07. August 2008, 16:18 Uhr

Wenn denn nur der Tag ein paar Stunden mehr hätte�

Wettenberg/Heuchelheim. (m). Nora Schmidt - das ist eine faszinierende Stimme, das sind Ehrlichkeit und natürliche Ausstrahlung, das waren und sind mitreißende Konzerte auf hohem Niveau und das ist ein Stück regionaler Musikgeschichte. Genau genommen 40 Jahre - eigentlich aber 41 Jahre, meint sie nach kurzem Nachdenken.
07. August 2008, 16:18 Uhr
»Nein, ich bereue nichts« � Nora auf dem Schiffenberg im Juni dieses Jahres

Denn in Noras Leben hat Musik eine ausschlaggebende Rolle gespielt und war von Kindesbeinen an prägend bis heute. Neun Jahre alt war die Sängerin damals, als sie mit dem Musizieren begann.

Ihr Jubiläum möchte sie aber als Bühnenjubiläum sehen - und bei ihrem ersten Auftritt zählte die gebürtige Krofdorf-Gleibergerin eben auch erst zehn Lenze. Da musizierte sie auf der Bühne der Mehrzweckhalle ihrer Heimatgemeinde beim Jahreskonzert der Harmonika-Junioren Krofdorf-Gleiberg. Bei denen lernte sie quasi »laufen«. Es ist kein Geheimnis, dass man bei den Harmonika-Junioren bis heute talentierte Stimmen in den Reihen hat, und die kann man alljährlich hören, wenn die Aktiven ihren Auftritt bei den Fremdensitzungen haben. Kaum zu glauben, dass auch schon Nora damals bei den Virtuosen auf den schwarz-weißen Tasten erstmals öffentlich ein Lied sang. Gitte Haenning wurde bemüht und die noch junge Nora aus dem Hause Ida und Karl Schmidt sang »Junger Tag«, ein bekanntes Stück der dänischen Schlagersängerin. Zehn Jahre lang blieb sie den Harmonika-Junioren treu, ist ihnen auch heute noch verbunden, aber damals schon zeichnete sich ab, dass sie von einer gewissen Unruhe getrieben werden sollte. Neugierig und immer offen für Neues, ein stetes Suchen und Ausprobieren waren da - und da musste 1997 fast zwangsläufig die erste CD folgen mit dem prägnanten Titel »Nora unterwegs«. Unterwegs war sie aber vorher schon, mit 18 Jahren als Sängerin der Rock-Band »Atlantis« und kurze Zeit darauf bei der Formation »Albatros« aus Großen-Linden, wo beispielsweise Rockröhren wie Linda Ronstadt gecovert wurden.

Unterwegs zu sein, heißt für Nora auch, in ihrem Repertoire ganz unterschiedliche musikalische Genres zu vertreten. So lernte Nora als 20-Jährige Otwin Balser kennen. »Hättest Du nicht Lust, bei uns singen?« fragt der damals, und so kam Nora zu den »Lahntal-Musikanten«, deren musikalischer Leiter Balser war. Das war für die Sängerin der Einstand in der Blas- und Tanzmusik. Landauf, landab sorgte sie so für gute Laune und bereiste vor 28 Jahren mit der Kapelle Kalifornien. Obwohl Nora offensichtlich ein Tausendsasa ist - kritisch und nachdenklich war sie stets und bekennt: »Ich lehne auch schon Mal ab, ein Stück zu singen, wenn der Text allzu blöde und geistlos ist«. Vor allem in den letzten Jahren will die gelernte Erzieherin, die nach Grundschule in Krofdorf und mittlerer Reife an der heutigen Gesamtschule »Gleiberger Land« auf der Aliceschule in Gießen ihr Fach-Abi machte, eine erschreckende Zunahme »niveaulosen, kleingeistigen Unterhaltungsbreis« festgestellt haben. Da liegen ihr eher die gesellschafts- und sozialkritischen Lieder, und sie erinnert sich an den »Gänsehaut-Auftritt« vor 10 000 Zuhörern bei den Ostermarsch-Abschlusskundgebungen 1987 und 1988 auf dem Frankfurter Römerberg. Unvergessen auch die Freiluftkonzerte auf dem Schiffenberg und dem Gleiberg. MC's wurden aufgenommen - »Für Freunde«, »Keine Zeit«und »...endlich«. Und noch während sie mit den »Lahntal-Musikanten« 15 Jahre lang durch die Lande tourte und nach wie vor Akkordeon spielte, zeichnete sich bereits die Gründung der Gesangsgruppe »Liederbuch« ab. Mit ihrem Bruder Norbert, mit Uschi Dannemann (geb. Gerlach), mit Gundy Grygar (geb. Schlierbach) - die beiden sind übrigens heute noch bei den Harmonika-Junioren aktiv - sowie mit Billy Worsch gab es schon gemeinsame Auftritte. 1982/83 wurde dann »Liederbuch« formiert. Nora war Mitbegründerin und Frontfrau dieser Gruppe, die sich für zehn Jahre dem internationalen Folk verschrieb. Nora blieb unterwegs und orientierte sich wieder neu, um mit einer Solokarriere an Vergangenes anzuknüpfen. Unterwegs war sie mit Dr. Georg Hilfrich (Piano) und Thomas Bernsdorff (Gitarre). Mit dem kleinen Ensemble folgte 1995 ein erstes, volles Konzertprogramm mit Titeln von Konstantin Wecker, Stefanie Werger, Joan Baez und Edith Piaf. Die Gruppe »LavendelMond«, mit ihrem Bruder als Sänger gab vor fünf Jahren das Abschlusskonzert und lud noch einmal »die Alten« von »Liederbuch« zum Mitmachen ein. Daraus entstand die CD »Nachlese«.

Und wo war Nora noch unterwegs? 1993 bis 2003 bei der Kinzenbacher Blasmusik, an der Chorleiterschule in Marburg, was sie befähigte, die Gesangsgruppe des Volksmusikvereins Wettenberg über achteinhalb Jahre zu leiten sowie den Chor des Krumbacher Gesangverein. Darüber hinaus intensivierte sie ihre Fortbildung im Saxophon-Spiel bei Jörg Eichberger und spielte beim Blasorchester der TSG Steinbach, war Gesangssolistin bei unterschiedlichen Rock-Pop-Formationen und musizierte im Orchester der Gießener Uni-Big-Band bei Alwin Hofmann. Außerdem erteilte sie musikalische Früherziehung in Biebertal und Butzbach. Und dazwischen: Da beendete sie 1981 ihre Ausbildung, arbeitete in ihrem Beruf als Erzieherin bei der Stadt Gießen und in Pohlheim, war von 1989 Leiterin der Kindertagesstätte »Am Weinberg« in Wißmar und ist seit acht Jahren Jugendpflegerin in Wettenberg.

Nora Schmidt, die heute in Heuchelheim lebt, wird am 27. September 50 Jahre jung und denkt nicht ans Aufhören, denn »Genug ist nicht genug«, um mit Konstantin Wecker zu sprechen.

Vor allem aber gilt für Nora »Non, je ne regrette rien« (Edith Piaf), und weil sie nichts bereut, wird es am 30. und 31. August auf Burg Gleiberg »40 Jahre NORA und Musik« geben. Veranstalter ist die Gemeinde Wettenberg in Zusammenarbeit mit dem Gleibergverein. Der erste Konzertteil am Samstag beginnt um 20 Uhr, und neben der Rock-Band dürfen sich die Gäste auch auf Gerhard Schmied freuen. Der Eintritt kostet 9 Euro. Am Sonntag ist der Eintritt frei - Nora wird ab 15 Uhr dann mit der Big-Band der TSG Steinbach zu hören sein. Das Rad fahren hat sie für sich inzwischen entdeckt und nach wie vor hängt sie auch an ihrem Hobby Handarbeit. Wahre Leidenschaft indes empfindet sie aber nur für ihre Musik. In ihr kann sie sich ausdrücken und anderen Menschen Freude machen und sie hat noch so viele Ideen - wenn nur der Tag ein paar Stunden mehr hätte...

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