17. Juli 2013, 09:38 Uhr

Geschichten von Kirchen und Menschen

Wettenberg (mo). Nach einem gelungenen Kirchentag am Sonntag, 7. Juli, und der Festwoche mit einer Ausstellung der Fotofreunde Krofdorf-Gleiberg im evangelischen Gemeindehaus endete das Jubiläum »500 Jahre Kirchenschiff der Margarethenkirche in Krofdorf« mit einem geschichtlichen Abschlussteil und einem Dankgottesdienst.
17. Juli 2013, 09:38 Uhr
Lokalhistoriker Manfred Schmidt stellt den Besuchern im Chorraum alte Utensilien fürs Abendmahl vor. (Foto: mo)

Zum Diavortrag des Lokalhistorikers Manfred Schmidt waren knapp 100 Besucher gekommen. Ihnen berichtete er von der Baugeschichte mit manchen Veränderungen an der Kirche. Kriege zogen über das Gotteshaus hinweg, Belagerungen, Pest und Hungersnöte. Immer ist die Geschichte der Kirche auch eine Geschichte von Menschen mit Pfarrern und Obrigkeiten, mit Veränderungen und schlechten und guten Entscheidungen. Zum heutigen Kirchengebäude schreibt Manfred Schmidt in seinem zum Jubiläum erstellten Büchlein mit über 70 Seiten Interessantes. »Von einem romanischen Vorgängerbau 1271 urkundlich erwähnt, ist heute nur noch der Chorraum mit der Sakristei vorhanden.« Das alte Kirchenschiff sei baufällig geworden und ab 1513 durch den heutigen dreischiffigen Holzpfeilerbau ersetzt worden. In einem Brief der Gleiberger Burmannen und der Gemeinde vom 12. September 1513 an Agnes von Solms, Meisterin des Klosters Altenberg, wird berichtet, dass die Kirche wegen Baufälligkeit durch einen Steinbau »myt eynem helme daruff« ersetzt werden musste.

An 31 Orten der Umgebung wurde meist bei Kirmesveranstaltungen für den Kirchbau unter dem Titel »Inname bitte aller krimessen gelt« gesammelt. Die Tür vom Kirchhof aus in die Sakristei wurde erst um 1834 gebrochen. Dabei wurde über der neuen Tür ein kleines romanisches Fenster entdeckt. Es ist davon auszugehen, dass die jetzt noch vorhandenen drei großen gotischen Fenster des Chorraums ehemals solch kleine romanische Fenster waren.

Eine große Umgestaltung des gesamten Innenraumes der Kirche gab es nach Angaben Schmidts ab 1833. Der Wetzlarer Landrat von Sparre hatte 1832 einer grundlegenden Renovierung der Kirche zugestimmt und sagte, es sei unwürdig, dass »eine so große und ansehnliche Gemeinde eine so finstere und dampfige Spelunke zur Kirche hat«. Mit der Renovierung beauftragt, machte Landbaumeister Friedrich Louis Simon den Vorschlag zum Abriss und dem Neubau einer Kirche, ähnlich des von ihm im klassizistischen Stil erbauten evangelischen Gebäudes in Wißmar. Doch gab man wegen des engen finanziellen Spielraums der Gemeinde der Renovierung den Vorzug. Für einige Zeit war die Orgel im Chorraum eingebaut, davor die Kanzel, was aber später geändert wurde.

1964 bis 1968 gab es unter Pfarrer Hans Christoph Barnikol eine umfassende Restauration unter denkmalpflegerischen Gesichtpunkten. Noch immer aber war der Innenraum der Kirche dunkel gehalten. Das änderte sich 2003 als sie bei einer weiteren Sanierung farblich heller gestaltet wurde.

Wer mehr zur Geschichte der Krofdorfer Margarethenkirche erfahren will, kann für fünf Euro nach den Gottesdiensten oder im Pfarramt das Büchlein von Manfred Schmidt »Im Jahr des Herrn 1513« erwerben. Schmidt wurde von vielen Seiten herzlich für seine engagierte Arbeit und Wissensvermittlung gedankt. Den anschließenden, gut besuchten Abendgottesdienst gestalteten Pfarrer Christoph Schaaf mit Angelika Schroetter, der für finanzielle Fragen zuständigen Kirchmeisterin, und Ursula Schnug als weitere Leserin.



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