Reiskirchen

ZDF-Team filmt in Reiskirchen zum Thema Wassergebühren

Reiskirchen (rüg). »44 Prozent Erhöhung, das ist aber ein bisschen viel«, schilderte der Reiskirchener Herbert Leonhardt am Mittwochvormittag der ZDF-Redakteurin Beate Höbermann seine erste Reaktion, als seinerzeit der Bescheid über die erhöhten Wassergebühren von der Gemeinde gekommen sei.
26. Oktober 2011, 18:28 Uhr
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Ein Team des »Zweiten« war vor Ort und machte Aufnahmen mit der »Bürgerinitiative für faire Wasserpreise« für einen Beitrag in der seit Anfang Mai mittwochs abends laufenden Doku-Formats »ZDF Zoom«. Neben Kritikern der Gebührenerhöhung kam nachmittags auch Bürgermeister Holger Sehrt als Vertreter der Gemeinde vor der Kamera zu Wort.

»Teure Tropfen – das Geschäft mit unserem Wasser« heißt am 30. November um 23 Uhr die rund eine halbe Stunde lange Sendung, in der auch einige Minuten der Reiskirchener Thematik gewidmet sind. ZDF-Redakteurin Beate Höbermann hatte dafür seit Juli recherchiert und war durch Zeitungsberichte auch auf den Streit um die Wassergebührenerhöhung in Reiskirchen getroffen.

»Die schiere Höhe der Anhebung wirft Fragen auf«, so ihr Resümee. Mit 2,16 Euro liege die Gemeinde über dem Bundesdurchschnitt (laut »Die Welt« im Jahr 2010 bei 1,91 Euro).

Neben einer »mehrminütigen Teilstrecke« für Reiskirchen werden in der Sendung weitere Beispiele wie die Stadt Wetzlar vorgestellt, darüber hinaus kommen Experten zu Wort, und auch das Bundeskartellamt und der Bundesverband der Wasserversorger sind Gesprächspartner.

Gut 25 Bürgerinnen und Bürger hatten sich vormittags in der Jahnstraße zum Drehtermin eingefunden und machten ihrem Unmut über die Gebührenerhöhung nicht nur mit Transparenten sondern auch in Kommentaren gegenüber dem Fernsehteam – neben Redakteurin Höbermann, Co-Autor und Regisseur Torben Schmidt, Kameramann Felix Korfmann und Tonmann Matthias Döbert – Luft. »Einfach ne Frechheit«, nannte Herbert Leonhardt die Erhöhung. Günther Petri, Vorsitzender der Bürgerinitiative, sagte: »Ich bin wütend über die Unverfrorenheit, mit der hier die Preise ohne Ankündigung kurzfristig erhöht wurden.«

Karl Peter Plate kritisierte, dass nach dem Einlegen der Widersprüche vonseiten der Gemeinde lange nichts passiert sei. Erst nach neun Monaten, nachdem die Bürgerinitiative einen Anwalt eingeschaltet habe, sei von der Verwaltung eine Reaktion gekommen. »Wir fühlen uns schlecht behandelt, von oben herab. Es gab keine Informationen durch die Gemeinde, wir wurden nicht eingebunden.

Die Dreharbeiten in der Jahnstraße gestalteten sich an diesem nasskalten Vormittag doch etwas schwierig, mussten immer wieder unterbrochen werden, da nahezu pausenlos Autos die Gruppe gegenüber dem Sportplatz passierten und es dem Fernsehteam nicht leicht machten, Kamerafahrten mit dem Dolly auf der Straße drehen oder Interviews zu führen.

Als weitere Stationen sollen dann ein Hochbehälter bei Lindenstruth folgen sowie ein Besuch auf dem Bauernhof von Renz Hornischer in Ettingshausen, der als Landwirt einen besonders hohen Wasserverbrauch pro Jahr verzeichnet. Hornischer ist auch Mitglied der Grünenfraktion in der Gemeindevertretung, die sich immer gegen die 2009 beschlossene Gebührenerhöhung ausgesprochen hatte.

Hornischers Fraktionskollege Dr. Rolf Tobisch gab sich am Rande der Dreharbeiten optimistisch, dass die BI den Rechtsstreit mit der Gemeinde vor dem Verwaltungsgericht gewinnen werde. Neben einem formalen Fehler in der Satzung gebe es einen weiteren, da die Ortsbeiräte dazu nicht gehört worden seien. Auch Petri ist guter Dinge, was den Ausgang des Gerichtsverfahrens angeht: »Ich würde heute schon Wetten annehmen.«

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