25. Januar 2010, 18:42 Uhr

Manfred Schmidt hat einen wichtigen Friedensbeitrag geleistet

Wettenberg (mo). »Wer in der Gegenwart arbeitet und dabei hilft, die Zukunft mit zu gestalten, der tut gut daran, das Gewesene zu bedenken und zu berücksichtigen«, so Manfred Schmidt aus Krofdorf-Gleiberg, dem am Freitag von Bürgermeister Gerhard Schmidt im evangelischen Gemeindehaus in Krofdorf die höchste Auszeichnung der Gemeinde Wettenberg, die Silberne Ehrennadel verliehen wurde.
25. Januar 2010, 18:42 Uhr
Auszeichnung für Manfred Schmidt (v. l.): Pfarrer G. Christoph Schaaf, Ilse Schmidt, Manfred Schmidt, Bürgermeister Gerhard Schmidt und Geschichtsvereins-Vorsitzender Heinz Dahl

Wettenberg (mo). »Wer in der Gegenwart arbeitet und dabei hilft, die Zukunft mit zu gestalten, der tut gut daran, das Gewesene zu bedenken und zu berücksichtigen«, so Manfred Schmidt aus Krofdorf-Gleiberg, dem am Freitag von Bürgermeister Gerhard Schmidt im evangelischen Gemeindehaus in Krofdorf die höchste Auszeichnung der Gemeinde Wettenberg, die Silberne Ehrennadel verliehen wurde. Manfred Schmidt wurde diese besondere Ehrung für seine Arbeit als Lokalhistoriker, als Versöhner durch die Erforschung der jüdischen Geschichte vor Ort sowie als Mitarbeiter im Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde zuteil. Auch als kommunaler Ratgeber im Beirat der einfachen Stadterneuerung, wo er sich intensiv mit seinen Kenntnissen zur Geschichte der Ortskerne Krofdorf und Gleiberg mit eingebracht hat, wirkte Manfred Schmidt mit.

Bürgermeister Gerhard Schmidt führte in seiner Laudatio aus: »Als Lokalhistoriker hat Manfred Schmidt über Jahrzehnte hinweg im Rahmen der Orts-, Familien- und Kirchengeschichte über die Ortsgrenzen hinaus versierte Arbeit geleistet, was ihn auch in der Region bekannt gemacht hat. Mit seiner Ahnenforschung hat Manfred Schmidt anhand der Kirchenbücher vielen Personen aus unterschiedlichsten Ländern ihre familiären Wurzeln nähergebracht.«

Schon seit zwei Jahrzehnten finden seine Artikel zu Dorfnamen im Gemeindebrief der evangelischen Kirchengemeinde (»Die Wolke«) höchstes Interesse.

Als besonderes Anliegen von Manfred Schmidt bezeichnete Bürgermeister Schmidt die Erforschung der jüdischen Orts-Geschichte. Mit den noch lebenden Mitgliedern der in Krofdorf früher beheimateten Familien und deren Nachkommen steht er seit Jahren in Verbindung. Durch seine Arbeit hat er einen erheblichen Beitrag zur Versöhnung beigetragen. Die kam zum Ausdruck die in den Beiträgen dieser Nachkommen bei der Gedenkfeier anlässlich der Enthüllung der Gedenktafel am 9. November 2008. Manfred Schmidt hat dadurch einen wichtigen Friedensbeitrag geleistet, für den insbesondere die Nachkommen der ehemaligen Krofdorfer Familien in USA, Israel, Belgien und Portugal dankbar sind. Zudem hat er in den neu erschienenen Büchern von »Rodheim im Biebertal« und »Vetzberg im Wandel der Zeit« die jüdische Vergangenheit der dortigen Familien aufgearbeitet. Dies ist insbesondere für die jüngeren Generationen von eminenter Bedeutung, die das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte somit authentisch vor Ort »erfahren« können.

Eine Dokumentation der jüdischen Geschichte wurde der Gesamtschule Gleiberger Land für Unterrichtszwecke zur Verfügung gestellt.

Für das kirchliche Engagement von Manfred Schmidt stehen die Mitarbeit im Team der Wolke, die Mitgliedschaft im Presbyterium von 1972 bis 1984, die Betreuung des kirchlichen Gemeindearchivs, die Förderung und Begleitung der Kirchengemeinde sowie die Mitarbeit im Freundeskreis der Denkmalstiftung Evangelische Kirchen Krofdorf und Gleiberg. 1996 stieß er die neue Namensgebung der Kirchen Margarethen- und Katharinenkirche an, in der sich die jahrhundertalte Geschichte abbildet und die Generationen aus katholischer Urprungszeit mit der evangelischen Gegenwart verbindet.

2006 entdeckte Manfred Schmidt auf dem Hofgut Schmitte in Rodheim zwei Bild-Epitaphe, die vor 400 Jahren als Bildtafeln für Erbbegräbnisse verschiedener Familien geschaffen wurden und 1879 auf die Schmitte verkauft wurden. Am 14. November 2009 konnten die beiden Kunstwerke zurückersteigert werden und konnten nun als bedeutendes Zeugnis lokaler Geschichte und Dokument des Glaubens ihrer Zeit wieder an ihrem Ursprungsort zurückgeführt werden.

Manfred Schmidt ist Mitglied im Heimat- und Geschichtsverein Krofdorf-Gleiberg, wo er schon eine Reihe von Vorträgen gehalten hat, gehört zum Gesangverein 1842 Krofdorf-Gleiberg und ist auch immer wieder fachkundiger Referent bei Führungen.

Manfred Schmidt bedankte sich sehr herzlich für die Ehre, die ihm widerfuhr. »Es ist wichtig, Gutes zu bewahren, damit sich Böses nicht wiederholt. Ich danke meinem Herrn für alle bisherige Güte und Treue. Ich danke aber auch den treuen Helfern, meiner Familie, Bürgermeister Gerhard Schmidt und Mitarbeitern der Verwaltung für vielseitige Hilfe«, so Manfred Schmidt. Ihm ist seine Arbeit eine Herzensangelegenheit - das ist deutlich zu spüren.

Pfarrer Christoph Schaaf gratulierte namens des Presbyteriums und der Kirchengemeinde und verlas Grußworte des Gesangvereins und von Siegfried Rosental, mit dem Manfred Schmidt durch seine Recherchen der Geschichte der jüdischen Mitbürger eng befreundet ist.

Bürgermeister Gerhard Schmidt schloss mit Worten von Hermann Gmeiner, dem Gründer der SOS Kinderdörfer: »Alles Große in der Welt entsteht dort, wo jemand mehr tut als er muss. - Heute würdigen wir einen Menschen aus unserer Mitte, der mehr tut als er muss und als Andere tun.« Thomas Bernsdorff umrahmte die Feier mit schönen Gitarrenklängen für einen Freund.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos