04. September 2015, 08:43 Uhr

Druckerei Bender: 110 Jahre »innovative Herkunft«

Wettenberg (no). »Innovative Zukunft braucht innovative Herkunft!« Der in der Druckerei Bender in Krofdorf-Gleiberg verinnerlichte Wahlspruch war dieser Tage ausdrücklich zu vernehmen, als das Unternehmen sein 110-Jähriges feierte.
04. September 2015, 08:43 Uhr
Die Druckerei-«Familie« Bender in Krofdorf-Gleiberg.

Ja, da wurde für einen Moment gute Arbeit früherer Jahre gutgeheißen, auf der man getrost aufbauen kann in eine Zeit hinein, in der es mit dem von Johannes Gutenberg übernommenen Erbe allein nicht mehr getan ist: Flotter Schriftsatz und gute Typografie sowie exzellente Druckqualität reichen kaum zum wirtschaftlichen Erfolg aus in einer Welt, in der jeder PC-Besitzer meint, auf klassische Druckereien verzichten zu können. Daher verstehen sich Benders darüber hinaus mindestens als »Lösungsanbieter und Partner«.

Gleichwohl wurde Vergangenes nicht grenzenlos beschworen bei diesem Treffen, zu dem »die ganze Bender-Familie« eingeladen war. Zu viel Retrospektive kann nämlich schmerzen. Denn der Blick zurück konfrontiert immer noch mit dem allzu frühen Tod von Carsten Bender (36/† 2008), der das Unternehmen kurz vor dem 100-jährigen Bestehen von seinem Vater Herwig übernommen hatte. Weil die 15 Beschäftigten dies auch so sehen und sich in gewisser Weise »wie eine Familie« betrachten, legten sie zum runden Geburtstag Geld zusammen für die Carsten-Bender-Stiftung. Deren Zweck ist die Förderung der medizinischen Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der akuten und chronischen Leukämien.

»Wir sind nicht nur Drucker!«

Seit Jahresbeginn sind Carsten Benders Schwester Melanie Beimel und Wirtschaftsingenieur Jerome Musty alleinige Geschäftsführer der Druckerei. Senior Herwig Bender hat sich damit, wie er dieser Zeitung sagte, endgültig aus dem Unternehmen zurückgezogen. Dieses ist seit 1906 – nach Gründung ein Jahr zuvor in Kinzenbach – am angestammten Platz zu finden, in der Hauptstraße, Ecke Poststraße (früher: Schulstraße). Wilhelm Bender war Gründer, dessen Sohn Willi stand von den frühen 1950ern bis 1974 an der Spitze, bis Herwig Bender einsteigen konnte – als Setzer- und als Druckermeister, was man unter den Jüngern der Schwarzen Kunst einen Schweizer Degen nennt.

Noch ein Abstecher ins Archiv. 2002 war’s eine kurze Personalnotiz der Gießener Allgemeinen Zeitung auf einer Gleiberger-Land-Seite: Gemeldet wurde, dass ein gewisser Jerome Muszy vor dem Prüfungsausschuss der IHK Wetzlar seine Gesellenprüfung zum Bogen-Offsetdrucker als Jahrgangsbester bestanden hat; im praktischen Teil mit einer glatten »1«. Und dass Carsten Bender überaus zufrieden gesagt habe: »Die besten Fachkräfte sind immer die, die man selbst ausgebildet hat.«

Die »innovative Herkunft« des Familienunternehmens zeigt sich allein schon an dessen Existenz: Wenn Benders die Notwendigkeit übersehen hätten, immer fachlich, technisch und qualitativ auf der Höhe der Zeit zu sein, wäre dies irgendwann das Aus gewesen auf einem mehr als schwierigen Markt. So viele Druckereien gab es, gerade solche für Gelegenheitsdrucksachen. Wie viele davon sind heute noch da? Also hat man unter anderem eine Speedmaster SM 74 4 + L von Heidelberger angeschafft. Diese Bogenoffset-Maschine druckt schnell und genau – und mit ihr lassen sich etwa Lackveredelungen unmittelbar auftragen, was gerade bei Premiumdrucksachen angesagt ist. Ihre Technik minimiert beispielsweise Farb- und Papierverbrauch beim Einrichten. Apropos Sparsamkeit und Rücksicht: Die Druckerei Bender vermag Aufträge »klimaneutral« zu erledigen, schafft die Druckplattenherstellung mittlerweile »komplett chemiefrei«. Auch dies versteht man bei Benders unter »innovative Zukunft«.

Ganz nebenbei findet sich das Unternehmen unter den Partnern der Wetzlarer Bundesliga-Rollstuhlbasketballer, der Gießener Tafel sowie der Rotary-Initiative »Brotbox«. Wie sagt Melanie Beimel? »Wir sind nicht nur Drucker!«

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