08. Oktober 2015, 11:03 Uhr

Schlagloch an Schlagloch auf der Waldhaustraße

Wettenberg/Lollar (so). Die Waldhausstraße führt ganz malerisch über die Schmelz und verbindet Krofdorf mit dem rund 13 Kilometer entfernten Salzböden. Aber: Das alte Sträßlein ist in einem erbärmlichen Zustand. Für Autofahrer eine Qual, für Radler nicht ungefährlich, angesichts der Schlaglöcher. Was ist zu tun? Was sagt der Kreis? Was die Anrainerkommunen?
08. Oktober 2015, 11:03 Uhr
Die Waldhausstraße zwischen Krofdorf und Salzböden ist marode. (Foto: so)

Schlagloch reiht sich an Schlagloch; die Bankette ist ausgefranst, und mit jedem schweren Laster, der dort unterwegs ist, mit jedem Winter, der Frost bringt, wird der Zustand schlechter.

Auch wenn es keine verlässlichen Zahlen zur tatsächlichen täglichen Frequentierung mit Pkw und Lkw gibt auf der Verbindung zwischen Krofdorf und Salzböden via Waldhaus und Schmelz, so darf doch davon ausgegangen werden, dass die Verkehrsmengen eher gering sind: Dennoch – die Kreisstraße hat Bedeutung und Funktion: Rein formal als Verbindung zwischen Wettenberg und Lollar. Sie hat Bedeutung für Tourismus und Naherholung: Der Krofdorfer Forst und das beliebte Ausflugslokal Schmelz, seit einigen Jahren auch die Salzbödener Schönemühle, werden auf dieser Route angesteuert. Und die Straße ist von Relevanz für Hessen Forst. Vor diesem Hintergrund hat es Überlegungen zur Waldhausstraße gegeben. Doch bei den Beteiligten besteht nicht in allen Punkten Einigkeit: Der Kreis würde die Straße gerne abstufen zur Gemeindestraße und den Kommunen überlassen. Doch die sind darauf gar nicht so erpicht –– jedenfalls dann nicht, wenn nicht vorher saniert wird.

Nachgefragt beim Kreis als »Besitzer« der Straße. Nachgefragt in Lollar und Wettenberg, beim Forst, beim Allgemeinen Deutschen Fahrradclub und beim Schmelz-Wirt Jung: Was ist der aktuelle Stand der Diskussion? Welche Bedeutung misst man der Straße bei? Gibt es Überlegungen zur Neuordnung der Eigentumsverhältnisse? Zur Sanierung? Was würde dies kosten? Wer würde es finanzieren? Wie ist es um die Verkehrssicherheit bestellt? Wie um die Haftung bei Unfällen? Reicht die vorhandene Ausschilderung angesichts der Schlaglöcher? Wäre eine Sperrung, etwa zwischen Krofdorf und Schmelz, eine Alternative zur Sanierung?

Beim Kreis weiß man um die Defizite: »Die K 394 ... befindet sich in einem äußerst maroden Zustand. Sie ist zwischen vier und fünf Meter breit und verfügt nicht über einen Seitenstreifen. Die Strecke weist starke Schlaglöcher auf, es fehlt an einer Randbefestigung, und auch die Streckenmarkierung ist ungenügend«, heißt es aus dem Kreishaus.

Dort charakterisiert man die Straße als »von der verkehrlichen Nutzung her unbedeutend«: Die Einstufung als Kreisstraße treffe heute aufgrund des geringen Verkehrsaufkommens dem Grunde nach nicht mehr zu. Denn genutzt werde die Straße vom Förster, da er das im Wald gelegene Forsthaus bewohnt, von Fahrzeugen der Forstwirtschaft, von Radfahrern und von wenigen Pkw, die unter anderem auch die Schmelz-Mühle ansteuern. »Die Kosten der Sanierung betragen laut Hessen Mobil rund 900 000 Euro«, teilt der Kreis mit. Und kommt infolge zur Bewertung: »Die Sanierungskosten stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen dieser Straße«. Deshalb würden »Alternativen gesucht, die ein vertretbares Kosten-Nutzen-Verhältnis darstellen. Heißt konkret: Der Landkreis Gießen beabsichtigt, die Straße in Teilen abstufen zu lassen.

»Der Landkreis hat bereits mit den beiden Bürgermeistern aus Lollar und Wettenberg Gespräche über die Zukunft dieser Straße geführt. Dabei wurden verschiedene Überlegungen angestellt, deren Umsetzbarkeit – dazu zählt auch die Frage der Finanzierung – noch nicht abschließend geprüft werden konnte«, lautet die zwischen den Beteiligten abgestimmte Antwort, die Baudezernentin Dr. Christiane Schmahl (Grüne) zu Beginn dieser Woche übermitteln ließ. Denkbar wäre für sie zum Beispiel folgendes Modell: Der Kreis saniert den Teil der Strecke von Salzböden bis zur Schmelz, der für Lollar und die Schmelz von Bedeutung ist. Im Anschluss könnte die Abstufung zur Gemeindestraße und die Übergabe an Lollar erfolgen.

»Auch für den Rest der Strecke ist eine Abstufung vorgesehen, die sich nach der späteren Verwendung richtet. Die gesamte Streckenführung führt durch das ökologisch wertvolle Waldstück Krofdorfer Forst. Fahrzeuge zur Bewirtschaftung des Waldes müssen auch weiterhin das Waldgebiet befahren können. Insoweit muss auch mit Hessen Forst Einvernehmen über die Zukunft der Straße hergestellt werden«, so die Einschätzung zum weitaus größeren Abschnitt zwischen Schmelz und Krofdorf-Gleiberg. Und just da ist noch keine Einigung mit Wettenberg erzielt, zudem ist die Bedeutung für den Forst zu bedenken: Möglich wäre beispielsweise auch eine Teilübertragung an Wettenberg zwischen Krokel und Waldhaus, und der Abschnitt zwischen Waldhaus und Schmelz könnte Forststraße werden.

»Größtes Interesse an einer möglichst grundhaften Sanierung der Kreisstraße«, bekundet Bürgermeister Dr. Bernd Wieczorek für die Stadt Lollar. Die Straße sei Zubringerstrecke für die Schmelz-Mühle und alle dort wohnenden Bürger. Was eine Rückübertragung an Lollar (und Wettenberg) angeht, so sagt Wieczorek aber auch ganz klar: »Es ist jedoch allen Parteien klar bzw. ist es rechtlich geregelt, dass vor einer Umstufung die Verpflichtung für den Straßenbaulastträger besteht, die Straße instand zu setzen oder entsprechenden Kostenersatz zu leisten.«

Das sieht auch der Wettenberger Bürgermeister Thomas Brunner so, würde einen Abschnitt der Straße gegebenenfalls übernehmen – wenn sie denn saniert ist: »Loch an Loch lassen wir uns nicht geben. Die Straße muss schon verkehrssicher sein.«

Was die Verkehrssicherheit angeht, so will der Kreis prüfen, ob die Beschilderung ausreicht. Eine Verkehrskommission soll darüber befinden, »inwieweit eine Nutzung dieser Straße aufgrund des schlechten Zustandes derzeit noch möglich ist«, teilt der Kreis auf Nachfrage mit. Und will eine Sperrung nicht ausschließen: Die Straßenmeisterei verschließe die immer wieder auftretenden Schlaglöcher – in dem Umfang, wie es personell machbar sei. Dies werde auf Dauer nicht möglich sein, da sich der Zustand mehr und mehr verschlechtert. Auch eine Teilsperrung (beispielsweise Teilstrecke von der Schmelz bis zum Forsthaus) werde nicht ausgeschlossen, solange über die weitere Verwendung dieser Straße keine Entscheidung getroffen wurde, erklärt der Kreis.

Was sagt dazu der Seniorchef der Schmelz-Mühle, Herbert Jung? Seine Gäste wissen ein Klagelied über die schlechte Straße zu singen. So mancher Rentner mit seinem Mercedes meide den Weg zur Schmelz mittlerweile mit dem Hinweis: »Da mache ich mir die Stoßdämpfer kaputt.« Vor drei Jahren hat Jung daher »die Politik« angeschrieben: Alle Fraktionen und Parteien, die Stadt, den Kreis, Landes- und Bundestagsabgeordnete. Auch die Landrätin weiß um die Problematik, berichtet der Gastronom, denn schließlich kehre sie auf Radtouren immer wieder bei ihm ein. Schließlich hat der Wirt ein nachvollziehbares, legitimes Interesse daran, dass seine Gäste heil zu ihm kommen.

Sanierung für 900 000 Euro?

Nicht zuletzt für die Forstwirtschaft ist die Waldhausstraße »die einzige Möglichkeit, aus dem gesamten Krofdorfer Forst Holz abzutransportieren«, so der Leiter des Forstamts Wettenberg, Harald Voll. Das betrifft alle Waldbesitzer: die Gemeinden Biebertal und Wettenberg, die Stadt Lollar, den Staatswald, den Kirchwald Krumbach sowie Kleinprivatwaldbesitzer, erläutert Voll. Und es gibt dort einen Wertholzplatz, auf dem Qualitätsstämme auch aus anderen Wäldern zentral vermarktet werden. Ergo wird nicht nur Holz aus dem Wald herausgeholt, sondern zum Verkauf auch hineingefahren.

Voll unterstreicht die Bedeutung der Waldhausstraße für den Tourismus, erinnert daran, dass Erholungssuchende in den Forst fahren, »um ausgehend von den Waldparkplätzen bzw. Waldwegeeinfahrten im Wald spazieren zu gehen bzw. anderen Formen der Erholung zu frönen«. Würde diese Möglichkeit im Falle einer Sperrung der Straße wegfallen, so würden sich die Erholungssuchenden an der Krokel, am Waldrand von Krofdorf konzentrieren, »was weder der Erholung, noch Naturschutzbelangen, noch forstlichen Belangen zugute kommt«, so die Einschätzung des Forstmanns. Vor diesem Hintergrund plädiert auch der Vorsitzende des ADFC Gießen, Hartwig Leuer, für den Erhalt der Straße. Aber ohne Löcher.…



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos