Reiskirchen

Zunehmender Armut entgegen wirken

Reiskirchen (la). Die Glaubwürdigkeit stellte Pfarrer Andreas Puckel (Katholische Pfarrgemeinde St. Marien Großen-Buseck) in den Mittelpunkt seiner Ausführungen anlässlich der Eröffnung der Kleiderkammer Reiskirchen am Mittwochabend in den Räumen der Schulstraße 6 in Reiskirchen.
05. Februar 2009, 17:44 Uhr
Eröffnung mit zahlreichen Helferinnen sowie (hintere Reihe) Diakon Rudolf Montermann (links), Bürgermeister Erhard Reinl (3. von
Eröffnung mit zahlreichen Helferinnen sowie (hintere Reihe) Diakon Rudolf Montermann (links), Bürgermeister Erhard Reinl (3. von links), Ernst Lichtblau (7.von links), Bürgermeister Holger Sehrt (8. von links) und Pfarrer Andreas Puckel (6. von rechts). (Foto: la)

Reiskirchen (la). Die Glaubwürdigkeit stellte Pfarrer Andreas Puckel (Katholische Pfarrgemeinde St. Marien Großen-Buseck) in den Mittelpunkt seiner Ausführungen anlässlich der Eröffnung der Kleiderkammer Reiskirchen am Mittwochabend in den Räumen der Schulstraße 6 in Reiskirchen. Glaubwürdigkeit entstehe dann, wenn Worte und Taten übereinstimmten. Gerade als Kirchengemeinde sei nicht nur der Glaube an Gott, sondern auch die Glaubwürdigkeit im Handeln ein wichtiges Gut. Der Dienst am Nächsten, am Mitmenschen »sei ein zentraler Auftrag, den wir als Christen erhalten haben«. Nicht in schönen Worten, sondern in der konkreten Tat am Menschen in Not, werde Gott erfahrbar. Daher freue er sich, dass mit der Kleiderkammer in Reiskirchen der Schwerpunkt von Caritasarbeit verwirklicht werden konnte.

Die Zusage der Gemeinde Reiskirchen durch Bürgermeister Holger Sehrt und den Fördervereins der Sozialstation, den Mietzins für die Einrichtung mitzutragen, habe die Realisierung erst ermöglicht. Wenn Sozialarbeit und Hilfe für Menschen in Not mehr sein solle »als einmal einen Euro in den Hut eines Wohnsitzlosen zu werfen«, brauche es Verbindlichkeiten und Perspektiven. Nicht vergessen werden dürfe auch der ökumenische Charakter des Gesamtprojektes.

Gemeinsam mit der Tafel des Diakonischen Werkes sei hier eine Versorgung mit dem Nötigsten gewährleistet, was vor allem in Zeiten verschärften Konkurrenzkampfes und der sich verschlechternden Einkommenslage vieler Familien eine wertvolle Unterstützung ermögliche. Hier zeige sich, dass sich ein Gemeinwesen auf die Kirchen als freie Träger der Sozial- und Wohlfahrtsarbeit verlassen und dass Vieles in Kooperation gelingen könne.

Für die katholische Pfarrei, die ihre Kirche in Buseck habe, sei es darüber hinaus wichtig, Präsenz in Reiskirchen zu zeigen. Mit über 700 Katholiken bei 4200 Einwohnern in Reiskirchen selbst und über 1600 Katholiken bei über 10 600 Einwohnern in der Gesamtgemeinde sei die Kleiderkammer »unsere Visitenkarte vor Ort«, betonte Pfarrer Puckel abschließend. Zuvor hatte Diakon Rudolf Montermann die zahlreichen Gäste, darunter die Bürgermeister Holger Sehrt (Reiskirchen) und Erhard Reinl (Buseck) begrüßt. Es sei ein besonders wichtiger Tag, da man den Blick ganz bewusst auf die Menschen richte, die von der zunehmenden Armut in Deutschland betroffen seien. Man wolle diesen Menschen, deren finanzieller Spielraum immer enger werde, helfen. Das Motto sei »Not sehen und handeln«. Die Kleiderkammer sei ein wichtiger Baustein im Caritas-Ausschuss, das »Auge und Ohr« des Pfarrgemeinderates von St.Marien.

Montermann rief noch einmal die Entstehung der Kleiderkammer Reiskirchen in die Erinnerung. Dank sprach der Diakon den vielen Helfern im Vorfeld und den Helferinnen aus, die sich für den Betrieb der Kleiderkammer zur Verfügung stellten. Ein kleines Wunder sei es auch, dass Peter (Jahn) und Paul (Zimmer) zusammen gefunden und gemeinsam viele handwerkliche Arbeiten erledigt hätten.

Der Dank galt auch vielen Firmen, die Regale, Ständer und Kleiderschränke zur Verfügung stellten, und die Montermann namentlich nannte. Die Kleiderkammer trage zu recht diesen Namen und nicht die Bezeichnung »Klamotte«, da damit minderwertige Kleidung gemeint sei.

In allen Ausführungen wurde immer wieder das Engagement von Ernst Lichtblau und Marie-Luise Geis vom Förderverein der Sozialstation Reiskirchen hervorgehoben, die treibende Kräfte für die Einrichtung gewesen seien. Der Dank galt auch den Familien Nocker, die das gesamte Haus Schulstraße 6, der Kleiderkammer zur Verfügung stellten.

Für Bürgermeister Holger Sehrt ist es wichtig, auch einer sozialen Stigmatisierung vorzubeugen und vor allem für Kinder entsprechende Kleidung anbieten zu können. Der demografische Wandel, aber auch die gesellschaftliche Entwicklung erforderten, Hilfen anzubieten, was mit Herzblut gelungen sei.

Erfreut zeigte sich Sehrt, dass sich auf Anhieb über 20 Helferinnen zur Verfügung stellten, die bei der Annahme und Ausgabe der Kleidung behilflich sind. Die vorhandene Kleidung verdiene wirklich diesen Namen. Es sei perfekt gelungen, Tafel und Kleiderkammer eng miteinander zu verbinden. Ernst Lichtblau, Vorsitzender des Fördervereins der Sozialstation, hob die neuen Wege, die der Förderverein gehe, besonders hervor. Man wolle ein Netzwerk gestalten, das in vielfacher Weise Menschen in Not zugute komme. Dankbar sei er, dass sich auch beide Kirchen eingebracht hätten. Im Anschluss an die Eröffnung hatten die vielen Besucher Gelegenheit die Räume mit der Kleidung, die sortiert nach Größe und Art war, in Augenschein zu nehmen.

Die Kleiderkammer Reiskirchen, die auch für die Gemeinde Buseck zuständig ist, öffnet ihre Pforten erstmals am kommenden Dienstag, dem 10. Februar, und ist künftig jeweils dienstags von 14 bis 17 Uhr und donnerstags von 10 bis 12 Uhr geöffnet.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/reiskirchen/Reiskirchen-Zunehmender-Armut-entgegen-wirken;art103,28671

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