01. März 2013, 17:33 Uhr

Krofdorfer down-under: Apfelpflücken statt Apfelkuchen

Wettenberg (so). Von Lehr- und Wanderjahren spricht der Volksmund, wenn er die Zeit der Gesellen meint, die nach ihrer Ausbildung auf die Walz gehen, um bei fremden Meistern ihre erlernten Fertigkeiten zu verbessern – und mehr noch: um Lebenserfahrung zu sammeln, bevor sie selbst Meister werden können.
01. März 2013, 17:33 Uhr
Peter Seidl und Sebastian Kneissl im Tasman-Nationalpark. (Foto: bf)

Nun hat der Spross der Krofdorfer Bäckerei Seidl seinen Meisterbrief seit 2011 an der Wand neben der Backstube hängen. Trotzdem begab er sich vor wenigen Monaten nochmals auf eine besondere Wanderfahrt, vom Gleiberger Land aus quasi ans andere Ende der Welt. Seit Anfang Oktober ist Peter Seidl mit seinem Freund Sebastian »Buddy« Kneißl in Neuseeland. Dort bereisen sie die Doppelinsel und begeben sich derzeit auf die Zielgerade: In gut vier Wochen kehren sie zurück. Sechs erlebnisreiche Monate werden dann hinter den jungen Männern liegen, durchaus großes Abenteuer! An ihren Erlebnissen lassen die beiden ihre Familie und Freunde schon die ganze Zeit teilhaben via Mail und Skype.

Erste Station nach der Anreise war seinerzeit Auckland, wo sich die beiden jungen Krofdorfer um ein Bankkonto und eine Steuernummer kümmerten. Von wegen sechs Monate nur Südsee, Strand und Surfen: Peter Seidl und Sebastian Kneißl, bekannt auch als Oberliga-Handballer der HSG Wettenberg, verdienten sich einen Gutteil der Reisekosten vor Ort. Wenngleich gern auch fachfremd auf Obstplantagen. Nach Erledigung der Formalitäten suchten sich die beiden einen Campervan: Ein etwas angegrauter Toyota »Picnic« wurde zum Begleiter, diente zeitweise auch als Schlafplatz.

Bevor es auf Arbeitssuche ging, standen einige touristische Ziele an: Das Städtchen Kawakawa etwa im Norden von Auckland, wo man unter anderem auf Spuren des Künstlers Friedensreich Hundertwasser trifft. Der große Meister hat dort gut ein Vierteljahrhundert bis zu seinem Tod gelebt – und als bemerkenswertes Gebäude eine öffentliche Toilette gestaltet …

Dann ging es zum Delfine-Schauen nach Paihia im Norden, an die Matauri Bay sowie auf die tropische Coromandel-Halbinsel, zum Baden in heißen Quellen und in Taupo zum Fallschirmspringen, bevor der Wagen langsam gen Süden rollte.

Ende November führte die beiden Krofdorf-Gleiberger der Weg via Wellington zur Südinsel, wo es denn klappte mit einer Stelle in der Landwirtschaft. Auf der Nordinsel war die Suche erfolglos gewesen, denn die Kiwi-Ernte fiel im November dürftig aus, sodass viele Backpacker, die sich sonst als Erntehelfer verdingen, gen Süden zogen, um dort ihr Glück zu versuchen.

»… halt doch Buben vom Dorf«

In Motueka, 50 Kilometer nördlich von Nelson, gelang es zum 1. Dezember: Nachdem Kneißl und Seidl etliche Farmen abgeklappert hatten, fanden sie Arbeit »Mit Kiwipflücken hatten wir leider kein Glück, aber Job ist Job«, kommentierte der gelernte Bäcker seine Arbeit in der Plantage, wo das Duo bis gegen Weihnachten Apfelbäume zu beschneiden und auszulichten hatte. Zu kleine und zu eng beieinander wachsende Äpfel waren rauszunehmen. Reife Leistung bei Regenwetter: 450 Bäume haben die beiden in einer Woche bearbeitet.

Bleibende Eindrücke hinterließ auch die Weihnachtsparade in Montueka. »Wirklich schrecklich; ein paar verkleidete Leute und ein paar dekorierte Pickup-Trucks und Tieflader. War wirklich nicht schön, nicht zu vergleichen mit dem Faschingsumzug bei uns in Krofdorf«, zeigte der Bäckermeister in der Ferne Heimatverbundenheit. Und vom Krofdorfer Zug hat er sicherlich bereits Bilder bekommen.

Auch im Süden nutzten die Weltenbummler die vergangenen Wochen zu Besuchen weltberühmter Naturdenkmäler: So unternahmen sie einen Zwei-Tage-Kayak-Trip im »Abel-Tasman«-Nationalpark, zelteten dort in der Mosquitobay direkt am Meer. An der Westküste waren sie am Fox Gletscher, an den Pancake-Rocks und – am wohl schönsten Fleckchen in Neuseeland – am Milford Sound. »Das Land ist wirklich wunderschön und einen Besuch wert!«, so Peter Seidl.

Die beiden jungen Männer haben vor Kurzem ihr Auto in Christchurch wieder verkauf und sind noch einmal in eine ländliche Gegend gezogen. »Dort ist das Leben günstiger als in der Stadt, und es sind halt doch Buben vom Dorf«, lautet der heitere Kommentar von Bäcker-Senior Norbert Seidl.

Am morgigen Sonntag wollen die Jungs Neuseeland verlassen, sie werden von Christchurch nach Sidney fliegen. Dort haben sie vor, einige Tage zu bleiben und einen befreundeten Bäcker zu besuchen, der mit Peter auf der Meisterschule war.

Von dort aus geht es nach Thailand, wo zwei weitere junge Wettenberger zu ihnen stoßen. Gemeinsam steht dann eine dreiwöchige Rundreise durch dieses Land an. Und in der Karwoche, so hoffen nicht nur die Eltern, werden die Fernreisenden wieder via London und Frankfurt in Krofdorf-Gleiberg zurückerwartet.

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