19. Juli 2015, 21:43 Uhr

Traum von neuer Heimat: Jugendtheater auf Burg Staufenberg

Staufenberg (vh). Modernes Theater, das auf Höhe der Zeit sein will, findet aktuell zwei große Themen: Griechenland und Flüchtlinge. Letzteres brachte die Jugendtheatergruppe der Pfadfinder beim Sommerfestival auf Burg Staufenberg auf die Bühne.
19. Juli 2015, 21:43 Uhr
Unbändige Spielfreude: Die Jugendtheathergruppe der Pfadfinder zeigt auf der Staufenberger Oberburg, wie Träume arbeiten. (Foto: Volker Heller)

Hellas liegt am Mittelmeer, und es fällt schwer zu verstehen, warum die Probleme der Griechen vielleicht auch für die anderen Europäer Bedeutung hätten, außer in den finanziellen Auswirkungen. Flüchtlinge dagegen sind nicht nur in den Nachrichten allgegenwärtig, sondern als tatsächliche Personen im Alltag der Kreisstädte und -gemeinden sichtbar. Und thematisiert in einem Theaterstück der Jugendtheatergruppe des Bundes Deutscher Pfadfinder (BDP), »Junge Bühne Gießen«, auf der Oberburg in Staufenberg.

Hinlänglich informieren Vorträge über die Lebensbedingungen jenseits des Mittelmeeres in Afrika und Arabien, erläutern die Gründe der gefährlichen Flucht und geben Hinweise auf Europa als »Endstation Sehnsucht«, wo Bürokratie dabei zur Hochform aufläuft. Modernes Theater schreit förmlich danach, das komplexe Thema mit den ihm eigenen Mitteln aufzugreifen.

Und dass ein solches Stück beim Publikum womöglich mehr aufrüttelt als ein gut gemeinter, jedoch zwangsläufig auf der abstrakten Ebene angesiedelter Vortragsabend, hat am Wochenende die Jugendtheatergruppe des Bundes Deutscher Pfadfinder (BDP), »Junge Bühne Gießen«, sehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die Kulisse dazu stellte die Ruine des Palas auf der Oberburg in Staufenberg.

Anlass war das jährliche Sommerfestival an diesem Ort, wo der Besucher ohnehin zwischen dem romantischen Burgengefühl und dem Verfall von Gemäuer als symbolträchtigen Ort für Vergängliches hin und hergerissen ist. Das neue Stück der Jugendtheatergruppe heißt »Dream works – Traum arbeitet«. Es wurde unter der Regie des Theaterpädagogen Marc Geisler erarbeitet.

Es ist eine Experiment oder auch eine Collage, was modernes Theater stets sein will. Elemente von Schauspiel, Text, Klang, Rhythmus und Choreografie werden darin vereint. Das Hin- und Hergeschobensein von eigentlich selbstbestimmten Menschen kommt unverholen zum Vorschein. Das zehnköpfige Ensemble – die Darsteller sind zwischen 17 und 25 Jahren alt – integriert jugendliche Flüchtlinge aus Sierra Leone und Afghanistan in den Arbeitsprozess.

Für dieses Projekt hat sich außerdem ein Kontakt mit der Kulturgruppe »Die Welt« der Gießener Wohngruppe der Arbeiterwohlfahrt für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge ergeben. Für den Klang und Rhythmus sorgte das Experimentaltrio »Fan Er« aus Frankfurt mit Lele Kremer (Stimme), Iris Werhahn (Cello) und Michel Nölle (Sounddesign). Die jugendlichen Trommler von »Der Welt« bereicherten die Stimmung mit eindrucksvollen Akzenten.

Enthusiastisches Spiel

Mit ungeheurem Enthusiasmus und ungebändigter Spielfreude liefen die Handlungsszenen im alten Palas an zwei Tagen vor den Augen des Publikums ab. Gefühle entstanden leicht und auch wegen des unmittelbaren Zuschauerkontakts aufgrund der nicht vorhandenen Bühne.

Bürgermeister Peter Gefeller sprach bewegende Worte des Danks und kündigte an, in Staufenberg werde sich demnächst etwas tun bezüglich der Unterbringung von Flüchtlingen. Die räumliche Situation in der Gemeinschaftsunterkunft in Treis, wo derzeit rund 70 Personen leben, sei nicht optimal. Weitere Häuser würden deshalb gesucht, kleinere Einheiten.

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