juli geplant. (Foto: rüg)

Hüttenberg/Wetzlar (rüg). Lange Zeit sah es nach einem Rennen aus, an dessen Ende nur einer gewinnen konnte. Jetzt scheint es so, dass es zwei Sieger geben wird: Nachdem im April die Baugenehmigung für einen Autohof auf Gießener Seite erteilt wurde, konnte sich Hüttenbergs Bürgermeister Dr. Manfred Schmidt am Donnerstag freuen, dass nun auch die Genehmigung für den seit Jahren geplanten Autohof im Rechtenbacher Gewerbegebiet »Obere Surbach« im Rahmen eines Pressgespräches im Wetzlarer Landratsamt übergeben wurde. Bauherr auf Hüttenberger Seite ist eine Investorengruppe aus Großwallstadt. Der Baubeginn für das 6,5-Millionen-Euro teure Projekt ist für Juli geplant.

Ein Blick zurück: Schon vor gut sieben Jahren hatte die Gemeinde Hüttenberg erste Planungen für die Ansiedlung eines Autohofs angestellt. Im März 2001 entschieden die Hüttenberger mit einer Stimme Mehrheit im Bürgerentscheid, dass ein weiteres Gewerbegebiet im Bereich »Obere Surbach« an der Autobahnabfahrt Lützellinden entstehen sollte. Die Entscheidung fiel damit denkbar knapp gegen den lange bevorzugten Bereich »Langacker« auf der anderen Seite der L 3054. Gut zwei Jahre später mussten die Hüttenberger erneut an die Wahlurnen. Ein Bürgerinitiative hatte einen weiteren Bürgerentscheid erwirkt, mit dem der Bau eines Autohofs verhindert werden sollte. Doch eine Mehrheit sah das anders und votierte deutlich mit 72,8 Prozent gegen das Begehren der Bürgerinitiative.

Aber damit war das Projekt »Autohof« noch keineswegs in trockenen Tüchern. Obwohl die Gemeinde über ein voll erschlossenes Gewerbegebiet verfügt - und damit damals deutlich im Vorteil gegenüber der Konkurrenz durch die Stadt Gießen auf der Lützellindener Seite war - scheiterte die Realisierung an der Frage des Treibstoffzulieferers.

Bisher, denn diese Frage ist mittlerweile gelöst, ebenso die nach einem Investor, nachdem in den vergangenen Jahren einige Interessenten die Segel streichen mussten.

Gestern wurde die Baugenehmigung für das Vorhaben »Autohof Hüttenberg« durch Lahn-Dill-Landrat Wolfgang Schuster, den Ersten Kreisbeigeordneten Wolfgang Hofmann und Mitarbeiter der Genehmigungsbehörde an Bruno Berger und Siegfried Emmerich von der »con.tax Treuhand- und Steuerberatungsgesellschaft« in Großwallstadt als Vertreter der Investorengruppe übergeben. Die Gemeinde Hüttenberg war durch Bürgermeister Dr. Manfred Schmidt, den Ersten Beigeordneten Paul Hartmann und Patrick Kempf (Geschäftsführer der gemeindeigenen »Obere Surbach GmbH«) vertreten.

Es sei ungewöhnlich, das eine solche Übergabe mit einem Pressetermin verbunden ist, sagte Landrat Schuster, doch die Brisanz des Themas habe dies gerechtfertigt. Bürgermeister Schmidt habe sich intensiv um die Belange seiner Gemeinde gekümmert und »uns positiv genervt«, damit das Genehmigungsverfahren zu einem erfolgreichen Abschluss kam. Dies, so Schuster sei nicht so einfach gewesen. Der Bauantrag sei zwar schon im Januar eingegangen, doch für eine abschließende Prüfung sei noch ein Lärmschutzgutachten notwendig gewesen, das Mitte April vorgelegen habe. Somit sei die Genehmigung »mit geballter Verwaltungskraft« in einer überschaubaren Zeit über die Bühne gegangen.

Baudezernent Hofmann unterstrich, dass seine Behörde sich nicht als Verhinderer von Vorhaben, sondern als Dienstleister verstehe, um solche Projekte zu ermöglichen. Dennoch sei es wichtig, eine solche Entscheidung »wasserdicht« zu machen und alles vorher sorgfältig zu prüfen, »damit nicht ein Rattenschwanz von Prozessen Klagen und Nachbarschaftsbeschwerden« folgt. Immerhin handele es sich für die Gemeinde Hüttenberg um eine Investitionssumme über zwei Millionen Euro (für Grundstück und Erschließung).

Bürgermeister Dr. Schmidt freute sich, dass nun endlich die Baugenehmigung erteilt ist. Seit sieben Jahren versuche man, einen solches Projekt im Gewerbegebiet zu realisieren. Es sei besonders deshalb wichtig, weil ein Autohof immer auch andere Firmen anlocke, die arbeitsplatzintensiver seien. »Dafür haben wir einen Bedarf. Hüttenberg ist zwar eine der wenigen Wachstumsgemeinden (bei der Bevölkerung, Anm. d. Red.), es gibt aber einen Nachholbedarf bei Arbeitsplätzen«, meinte der Bürgermeister.

Als Vertreter der Investoren erklärte Bruno Berger, dass es einen Mangel an Stellplätzen für Lkw an den Autobahnen gebe. Hier müssten bundesweit rund 25 000 weitere Plätze in den nächsten Jahren geschaffen werden. Wichtig sei aber auch das »Rundum-Angebot« für die Fahrer. Daher sehe man auch keine Konkurenz durch die Gießener Planungen. »Unser Vorteil ist, dass wir früher sind«, sagte Berger.

Aufgrund des exponierten Standortes direkt an der Autobahnausfahrt sei es den Investoren in kürzester Zeit gelungen, namhafte Betreiber für ihr Autohofprojekt zu binden. Es wird eine großzügig gestaltete Pkw- und Lkw-Tankstelle geben (ARAL), einen Tankstellenshop (130 Quadratmeter), Bistro und Restaurant, die von einem erfahrenen Autohofpächter geführt werden. Die Angebote im Shop seien dabei vornehmlich auf die Bedürfnisse von Reisenden und Lkw-Fahrern ausgerichtet.

Dazu wird es großzügige Sanitärräume und einen Babywickelraum und behindertengerechte WC geben, außerdem für die Fernfahrer »Badezellen« mit Waschbecken, WC und Dusche, »sodass sich der Trucker wie zuhause fühlen und seine Ruhezeiten tatsächlich zum Entspannen nutzen kann«.

Abgerundet wird das Angebot durch eine Gastankstelle und fünf SB-Waschboxen für Pkw, wobei die Waschanlagen mit Regenwasser betrieben werden. Insgesamt sind 187 Pkw-, Bus- und Lkw-Stellplätze geplant. Für die Freizeitgestaltung entsteht ein so genanntes Entertainment-(Spiele-) Center. Vorgesehen ist auch ein »Bonny's Diner«-Restaurant nach dem Vorbild amerikanischer Restaurants der 50-er Jahre mit 24-Stunden-Service.

Bei einem Investitionsvolumen von insgesamt 6,5 Millionen Euro sollen über 60 Arbeitsplätze in Voll- und Teilzeitarbeit geschaffen werden.



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